ESC: Cornelia Jakobs geht für Schweden ins Rennen

18 Länder sind Donnerstagabend im zweiten Halbfinale vom Eurovision Song Contest mit dabei. Neben Jérémie aus Belgien steht dann auch Cornelia Jakobs auf der Bühne für Schweden - ein Land, in dem der ESC sehr wichtig genommen wird. Erst ein einziges Mal hat sich Schweden nicht fürs Finale qualifiziert.

Cornelia Jakobs bei der Eröffnungszeremonie in Turin (Bild: Marco Bertorello/AFP)

Cornelia Jakobs bei der Eröffnungszeremonie in Turin (Bild: Marco Bertorello/AFP)

Cornelia Jakobs wurde am 9. März 1992 geboren und ist in Stockholm aufgewachsen. Ihre Großmutter war Dirigentin, ihr Vater Rockstar. Da lag es nah, dass auch Cornelia früh anfing. „Ich hab entdeckt, dass ich singen möchte, als ich fünf war. Mit sieben hab ich beim Konzert meines Vaters gesungen und fühlte mich richtig wohl auf der Bühne.  Während meiner Kindheit war ich in verschiedenen Bands und ging dann auf die Musikhochschule.“

Für sie war immer klar, dass sie Musikerin wird. Jetzt ist die 30-Jährige stolz, dass sie beim ESC Schweden vertreten darf. Zwischen der schwedischen Vorentscheidung ‚Melodi Festivalen‘ und Turin musste sie so manches bedenken. „Ich war bei der Pre-Party in Madrid und hatte Spaß dort. Ich will einerseits mit so vielen Menschen reden und mein Glück mit ihnen teilen, aber auf der anderen Seite muss ich mir die Energie aufheben und meine Stimme schonen.“

„Meine Persönlichkeit ist wirklich schlecht für meine Stimme und das ist etwas kontraproduktiv, denn ich rede zu viel und das schadet meiner Stimme. Deshalb kann ich nicht alles tun, was ich eigentlich gern tun würde. Außerdem musste die Show auf der Bühne total umgestrickt werden, weil die Bühne in Schweden eine ganz andere war als jetzt die in Italien.“

Es geht ihr nicht hauptsächlich darum, den Eurovision Song Contest zu gewinnen. „Mir ist am wichtigsten, dass ich mit einem Lied auf der Bühne stehe, dass ich mag. Vor einem verrückten Publikum. Nach dem ESC will ich so viel wie möglich live spielen, deshalb ist es für mich ein Gewinn, beim ESC dabei zu sein. Es schauen fast 300 Millionen zu. Vorher konzentriere ich mich ganz intensiv und lege wie bereits zur Zeit der schwedischen Vorentscheidung mein Handy einfach beiseite.“

Sie freut sich einfach, wenn sie durch den Song Contest später in ein paar Ländern auftreten kann, in denen sie bisher nicht war. Die Songwriterin gehörte 2010 zur Girlgroup Love Generation, 2018 begann sie als Solistin. Jetzt freut sie sich, dass überall wieder Publikum zugelassen ist. „Dass wir wieder Publikum in den Hallen haben, ist für mich das Größte. Im Halbfinale der schwedischen Vorentscheidung durften 500 Zuschauer mit dabei sein, im Finale waren es dann 27.000. Das war ein riesiger Sprung. Die Zeit ohne Publikum war so lang, aber mit Publikum spürt man gegenseitig viel mehr, dass Energie fließt.“

Welche Favoriten hat Cornelia eigentlich beim diesjährigen ESC? „Es sind viele Frauen dabei diesmal, was ich gut finde. Ich mag Monica aus Litauen und S10 aus den Niederlanden. Und ich mag Shanel aus Spanien so gern. Sie ist der Hammer. Eine tolle Tänzerin. Ich mag ihre Energie.“ 

Nach dem großen Ereignis in Turin möchte sie viel auf Tour sein, Singles veröffentlichen und endlich ihr erstes Album auf den Markt bringen. Dass sie in den Wettbüros mit ihrem Lied „Hold me closer“ hoch gehandelt wird (Platz vier sagen die Wettbüros voraus!), sieht sie gespalten.

„Ich bin happy, dass ich zu den Favoriten gehöre, das ist verrückt und ein großes Kompliment. Es bedeutet aber auch Druck und es ist ein Risiko, denn viele wählen nicht unbedingt die, die schon als Favorit feststehen. Aber ich sehe meine Favoritenrolle als Kompliment – weil es toll ist, wenn Menschen das mögen, was ich tue.“

Alain Forotti