Saisonstart in der Lütticher Oper mit „Lakmé“

In der Königlichen Oper der Wallonie ist am Dienstagabend mit der Produktion "Lakmé" von Léo Delibes die neue Saison eröffnet worden. Diese selten gespielte französischsprachige Oper steht am Beginn einer Spielzeit mit vielen interessanten Produktionen in Lüttich. Dabei hätte ein Brand im Kellergeschoss des Opernhauses im Juli beinahe alle Planungen zunichte gemacht.

"Lakmé" in der Königlichen Oper der Wallonie (Bild: J Berger / ORW Liège)

"Lakmé" in der Königlichen Oper der Wallonie (Bild: J Berger / ORW Liège)

Am 7. Juli 2022 verbreitete sich die Nachricht von einem Brand in der Lütticher Oper sprichwörtlich „wie ein Lauffeuer“. Viele Musiker, Kunstliebhaber und Opernfreunde befürchteten das Schlimmste, weiß man doch allgemein, dass in einem Opernhaus sehr viel Holz und andere leicht brennbare Materialien benutzt werden, vor allem bei den Bühnenbildern. Dem schnellen Eingreifen des Hausmeisters und der Feuerwehr ist es zu verdanken, dass dieser Brand im Untergeschoss nicht zu einer Katastrophe ausgeartet ist. Trotzdem wurde großer Schaden angerichtet, einerseits durch das Feuer selbst, das einen Teil der Bühnenmechanik zerstörte und andererseits durch den Rauch, der sich im gesamten Opernhaus ausgebreitet hatte.

Um rechtzeitig zum Saisonstart wieder Publikum in der Oper empfangen zu können, musste deshalb neben der Reparatur der materiellen Schäden das gesamte Gebäude tiefengereinigt werden. Operndirektor Stefano Pace dankte dann auch am Dienstagabend in einer kurzen Ansprache den zahlreichen Helfern, die es durch ihren unermüdlichen Einsatz ermöglicht haben, dass trotz des Feuers rund 1.000 Zuschauer die Premiere der Oper „Lakmé“ von Léo Delibes erleben konnten.

Mit dieser eher selten gespielten Oper wurde auch gleich der Ton für die gesamte Saison 2022-23 gesetzt. Diese Spielzeit ist nämlich geprägt von weniger bekannten Werken und sogar einigen ausgesprochenen Raritäten und „Lakmé“ mit der tragischen Liebesgeschichte einer Brahmahnentochter zu einem englischen Offizier im britisch besetzten Indien des späten 19. Jahrhunderts passte da perfekt. Zum letzten Mal aufgeführt wurde das Werk hierzulande 1994 und viele der Premierenbesucher hatten die Oper vorher noch nie gesehen.

Am Dirigentenpult stand übrigens nicht der neue Generalmusikdirektor der Lütticher Oper, Giampaolo Bisanti, sondern Maestro Frédéric Chaslin, der bereits zum dritten Mal in den vergangenen zwei Jahren eine Produktion in Lüttich leitet und immer wieder gerne in dieses Haus kommt. Nicht nur fühlt sich Frédéric Chaslin sehr wohl in Lüttich, er leistet auch exzellente Arbeit mit dem Orchester und den Solisten in „Lakmé“. Das Orchester spielt wie üblich hervorragend. Hervorzuheben wären vielleicht die Holzbläser, die in der romantischen und orientalisch angehauchten Partitur von Delibes ganz besonders glänzen können.

Hauptsächlich auf belgische und französische Sänger

Was die Solisten betrifft, so setzt die Lütticher Oper bei dieser Produktion hauptsächlich auf belgische und französische Sänger. Star des Abends war am Dienstag bei der Premiere ganz klar die Sopranistin Jodie Devos aus Libramont. Sie interpretierte die Rolle der Lakmé auf tiefgreifende und subtile Weise und sie meisterte bravourös auch die schwierigsten Arien mit einigen unglaublich hohen Tönen und sehr anspruchsvollen Koloraturen.

Daneben ist vor allem auch Lionel Lhote als Lakmés Vater Nilakantha zu erwähnen. Mit seinem vollen Bass und seinem eindrucksvollen Auftreten ist er die perfekte Besetzung für diesen Priester, der vom Hass auf die Besatzer und von der Liebe zu seiner Tochter angetrieben wird. Der britische Offizier Gérald, der Geliebte von Lakmé, wird interpretiert von dem französischen Tenor Philippe Talbot. Zu Beginn der Premiere trug seine Stimme im Vergleich zu den anderen Solisten vielleicht nicht weit genug, im Verlauf der Vorstellung konnte dann aber vor allem seine gefühlvolle Interpretation des verliebten Offiziers das Publikum begeistern.

Die Regie von Davide Garattini Raimondi ist sehr farbenfroh und lebendig, das Bühnenbild in den drei Akten jeweils an eine der drei Farben der indischen Flagge angepasst. Alles in allem eine sehr stimmige Produktion, wenn auch die Handlung der Oper selbst einige Schwächen aufweist. Das könnte einer der Gründe sein, warum das Werk hierzulande nicht sehr oft gespielt wird. Wenn es dann allerdings doch der Fall ist, wie jetzt in Lüttich, ist diese Produktion ein „Muss“ für alle Opernfans. „Lakmé“ wird in den kommenden Tagen noch fünf Mal in Lüttich aufgeführt. Alle Informationen gibt es auf der Webseite der Lütticher Oper.

Patrick Lemmens

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