Kommentar: Schülerdemonstrationen – Nehmt die Zukunft endlich ernst!

35.000 Jugendliche sind Donnerstag in Brüssel für das Klima auf die Straße gegangen. 35.000 allein in Brüssel! Das war die größte Schülerdemonstration fürs Klima seit langem. Hieß die Parole von Jugendlichen in den 80ern noch "No future", heißt es jetzt "...for future". Hier demonstrieren keine Resignierten, sondern junge Menschen mit Perspektiven. Man sollte sie ernst nehmen.

BRF-Redakteurin Anne Kelleter

BRF-Redakteurin Anne Kelleter (Bild: Achim Nelles/BRF)

„Schwänzen fürs Klima“ – eine Parole, die so blöd wie genial ist. Blöd, weil so der Vorwurf entsteht, die Jugendlichen gingen nur auf die Straße, weil sie keinen Bock auf Schule oder Uni haben. Das passt perfekt in das Image der „Null-Bock-Generation“, das man ihnen so gerne aufdrücken möchte. Genial ist die Parole aber auch. Vor allem weil sie sich – vielleicht auch unterbewusst – genau dieses Vorurteil zu eigen macht.

Dass diese Schüler und Studenten weder „null Bock“ noch „keine Ahnung“ haben, zeigen die Demonstrationen nämlich ganz deutlich. Sie verlaufen organisiert und friedlich und werden doch beachtet. Interviewaussagen sind ehrlich und redegewandt. Hier geht es definitiv nicht ums Schwänzen, hier geht es um legitime Forderungen nach mehr Verantwortungsbewusstsein gegenüber unserem Planeten.

Das ist eine Forderung, die schon viel zu lange überhört wird. Die Klimapolitik der letzten Jahre war von Resignation, leeren Versprechungen und Ausreden geprägt. Lösungen seien „nicht umsetzbar“, Realitäten „zu komplex“. Wirtschaftliche Interessen übertrumpfen so gut wie jedes Mal die des Planeten. Das kann doch keiner mehr hören. Ich wünsche mir, dass der Protest diesmal endlich etwas bewirkt, dass er so lange weiter geht, bis auch den blindesten Profitgeiern und Egomanen die Augen aufgehen. Ich hoffe, dass diese Schüler und Studenten zeitnah ernst genommen werden und dass ihnen ihr Idealismus erhalten bleibt.

Leider fällt dieses „Ernst-Nehmen“ gerade der Generation nicht leicht, die etwas ändern kann, weil sie Schlüsselpositionen in Gesellschaft, Politik und Wirtschaft besetzt. Das zeigt sich auch an der fast schon großväterlichen Art mancher Kommentatoren. Da freut man sich, dass die „sonst als so farblos geltende Generation auf die Straße geht“. Warum immer so von oben herab? Warum muss man sich jedes Lob mit einer Beleidigung erkaufen? Eigentlich sollte unsere Gesellschaft stolz sein, dass diese Schüler und Studenten für unseren Planeten eintreten, schließlich hat sie sie erzogen und hervorgebracht. Dank gilt deshalb auch jedem Elternteil oder Lehrer, der beim „Schwänzen für den guten Zweck“ ein Auge zudrückt und die Proteste unterstützt.

„Ich will nicht eure Hoffnung, ich will, dass ihr in Panik geratet“, sagte die Schwedin Greta Thunberg auf einer Pressekonferenz vor dem Weltwirtschaftsforum in Davos. Sie hat nicht nur eine weltweite Protestbewegung ins Rollen gebracht, sondern ist auch das beste Beispiel dafür, dass viele Jugendliche beim Thema Klimaschutz erwachsener denken und handeln als viele Erwachsene.

