Lous and the Yakuza: Kongolesisches Talent aus Brüssel

Marie-Pierra Kakoma ist aus dem zweiten Bürgerkrieg im Kongo nach Belgien geflohen und war in Brüssel eine Zeit lang obdachlos. Heute ist sie 24 und Sängerin. Sie hat sich den Künstlernamen Lous gegeben. Und sogar Madonna ist ihr Fan.

Lous and the Yakuza bei den D6bels Music Awards im Februar in Brüssel (Bild: Virginie Lefour/Belga)

Lous and the Yakuza bei den D6bels Music Awards im Februar in Brüssel (Bild: Virginie Lefour/Belga)

Marie-Pierra Kakoma alias Lous ist im Kongo aufgewachsen. Als sie zweieinhalb Jahre alt war, wütete im Kongo der Bürgerkrieg. Ihre Mutter flüchtete mit ihrer kleinen Schwester nach Belgien. Sie blieb mit dem Vater und zwei älteren Geschwistern zurück. Erst zwei Jahre später holte ihre Mutter sie nach, der Vater blieb im Kongo. 2005 zog die Familie wieder nach Afrika, diesmal nach Ruanda, wo beide Eltern als Ärzte arbeiten konnten. Doch da fühlte sich Marie-Pierra Kakoma nicht wohl. Sie wollte zurück nach Europa und beschloss mit 15, alleine nach Brüssel zu gehen und sich durchzuschlagen. Ihr Wunsch, Musik zu machen, war da schon stark gewachsen.

Lous hat auf der Straße gelebt und sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser gehalten. Auf dem Album, das letzten Freitag raus gekommen ist, erzählt sie ihre Geschichte, oder zumindest einen Teil davon. „Von schlimmen Erfahrungen und davon, wie sie dich stärker machen“, sagte sie in Interviews.

Das Album heißt „Gore“, das bedeutet „brutal“, „blutrünstig“. Der Titel stehe symbolisch für Leidenschaft und das Leben, aber auch für Leid und Tod. Aber alles mit einem Augenzwinkern, so Lous. Sie versuche, über ihre schlechten Erfahrungen zu lachen, statt sie sich zu Herzen zu nehmen und in sich hineinzufressen.

Lous and the Yakuza, wie sich die vollständige Truppe aus Musikern und Tänzern nennt, machen eine gute Mischung aus Hip Hop, Soul und R’n’B. Das Ganze auf französisch. Inzwischen gibt es da eine ganze Szene in Belgien: Dazu gehört die Ikone Stromae, Angèle, Romeo Elvis oder auch Damso. Alles sehr kreative junge Künstler, sehr authentisch und nicht leicht in eine Schublade zu stecken.

Auch Lous Texte sind ehrlich, erzählen Geschichten von Aggressionen, von Angst und Verlust. Sie verarbeitet, was sie erlebt und gefühlt hat, als sie als junge Frau alleine in Brüssel auf der Straße lebte, und wie sie sich nicht unterkriegen ließ, bis ihre ältere Schwester sie bei sich aufnahm. Lous sagt von sich, dass ihr die Welt nicht egal ist. Künstlerinnen hätten viel Macht – und mit der müsse man sehr sorgfältig umgehen. Sie will diese Macht nutzen, um auf die Belange von Frauen und Farbigen aufmerksam zu machen.

Auf Lous selbst ist inzwischen auch die Welt außerhalb von Brüssel aufmerksam geworden. Madonna zum Beispiel hat sich als Fan geoutet. Auf Instagram hat sie einen Clip gepostet, in dem ihre beiden Kinder auf „Tout est gore“ tanzen und mitsingen. Das war vor dem Sommer. Seitdem kennt in der Musik-Szene jeder das kongolesische Talent aus Brüssel. Am Dienstagabend hat Lous einen Gastauftritt in der Late-Night-Show Jimmy Fallon. Da wird sie „Amigo“ singen, den aktuellen Hit aus dem Album „Gore“.

hln/stubru/soir/jp