Kommentar: Nicht nur am Tag der Pflege sollten wir den Hut ziehen

Ob in Krisensituationen wie im Moment, an Wochenenden oder an Feiertagen, sie sind immer da: Krankenpfleger. Schichtarbeit und sehr viel Verantwortung - es ist ein Job, der einem viel abverlangt. Deshalb sollte man den Hut vor den Pflegern ziehen, allerdings nicht nur am Internationalen Tag der Pflege am 12. Mai.

BRF-Redakteurin Lena Orban (Bild: Gary Fank/BRF)

BRF-Redakteurin Lena Orban (Bild: Gary Fank/BRF)

Wir alle durchleben gerade eine ungewohnte, vielleicht auch schwierige Phase. Die einen sind mehr von der Corona-Krise betroffen, die anderen weniger. Aber alle sitzen im Moment im selben Boot. Damit es nicht untergeht, gehen gerade viele Menschen an ihre Grenzen. Vor allem Pfleger, sei es in Krankenhäusern oder Pflegeheimen.

Auch wenn wir uns mal wieder über den lästigen Mundschutz, trockene Hände durch Desinfektionsmittel oder lange Schlangen vor den Supermärkten ärgern, sollten wir uns bewusst machen, dass es Pfleger gibt, die den ganzen Dienst über einen solchen Mund- und Nasenschutz tragen, sich ständig desinfizieren müssen und vermutlich aufgrund von Zwölf-Stunden-Schichten noch nicht einmal die Zeit haben, sich am Supermarkt in die Schlange zu stellen.

Klar, man kann sagen, es ist deren Job, sich um Kranke und Schwache zu kümmern, dafür werden sie ja bezahlt. Aber eine solche Ausnahmesituation, wie wir sie im Moment erleben, ist eben, wie der Begriff schon sagt, nicht alltäglich. Und dann einen guten Job zu machen, wenn Krankenhäuser und deren Umgang mit Corona-Patienten auch noch so unter Beobachtung stehen, ist bestimmt nicht einfach.

Wenn dann immer noch zu wenig Schutzmaterial vorhanden ist, wie letzte Woche eine Umfrage der Uni Antwerpen hervorgebracht hat, dann sind Pfleger wirklich nicht zu beneiden. Unter solchen Voraussetzungen zu arbeiten verlangt einem nämlich einiges ab – aber Handtuchwerfen kommt da nicht in Frage.

Der internationale Tag der Pflege ist die Chance, Krankenpflegern den Respekt entgegen zu bringen, den sie verdienen. Jeder kann seine Anerkennung ausdrücken, wie er will. Ob klatschend auf dem Balkon oder ganz im Stillen. Allerdings sollte man das nicht nur an diesem einen Tag machen. Sondern prinzipiell.

Der heutige Tag der Pflege geht zurück auf die Frau, die Wegbereiterin für die moderne Pflege war: Florence Nightingale. Sie kam am 12. Mai 1820 – genau vor 200 Jahren – zur Welt. Damals entschied sie sich gegen den Willen ihrer Eltern für die Lehre zur Krankenpflegerin. Sie hat ein Londoner Pflegeheim geleitet, Verwundete des Krim-Krieges gepflegt, eine Ausbildungseinrichtung für Militärärzte gegründet und die Umstrukturierung des Royal Army Medical Departments voran gebracht. 1860 eröffnete sie die Nightingale Pflegeschule, die heute Teil des Londoner Kings College ist. Sie wurde sogar mit dem Royal Red Cross ausgezeichnet.

Seit Nightingale hat sich in der Krankenpflege viel verändert. Heute wäre sie wahrscheinlich mittendrin, würde ihr bestes für die Gesellschaft geben – so, wie es derzeit alle Krankenpfleger, Ärzte, Virologen, Lehrer, Polizisten und noch viele andere tun.

Immer wieder heißt es, der Pflegeberuf müsse aufgewertet, attraktiver gestaltet und besser bezahlt werden. Wann, wenn nicht jetzt, ist der Beweis dafür erbracht, dass da etwas passieren muss? Ich bin froh, dass sich immer noch Menschen für diesen Job entscheiden, denn nicht jeder ist dafür gemacht.

Um es in Florence Nightingales Worten zu sagen: „Krankenpflege ist keine Ferienarbeit. Sie ist eine Kunst und fordert, wenn sie Kunst werden soll, eine ebenso große Hingabe […] wie das Werk eines Malers oder Bildhauers.“

Lena Orban

Ein Kommentar
  1. Michaelis Edgar

    …“Pflegeberuf müsse aufgewertet“ werden ! Richtig !
    Aber
    Wenn man die Gesundheitsministerin De Block ungeniert machen lässt, wird es zu keiner „Aufwertung“ kommen. Sie hat ja vor (laut Presse), „ungenügend/minder Qualifizierte“ zur angeblichen Unterstützung, ins Pflegesystem zu bringen…. ‚Corona‘ deckt auf was passiert wenn man die Krankenhausverwaltung durch entsprechende „Kasino-Finanz/Wirtschaftpolitik“ der ‚Ausplünderung‘ freigibt, … und jetzt ist das „gute Personal“ dran, das übrig geblieben ist ! Wetten ? …von Seiten der Politik wird eine Solidarität nichts zu erkennen sein !