Diese Generation ist mit den Schlagworten Klimawandel, Artensterben und Umweltverschmutzung aufgewachsen. Um Umwelt ging es schon vorher, aber noch nie in diesem Ausmaß und in dieser Dringlichkeit. Viele junge Leute sind bereit, ihr Verhalten nachhaltig zu verändern. Sie kaufen zum Beispiel Lebensmittel regional ein oder aus nachhaltiger Landwirtschaft. Es gibt auch noch viele Baustellen, zum Beispiel bei der Mobilität, aber der Trend in Richtung Nachhaltigkeit ist eindeutig.

Es ist ein wahnsinnig gutes Gefühl, dass jetzt jeder sieht, dass diese Generation nicht farblos oder unmotiviert ist, sondern sich trotz nie da gewesenen Wohlstands für eine bessere Welt bewegt. Hier wird nicht dem falschen Gott des unbegrenzten Wachstums gehuldigt. Hier stehen keine Bildschirm-Zombies – im Gegenteil. Hier stehen aufgeklärte Menschen, die selbst noch kein (ausreichendes) Mitbestimmungsrecht haben und fordern, dass diejenigen, die die Weichen für ihre Zukunft stellen können, sie endlich ernst nehmen. Viele dieser Entscheidungsträger haben Kinder. Viele sagen, sie lieben sie über alles. Zu wenige handeln auch so.

Ernst nehmen müssen den Klimawandel aber nicht nur Entscheidungsträger, sondern jeder Einzelne. Das ist das Beste an den Schülerdemonstrationen. Sie sind ein Licht am Ende des Tunnels. Wenigstens versteht die junge Generation besser, dass wir nur einen Planeten haben und es höchste Zeit für einen Sinneswandel ist. Noch ist es nicht zu spät. Um es mit den Worten von Greta Thunberg zu sagen: „Wenn ein paar Kinder Schlagzeilen machen können, weil sie nicht zur Schule gehen, dann stellt euch vor, was wir alle zusammen schaffen könnten.“

Anne Kelleter

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10 Kommentare
  1. Marcel scholzen Eimerscheid

    Greta Thunberg ist doch ein besonders krasses Negativbeispiel wie ein junger Mensch sich verrueckt machen laesst. Laut Wikipedia hat sie schon Depressionen, Essstoerungen, etc bekommen wegen des Klimawandels. So etwas duerfte es eigentlich nicht geben. Wir brauchen keine „Jeanne d’Arc des Klimawandels“.

  2. Walter Theissen

    Zum Glück gibt es ja so perfekte Menschen wie Sie! Tolle Alternative!

  3. Marcel scholzen Eimerscheid

    Ich habe nie behauptet besser zu sein.
    Sind Sie es ? Ich finde es schrecklich, dass Menschen sich verrueckt machen lassen. Das sollte doch zu denken geben. Oft genug hat das ins Unglueck gefuehrt.

  4. hanni huber

    . . vielleicht hat sie auch Depressionen und Essstörungen, weil sie in den Foren des BRF die ständig dümmer werdenden Kommentare zum
    Klimawandel liest !!

  5. Carl Schumacher

    Selten so einen dummen Kommentar gehört.
    Die Menschheit hat immer vor grossen Herausforderungen gestanden und hat sie auch immer gelöst. Jetzt einen Wahlspruch eines Kindes : „Ich will nicht eure Hoffnung, ich will, dass ihr in Panik geratet“, zu einem Wahlspruch zu machen ist einfach lächerlich.
    Die Jugend ist unsere Zukunft und unsere Zukunft liegt ganz sicher nicht in der Vergangenheit. Positiv in die Zukunft sehen, die Probleme erkennen, anfassen und Lösungen suchen heisst die Devise, nicht : „zehn Schritte zurück“.
    Erwachsene die aplaudieren wenn Kinder einmal die Woche die Schule schwänzen – ja geht es euch noch gut. Die sollen lernen, Physik, Chemie, Wissenschaften. Und was wenn die noch einen Tag schwänzen, wegen der Kinder die in Jemen verhungern, und noch einen Tage die Woche wegen der Gelbwesten, und noch einen Tag wegen …?

