Erster Internationaler Dirigentenwettbewerb in Lüttich endet ohne ersten Preis

Am Samstag endete der Erste Internationale Operndirigentenwettbewerb in Lüttich ohne einen ersten Preisträger. Die hochkarätig besetzte Fachjury vergab keinen ersten Preis, sondern zeichnete zwei Kandidaten jeweils mit einem zweiten Preis aus. Mit dem Laureaten und Jurymitglied Speranza Scapucci sprachen wir über diese etwas überrasche Entscheidung.

Lüttichs Operndirektor Stefano Mazzonis hatte es immer wieder betont, der Jury ist es vorbehalten, keinen ersten Preis beim Internationalen Operndirigentenwettbewerb zu verleihen, es könnte auch zwei zweite Preise oder sogar nur einen zweiten Preis und zwei dritte Preise geben. So wird es übrigens auch bei anderen bedeutenden Wettbewerben gehandhabt, etwa beim ARD-Wettbewerb in München oder beim Internationalen Wettbewerb der Alten Musik in Brügge. Und womit niemand gerechnet hatte, ist dann auch eingetreten. Die Jury verlieh zwei zweite und einen dritten Preis.

Es ist eine nachvollziehbare und doch mutige Entscheidung, gleich beim ersten Wettbewerb keinen ersten Preis zu verleihen. Aber das zeigt, in welcher Liga der Wettstreit mitspielt. Nur das allerhöchste Niveau ist ausreichend, um als Sieger die Bühne zu verlassen. Wenn man die drei Finalisten im Halbfinale erlebt hatte und jetzt beim Finale, war es tatsächlich offensichtlich, dass zum Beispiel der sehr junge Italiener Michele Spotti, der beim Halbfinale überragend war, beim Finale im ersten Akt der Verdi-Oper Falstaff einige Mühe hatte, das große Ensemble zusammen zu halten. Aber am Falstaff ist auch schon manch anderer erfahrener Dirigent gescheitert. Der 24-jährige Michele Spotti war jedenfalls rundum zufrieden.

Zehn Tage dauerte der Wettbewerb und es galt sich in insgesamt fünf Runden zu bewähren, und dies bei verschiedenen Aufgaben. Gleich zu Beginn eine zwölfminütige Probe einer Ouvertüre, dann die Arbeit mit den Sängern und Korrepetitor am Klavier, öffentliche Proben mit großem Ensemble, Chor, Kinderchor und Orchester und letztendlich die Aufführung eines rund 40-minütigen Akts einer Oper beim Finale. Und der Falstaff war, wie Spotti sagte, die größte Herausforderung.

Übrigens alle drei Finalisten haben im Laufe des Wettstreits, zu dem insgesamt 43 Kandidaten aus 17 Ländern zugelassen waren, jeweils Auszüge aus Falstaff, Carmen und La Bohème dirigieren müssen, so dass keiner an Verdis Werk vorbei kam. Man hätte ja denken können, dass der andere zweite Preisträger, der Franzose Pierre Dumousssaud Bizets Carmen im Repertoire hat, aber für ihn war Carmen eine Premiere.

Mit einem dritten Preis wurde ein weiterer Franzose ausgezeichnet: Antoine Glatard. Eines ist sicher, dieser Operndirigentenwettbewerb war ein Erfolg und eine zweite Auflage ist für 2020 geplant.

Hans Reul - Bilder: Lorraine Wauters/Opéra Royal de Wallonie

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