Lütticher Oper startet mit Verdis „La Traviata“ ein umfangreiches Streaming-Programm

Seit nun zwölf Monaten ruht - bis auf eine kurze Unterbrechung im September 2020 - der Spielbetrieb an der Königlichen Oper der Wallonie. Auf Anregung der Musikalischen Leiterin des Hauses, Speranza Scappucci, startet jetzt eine Streaming-Reihe mit 15 verschiedenen Produktionen. Am Donnerstagabend geht es los mit Verdis "La Traviata".

Speranza Scappucci, Chefdirigentin der Lütticher Oper (Bild: Opéra Royal de Wallonie-Liège)

Speranza Scappucci, Chefdirigentin der Lütticher Oper (Bild: Opéra Royal de Wallonie-Liège)

Diese Saison 2020-2021 hätte eine der schönsten in der 200-jährigen Geschichte der Lütticher Oper werden sollen. Alles war angerichtet: Operndirektor Stefano Mazzonis hatte alle Zutaten zu einem wahren Festprogramm zusammengetragen, Meisterwerke aufs Programm gesetzt, Stars wie Jonas Kaufmann und Juan Diego Florez verpflichtet. Aber dann musste coronabedingt alles abgesagt werden.

Im September konnte noch „La Bohème“ vor reduzierter Besucherzahl gespielt werden, übrigens eine phantastische Produktion mit einer überragenden Angela Gheorghiu als Mimi, ein weiterer Weltstar, den Stefano Mazzonis nach Lüttich engagieren konnte. Aber danach war Schluss. Stefano Mazzonis hatte noch viele Ideen, wie das Jahr mit wie auch immer gestaltetem Kontakt zum Publikum hätte weiterlaufen können. Aber Anfang Februar starb Mazzonis plötzlich, nach kurzer schwerer Krankheit.

Nach einem bewegenden Konzert als Hommage an Mazzonis ergriff die Chefdirigentin Speranza Scappucci die Initiative und entwickelte ein Streaming-Angebot, das insgesamt 15 Produktionen umfasst. Los geht es mit „La Traviata“.

„Diese ‚La Traviata‘ ist die erste Produktion seit einem Jahr auf unserer Bühne, abgesehen von der ‚Bohème‘ im September 2020. ‚La Traviata‘ sollte einer der Höhepunkte der Jubiläumssaison sein, jetzt präsentieren wir eine semi-konzertante Aufführung, natürlich allen Hygienevorschriften gerecht werdend“, erklärt Speranza Scappucci. „Die Musiker des Orchesters sitzen mit der verlangten Distanz zueinander, getrennt durch Plexiglas, die Solisten stehen in meinem Rücken und der Chor ist im Saal und in den Logen verteilt.“

Also keine leichte Aufgabe für die Dirigentin, aber es ist ihr wichtig, dass alle wieder musizieren und singen können. „Ich mag Musik und Sport und ich bin ein großer Fußballfan. Wenn du zu dem Spieler sagst, du trainierst jetzt ein Jahr alleine zu Hause oder in einem Fitnessstudio, du wirst aber nie mit deiner Mannschaft zusammen spielen, dann macht das keinen Sinn. Die Mannschaft wird dann nicht stärker werden können. In der Musik ist es mindestens genauso“, sagt Scappucci. „Die Musiker müssen einander hören, zusammen spielen, um das Niveau zu halten.“

Somit ist es für Speranza Scappucci unerlässlich, dass es weitergeht. Bis zum Juni stehen 15 verschiedene Produktionen auf dem Programm. „Cosi fan tutte, Konzerte mit den Daniel Oren und Christophe Rousset, viele Kammermusikkonzerte, so dass die Musiker zusammen spielen können, etwa ‚L‘histoire du Soldat‘ von Strawinsky und auch symphonisches Repertoire.“

Alle Informationen gibt es auf der Webseite der Lütticher Oper. Die Streaming-Übertragungen sind entweder kostenfrei zu sehen oder zu einem sehr demokratischen Preis von fünf bis acht Euro.

Hans Reul

Kommentar hinterlassen
Keine Kommentare
Kommentar hinterlassen

Ihre Email-Adresse wird niemals veröffentlicht!
Pflichtfelder sind mit * gekennzeichnet.
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien zu Kommentaren.

Restl. Anzahl Wörter: 150