  6. Marcel scholzen Eimerscheid

    Das Verhalten von Greta erinnert mich an das Verhalten von Teenagern, als die Boygroup Take That sich 1996 ausgeloest hatte. Das war auch fuer viele ein Weltuntergang. Anstatt in Weltuntergangsstimmung zu verfallenden, sollte man mit Mut und Zuversicht der Zukunft entgegen gehen. Es ist ein Fehler einen Teenager in seiner Weltuntergangsstimmung noch zu bestaerken, man soll der Greta klarmachen, dass panikieren nichts bringt, sondern nur rationnelles Denken und Handeln.

  7. Guido Scholzen

    Von wegen „Schuleschwänzen“ ! Diese ganzen Demos wurden von den Schulen mitorganisiert!
    Ohne ein grünversifftes Lehrerpotential (ich will nicht alle Lehrer in einen Topf schmeissen), hätte es diese Demos doch nie gegeben. Sogar der BRF hat darüber berichtet.

    Schülerproteste für das Klima – Kay Wagner
    24.01.2019
    https://podcast.brf.be/audio/2019/04/e2dde1ee738e2f11b17a196caedc346f.mp3

    Und würden Lehrer (z.B. Physiklehrer) einen Einspruch einlegen, dann würden diese Kritiker mit ihrem Arbeitsplatz spielen. Klimaschutz ist von der hohen Politik erlaubt und erwünscht, denn es unterstützt deren realitätsfremdes Handeln.
    „Wer die Jugend hat, hat die Zukunft“ wusste schon Napoleon.
    Eine natürliche Klimaschwankung wird als menschengemachte Katastrophe vermarktet, und nur der Ablasshandel mit Emissionszertifikaten rettet uns scheinbar noch. Martin Luther würde sich im Grab umdrehen.
    Da jede Unternehmung, allen voran bankrotte Unternehmungen, immer wieder neue Investoren braucht, instrumentalisiert man die Jugend als neue Kunden. Sie sind nur Opfer einer korrupten verlogenen grünen Ideologie. Das Scheitern ist nur eine Frage der Zeit, nicht der Motivation. Arme Jugend.

  8. Fred Streicher

    @H. Huber
    Sie haben recht Frau Huber. Die Absurditäten, die in diesem Forum von den immer gleichen Leuten geäußert werden, lassen sich kaum noch überbieten.
    Aber der BRF hat wohl die Kommentatoren in seinem Forum, die er verdient.
    Herr Schumacher gibt den Jugendlichen den schlauen Ratschlag, die Probleme zu erkennen, Lösungen zu suchen und anzupacken. Genau das haben die Jugendlichen getan und ernten dafür in diesem Forum herablassende Kommentare.
    Desweiteren empfiehlt Herr Schumacher, sie sollten besser Physik, Chemie und Wissenschaften studieren. Richtig Herr Schumacher! Aber wenn sie dies dann getan haben und zu der Erkenntnis gelangen, es gebe einen von den Menschen zu verantwortenden Klimawandel, werden sie von den gleichen Kommentatoren als linksgrüne Besserwisser diffamiert.
    So sind sie, die schlauen, selbstgerechten, rückwärtsgewandten BRF-Kommentatoren.

  9. Jochen Decker

    Kinder und Jugendliche, die mit Sicherheit nur das nachplappern können, was man ihnen eingeimpft hat, werden hier instrumentalisiert und missbraucht.

    Eigene Erkenntnisse können sie wohl schlecht erworben haben, oder?
    Diese Form einseitiger Propaganda ist alles, aber nicht zu bewundern.

    Wer sind die Strippenzieher und welche Motive treiben sie an?
    Die Rattenfänger, sie sind wieder unterwegs, wer schützt die Kinder?

  10. Margret Hilgers

    Da bräuchte es wohl einen wie Sie !!!!!!!

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