Ehemaliger BRF-Journalist Albert Schoenauen gestorben – ein Nachruf

Der langjährige BRF-Kollege Albert Schoenauen ist tot. Wie die Familie erst jetzt bekanntgab, starb er schon am 8. Januar an den Folgen einer langen und schweren Krankheit. Der aus Hergenrath stammende Schoenauen wäre in diesem Jahr 70 Jahre alt geworden. Über 40 Jahre lang war er für den BRF aktiv, erst als Sprecher, dann als Journalist im Studio Brüssel.

Albert Schoenauen (Bild: BRF)

Albert Schoenauen (Bild: BRF)

Albert Schoenauen hatte eine Stimme, die so unverkennbar war und so sehr mit gewissen Sendeplätzen verbunden, dass so manch älterer Hörer vielleicht bis heute noch im Kopf den Satz vervollständigt: „Vom Belgischen Rundfunk hörten Sie die Presseschau. Redaktion: Albert Schoenauen“.

Albert Schoenauen gehörte zu der für den BRF prägenden Generation. Er war einer der Journalisten, die man über Jahrzehnte schon rein stimmlich mit dem Hauptstadtstudio verknüpfte. Und gerade bei Albert Schoenauen musste man als Hörer den Eindruck haben: „Jetzt wird es ernsthaft, wichtig, seriös, gar staatstragend“.

Und wenn man dem Mann, der sich hinter dieser Stimme verbarg, zum ersten Mal begegnete, dann wurde dieser Eindruck auch zunächst bestätigt: Zwar war er nicht so großgewachsen, wie es die Stimme vermuten ließ, aber Albert hatte ein äußerst elegantes Auftreten – ein Gentleman. Immer adrett gekleidet. Jeans gab es nicht. Immer ein perfekt sitzender Anzug, oft abgerundet mit einer Fliege. Albert witzelte zuweilen, dass ihm Elio Di Rupo wohl dieses Kleidungsmerkmal abgeschaut hatte.

Was aber auch gleich einen weiteren Charakterzug illustriert: Hinter dem stockseriös erscheinenden politischen Beobachter, der unglaublich penibel und akribisch arbeitete, hinter diesem professionellen, pflichtbewussten, klugen, kultivierten Journalisten verbarg sich ein unglaublich humorvoller Mensch. So ernsthaft er in seinen Beiträgen herüberkam, so witzig war er hinter den Kulissen. Kein Ereignis, das nicht von dem erstaunlich quirligen, mitunter irgendwie jugendlich wirkenden Albert pfeilschnell mit spitzfindigem Humor kommentiert wurde, was in regelmäßigen Abständen für schallendes Gelächter sorgte.

In gewisser Weise erinnerte Albert Schoenauen zuweilen an einen Karikaturisten, der in Echtzeit mit spitzer Feder die Tagesaktualität skizziert, immer treffend, aber nie verletzend. Sein Humor trug zuweilen auch Züge von Zynismus, was aber oft an das Pfeifen im dunklen Keller erinnerte. Albert blickte manchmal mit Sorgenfalten auf die Welt. Seine Schwarzseherei konnte sensiblen Menschen sogar Angst einjagen. Für ihn galt wohl die Maxime: Zynismus ist meine Rüstung, Ironie mein Schwert.

Albert gehörte zu denen, die junge Kollegen wohl als Urgestein bezeichnen konnten. Ein Mann, zu dem man Ende der 1990er Jahre als Einsteiger aufblickte. Vor dem Mann und seiner Arbeit hatte man Respekt. Wie überrascht war man da, wenn man nach und nach seine andere Seite entdeckte. Albert Schoenauen hatte nämlich nicht nur ein Talent für politisches Kabarett, Anfang der 1970er Jahre moderierte er auch die ersten BRF-Hitparaden. Wenn man den Journalisten kannte, konnte man diese Karriereetappe kaum glauben. Albert Schoenauen symbolisierte damit in Perfektion die Essenz eines jeden Radiosenders: den Spagat, zuweilen das Spannungsverhältnis zwischen Information und Unterhaltung.

Albert Schoenauen hatte tatsächlich seine Karriere als Sprecher begonnen. Am 2. April 1949 geboren, war er in Hergenrath aufgewachsen. Nach einer Lehrerausbildung zog es ihn aber nach Brüssel, zum BRF, der damals noch BHF hieß und bei dem er am 1. August 1970 seine Radiolaufbahn begann.

Erst arbeitete er also als Sprecher, also in der Unterhaltung. Das reichte dem politisch interessierten Albert Schoenauen aber nicht. Später machte er die Journalistenprüfung und ab 1975 arbeitete er dann in der Redaktion. Das sollte 35 Jahre lang so bleiben bis zu seinem Ruhestand Ende 2010.

Außenminister Leo Tindemans und Albert Schoenauen in 1976 (Archivbild: Belga)

Außenminister Leo Tindemans und Albert Schoenauen 1976 (Archivbild: Belga)

Albert Schoenauen war – zumal in einer Zeit, als es noch kein Internet gab – fast schon so eine Art wandelnde Enzyklopädie für die belgische Innenpolitik. Viele Akteure kannte er persönlich, hatte sie häufig interviewt. Ein Journalist mit enormer Erfahrung. Und doch wäre es ihm nie eingefallen, junge Kollegen von oben herab zu betrachten. Ganz im Gegenteil. Engelsgeduld, fast schon kollegiale Fürsorge zeichneten ihn aus. Hilfsbereitschaft sowieso. Ohne auch nur zu diskutieren sprang er ein, wenn Not am Mann war. Etwa auch, als König Baudouin völlig überraschend am 31. Juli 1993 starb. Da verschob Albert sogar kurzerhand seinen Urlaub um einige Tage, um den Kollegen in der Redaktion beizustehen.

Apropos Urlaub: Albert Schoenauen liebte es zu reisen. Zusammen mit seiner Gisèle, die er 1973 geheiratet hatte und mit der er fast 50 Jahre seines Lebens geteilt hat, hat er buchstäblich die Welt bereist, fast alle Kontinente. Den Sohn Alexander nahm man selbstverständlich mit, auch als er noch klein war, auch wenn’s mit der Transsibirischen Eisenbahn über Moskau nach Ulan Bator und Peking ging. Am liebsten waren Albert und Gisèle aber wohl im Himalaya.

Einmal im Ruhestand sollte es so natürlich weitergehen: Reisen, fremde Kulturen kennenlernen, die Natur genießen. Doch hat seine Gesundheit anders entschieden. In den letzten Jahren hatte die Krankheit mehr und mehr Besitz von ihm genommen. Bis Albert Schoenauen am 8. Januar nach einem langen Leidensweg verstarb.

Mit ihm verliert der BRF einen vorbildlichen Journalisten, einen warmherzigen und liebenswerten Menschen, einen witzigen und hilfsbereiten Kollegen, einen Freund.

Roger Pint

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