Daniel Offermann fehlt der direkte Kontakt zum Publikum

Es ist gerade keine einfache Zeit für Musiker, es finden nach wie vor keine kulturellen Veranstaltungen statt und auch die ersten Festivals sind abgesagt. Die Musiker von Girls in Hawaii nutzen die Zeit zum Proben oder arbeiten an Solo-Projekten. Interview mit Bassist Daniel Offermann.

Girls in Hawaii (Bild: Olivier Donnet)

Girls in Hawaii (Archivbild: Olivier Donnet)

Wie kommt ihr mit der Situation klar? Fehlt euch die Bühne?
Ja, auf jeden Fall. Es ist schon recht schwierig. Es hat zwar immer mal wieder so Aktionen gegeben wie mit Livestreams, aber das ist dann doch irgendwo nur ein ziemlich dürftiger Ersatz für den direkten Kontakt zum Publikum.

Verbringt ihr trotzdem Zeit mit dem Musikmachen, im Studio? Ist es eine gute Zeit, um kreativ zu sein?
Es ist schon recht schwierig. Wir haben im letzten Jahr vorgehabt, dass jeder sich um seine eigenen Projekte kümmert. Unser Sänger Antoine hat ein Soloalbum vorbereitet. Ich habe relativ viel Filmmusik gemacht im letzten Jahr. Und eigentlich war geplant, dass wir ab Frühjahr wieder auf Tournee gehen, neue Songs ausprobieren und die im Laufe des Jahres auch dann aufnehmen. Aber im Moment ist alles recht schwer planbar. Wir proben immer mal wieder, um uns auf Auftritte vorzubereiten, die dann doch wieder abgesagt werden. Und das ist schon keine ganz einfache Situation.

Arbeitet ihr derzeit überhaupt zusammen? Wie muss man sich das vorstellen?
Es ist natürlich nicht einfach, gerade wenn um gemeinsam kreativ zu sein. Das geht nicht alles über Videokonferenzen. Man muss sich treffen. Wir versuchen natürlich soweit es geht, aufzupassen. Auch bei diesen ganzen Streaming-Events. Aber es macht die Sache nicht unbedingt einfacher.

Viele Kulturschaffende fühlen sich von der Politik vernachlässigt. Wie siehst du das? Könnte da mehr getan werden für die Kulturszene?
Das ist immer schwer zu sagen. Es bereitet einem natürlich schon hin und wieder ein bisschen Kopfschmerzen, wenn man daran denkt, dass zum Beispiel Flugzeuge voll geladen werden dürfen, aber Theater und Säle, die auch gute Sicherheitskonzepte haben, dann doch nach wie vor geschlossen bleiben. Dann, denke ich, hängt es hin und wieder auch von der Lobby ab. Andererseits habe ich auch die Erfahrung gemacht, dass die Leute in der Politik, die sich mit Kultur und Kulturschaffenden befassen, schon auch aktiv nach Lösungen suchen. Aber die Lage ist auch einfach sehr kompliziert.

Wann gibt es neue Musik von euch – oder kannst du das noch gar nicht sagen?
Wir arbeiten dann doch, wenn es die äußeren Faktoren zulassen, an neuen Songs. Aber viel konkreter kann ich da noch gar nicht werden. Wir wollen das auch diesmal gerne vor Publikum ausprobieren, bevor wir es aufnehmen. Deswegen kann es noch ein bisschen dauern.

lo/km