Der Königin-Elisabeth-Wettbewerb muss neue Wege gehen

Am 3. Mai startet in Brüssel der diesjährige Concours Reine Elisabeth. Im vorigen Jahr musste der Wettbewerb bekanntlich coronabedingt komplett ausfallen, aber zwei Jahre Pause waren für die Verantwortlichen des weltweit renommierten Wettstreits nicht vorstellbar. So findet diesmal ein Concours unter außergewöhnlichen Vorgaben statt.

Statue von Königin Elisabeth im Brüsseler Palais des Beaux-Arts (Bild: Nicolas Maeterlinck/Belga)

Statue von Königin Elisabeth im Brüsseler Palais des Beaux-Arts (Bild: Nicolas Maeterlinck/Belga)

Endlich ist es ab kommenden Montag soweit: 64 Kandidaten können den Concours Reine Elisabeth mit der ersten Runde beginnen. Eine erste Runde, die schon im Mai 2020 hätte stattfinden sollen, aber Corona sorgte für die Absage des Wettbewerbs. Damals waren 74 Kandidaten zum Wettstreit eingeladen worden. 64 dieser jungen Pianistinnen und Pianisten möchten sich jetzt der Jury und dem Publikum stellen. Aber Präsenzpublikum wird es weder für die beiden ersten Runden im Kulturzentrum Flagey noch für das Finale vom 24. bis 29. Mai im Palais des Beaux-Arts geben.

Auch wenn das Publikum in den beiden Sälen nicht präsent sein darf, gibt es doch die Möglichkeit auch in diesem Jahr, den Wettbewerb zu verfolgen. Die RTBF und die VRT übertragen diesmal sogar ab der ersten Runde sämtliche Auftritte live in Ton und Bild und auch auf der Webseite des Concours kann man das Geschehen integral als Videostream ab der ersten Runde verfolgen.

Teilnehmer aus 19 Ländern

Vor einigen Tagen sind die 53 Pianisten und elf Pianistinnen in Brüssel eingetroffen. Sie stammen aus 19 verschiedenen Ländern und wie so oft in den letzten Jahren sind viele der Kandidatinnen und Kandidaten aus Fernost: Allein 15 kommen aus Korea und sieben aus Japan. Auch Russland ist mit elf Teilnehmern sehr stark vertreten.

Gleich nach ihrer Ankunft in Brüssel haben sich alle einem Corona-Test unterzogen, sind dann in Quarantäne gegangen und werden am 30. April ein zweites Mal getestet.

Schön ist, dass auch in diesem außergewöhnlichen Jahr die jungen Musikerinnen und Musiker bei Gastfamilien untergebracht werden können. Dies ist ja eine der sympathischen Eigenheiten des Concours Reine Elisabeth im Vergleich zu zahlreichen anderen internationalen Wettbewerben.

Ablauf angepasst

Der Ablauf des Concours Reine Elisabeth musste ein wenig abgeändert werden. In der ersten Runde bleibt noch alles beim Üblichen. Hier präsentiert jede Pianistin und jeder Pianist ein 25-minütiges Solo-Programm, das sowohl eine Sonate der Klassik als auch Etüden der Romantik oder Moderne umfassen muss. Aber danach werden nicht wie sonst 24 sondern nur zwölf Kandidaten ins Halbfinale einziehen, das vom 10. bis 15. Mai wieder in Flagey stattfinden wird.

Dies ist den sanitären Vorgaben geschuldet. In den letzten Jahren war es üblich, dass jeder Halbfinalist an zwei Tagen auftreten musste, einmal in Begleitung des Orchestre Royal de Chambre de Wallonie mit einem Mozart-Klavierkonzert und an einem anderen Tag mit einem Solo-Rezital. Jetzt muss dies in direkter Folge geschehen. Das heißt am Nachmittag spielt ein Kandidat sein gesamtes Programm und am Abend dann der nächste Kandidat. Somit können an sechs Tagen nur zwölf Halbfinalisten teilnehmen.

Demzufolge bleiben sechs Finalisten übrig, die dann vom 24. bis 29. Mai begleitet vom Belgian National Orchestra das Pflichtwerk des französische Komponisten Bruno Mantovani und ein großes Konzert ihrer Wahl im Palais des Beaux-Arts spielen werden.

Diese Änderungen des Reglements haben zum Ziel, einen für alle Teilnehmer sicheren Wettbewerb durchzuführen und dabei auch weiterhin den höchsten Ansprüchen gerecht zu werden.

Hans Reul