Eurovision Song Contest: Kalush Orchestra vertritt die Ukraine

Beim 66. Eurovision Song Contest in Turin geht es am Dienstag im ersten Halbfinale um die Wurst. 17 Länder nehmen teil und zehn davon kommen ins große Finale am Samstag. Mit der Startnummer sechs ist die Ukraine dran, die laut Wettbüros die besten Chancen auf den Gesamtsieg hat.

Kalush Orchestra (Bild: Marco Bertorello/AFP)

Kalush Orchestra - Oleh Psiuk, Tymofii Muzychuk, Ihor Didenchuk, Vitalii Duzhyk, Oleksandr Slobodianyk und Vlad Kurochka - bei der Eröffnungszeremonie des ESC 2022 am Sonntag (Bild: Marco Bertorello/AFP)

Das Kalush Orchestra wurde 2019 gegründet und hat sich nach der Stadt Kalush in den Karpaten benannt. Es bedeutet ihnen viel, in Italien mit dabei zu sein. „Es ist eine große Verantwortung, weil in unserem Land Krieg ist. Sehen wir es als eine gute Gelegenheit an, uns für unser Land nützlich zu machen“, sagt Oleh Psiuk. Es funktionierte problemlos, das Kriegsgebiet zu verlassen. „Wir verließen die Ukraine zuerst über Polen und nahmen von dort aus einen Flug, um weiter zu kommen.“

Zwischen dem Ende der Vorentscheidungen und dem Song Contest finden in Madrid, London, Amsterdam und Tel Aviv seit Jahren sogenannte Pre-Partys statt. Bei diesen Ereignissen sind viele ESC-Künstler mit dabei.

Auch der ukrainischen Truppe vom Kalush Orchestra war es ein großes Anliegen, dort nicht zu fehlen und in diese Länder zu reisen. „Wir waren während der Vorbereitungen in Europa unterwegs, gingen dann wieder zurück in unser Land. Und auch wenn alles in Turin vorbei ist, werden wir in die Ukraine zurückkehren.“

Bei der nationalen Vorentscheidung gewann zuerst ein anderes Lied, aber wie so oft dort gab es interne Uneinigkeiten und so wurden die Zweitplatzierten vom Kalush Orchestra geschickt. „Die Gefühle haben sich ständig verändert. Als endlich klar war, dass wir die Ukraine beim Eurovision Song Contest vertreten dürfen, das war kurz vor Kriegsbeginn – und deshalb war die Freude nicht von langer Dauer.“

Verständlicherweise belastet der Krieg auch die Mitglieder vom Kalush Orchestra. „Natürlich ist es schwierig, wenn man morgens aufwacht und nicht weiß, ob noch alle Familienmitglieder und Freunde, die man liebt, am Leben sind. Kurz nach Kriegsbeginn haben alle plötzlich was ganz anderes gemacht, als sonst üblich.“

„Ein Mitglied unseres Teams hat begonnen, unser Land zu verteidigen. Ich zum Beispiel unterstütze eine Organisation mit ehrenamtlichen Helfern, um dafür zu sorgen, dass die Menschen ihre Medikamente bekommen und mit dem öffentlichen Transport zurechtkommen. Jeder Ukrainer versucht, den anderen Ukrainern so weit wie möglich zu helfen. Und ich bin wirklich happy, dass der Zusammenhalt gut funktioniert.“

Musikstil ähnlich wie 2021 – oder nicht

Das Lied „Stefania“ hat Bandmitglied Oleh seiner Mutter gewidmet und sie damit bei der Vorentscheidung überrascht. Bandmitglied Igor gehörte letztes Jahr zu Go-a, die mit einem Platz fünf und 364 Punkten sehr erfolgreich beim Song Contest in Rotterdam waren für die Ukraine mit dem sogenannten Schrei-Gesang.

Manche sagen, dass der Musikstil in diesem Jahr ähnlich ist. „Ich denke, die Ähnlichkeit ist sehr gering. In unserem Fall ist es ein Mix aus Folk und Rap. Die Band besteht nur aus Männern. Es ist ein ganz anderes Image und deshalb denke ich, dass die Ähnlichkeit wirklich nur sehr gering ist.“

Letztes Jahr veröffentlichte das Kalush Orchestra zwei Alben. Vielleicht klappt es in Turin mit dem Sieg. Die Band gibt sich sehr optimistisch und will im nächsten Jahr in einem friedlichen und neu aufgebauten Land den nächsten Eurovision Song Contest im Falle eines Sieges tatsächlich ausrichten.

Bislang gewann die Ukraine mit Ruslana und Jamala zwei Mal den Wettbewerb. Da liegt die Frage nahe, ob sie sich untereinander persönlich kennen. „Ich kenne Jamala gut. Wir sind befreundet. Ich kenne Ruslana nicht persönlich, aber wir wissen voneinander.“

Alain Forotti