Fabio Lesuisse: Ein Opernsänger in Corona-Zeiten

Fabio Lesuisse hat uns in den vergangenen Monaten immer wieder bei Opernproduktionen im Theater Aachen begeistern können. Sei es als Junior in Bernsteins "Trouble in Tahiti und A quiet Place" oder in Tschaikowskys "Pique Dame", in Massenets "Werther" und vor allem in der Uraufführung von Anno Schreiers "Zauberer von Oz". Der 28-Jährige verfügt über eine wunderbare lyrische Baritonstimme und ist auf der Bühne ein Künstler, dem man die Freude am Spiel ansieht.

Fabio Lesuisse (2.v.r.) im "Zauberer von Oz" (Bild: Wil van Iersel/Theater Aachen)

Fabio Lesuisse (2.v.r.) im "Zauberer von Oz" (Bild: Wil van Iersel/Theater Aachen)

Aber derzeit ist nichts mit Bühnenspiel. Die Theater und Konzerthäuser sind allesamt geschlossen. „Es ist eine sehr merkwürdige Phase. Man hängt in der Schwebe, man konnte und kann gar nicht vorhersehen, wie lange das andauert. Es war vor allem am Anfang so, als ob jemand die Stop-Taste gedrückt hätte und man nicht weiß, wann es endlich wieder auf ‚Play‘ wechselt. Es ist wie ein luftleerer Raum, da fragt man sich, wie geht es weiter, wie kann das aussehen…“

Aber jetzt steht die Taste seit zwei Monaten auf Stop. Da gilt es sich trotz alledem, sich fit zu halten. „Man muss immer weiter singen und üben, sich fit halten, damit der Körper auf einem gewissen Level bleibt, neue Stücke einstudieren für kommende Projekte.“

Denn irgendwann werden die Konzertsäle und Opernhäuser wieder öffnen. Wann, das kann derzeit niemand vorhersagen. Fabio Lesuisse ist im Vergleich zu freischaffenden Sängerkollegen da noch in einer etwas privilegierten Situation, denn als Ensemblemitglied wird er zumindest zur Zeit noch durchgehend bezahlt.

„Das ist wirklich ein Segen und wir können dankbar sein, dass es in Deutschland die Ensembles am Theater gibt und dass wir diesen Status haben. Wir sind durch bezahlt, allerdings derzeit in Kurzarbeit, denn die Onlinepräsenz, die wir vom Theater aus anbieten, füllt natürlich nicht den Wochenplan aus.“

Ganz anders und wesentlich dramatischer ist die Situation für freischaffende Sänger. „Gerade für die Sänger, die in der Konzertszene unterwegs sind, ist dies eine Katastrophe, denn zu Ostern gibt es, nach den Weihnachtskonzerten, die meisten Veranstaltungen und die sind nun mal alle ausgefallen.“

Fabio Lesuisse (Pressefoto)

Fabio Lesuisse (Pressefoto)

Für die Oper gilt das Gleiche. „Leider sind da einige Theater nicht fair mit den freiberuflichen Opernsängern umgegangen und haben die Gastgagen nicht oder nicht mal anteilig bezahlt. Das bedeutet, dass viele freischaffende Freunde und Kollegen vor dem finanziellen Ruin stehen.“

Fabio Lesuisse arbeitet weiter an seinem Repertoire und da steht Mozart ganz vorne auf der Liste. „In den letzten fünf Jahren habe ich erstaunlicherweise keine Mozart-Partien gesungen, aber da bereite ich den Papageno, auf den Guglielmo aus Cosi fan tutte vor, um mich dann langsam an den Grafen Almaviva, Leporello und Don Giovanni ran zu wagen. Es wird Zeit, würde ich sagen.“

An Engagement und Begeisterung mangelt es sicher nicht. Bleibt zu hoffen, dass Fabio Lesuisse und seine Kollegen bald wieder auf die Bühne dürfen.

Hans Reul

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