Zum zehnjährigen Jubiläum zeigt die neue Ausstellung im Museum "La Boverie" in Lüttich über 300 Werke von Vincent van Gogh über Kees van Dongen bis hin zu Pablo Picasso. Aber nicht nur die ganz Bekannten sind mit dabei.
"Für diese Ausstellung haben wir unveröffentlichte Stücke hervorgeholt – also Werke, die man nur sehr selten zu sehen bekommt", sagt Kurator Grégory Desauvage. "Zudem machen wir die gesamte Vorbereitungsarbeit sichtbar, die in Museen geleistet wird. Das zeigt einen Blick hinter die Kulissen des Museumsbetriebs, was für diesen Anlass natürlich absolut außergewöhnlich ist."
Gleich im ersten Raum dreht sich alles um die Pflege und Rettung von Kunstwerken. Spezielle Farbe und Werkzeuge kommen dabei zum Einsatz. Vor allem beschädigte Kunstwerke benötigen sehr viel Liebe. Ohne Restauration und Konservierung wäre ihr Verfall unumgänglich.
Einen Raum weiter wird deutlich, welche Rolle die wissenschaftliche Analyse bei Kunstwerken spielt. Zusammen mit dem Europäischen Zentrum für Archäometrie der Universität Lüttich nutzt das Museum Physik und Chemie. Zerstörungsfreie Analysen verraten das echte Alter und die Techniken der Meister.
Ein Beispiel ist das Werk vom Französischen Künstler Jean-Auguste-Dominique Ingres. Durch verschiedene Techniken wurde deutlich, dass er Napoleons Kleidung - vor allem seinen Kragen - mehrfach angepasst hat. Das Fenster hatte in der ersten Version keinen Vorhang und auch der Teppich war ursprünglich mit einem Sternenmotiv verziert.

"Es ist eine öffentliche Sammlung, sie gehört also uns allen. Die Idee dahinter ist, ein möglichst breites Publikum zu erreichen. Jeder, der die Ausstellung besucht oder sich auf diese Reise begibt, soll sich darin wie in einem Spiegel wiedererkennen oder zumindest Antworten auf die Fragen unserer heutigen Zeit finden", erklärt Kurator Desauvage.
Ein historischer Höhepunkt: Der Mut einer Lütticher Delegation, die 1939 bei einer Auktion in Luzern moderne, vom NS-Regime verbannte Kunst, rettete. Die ersteigerten Werke gehören seitdem dem Museum.
Kein Wunder also, dass das Haus in den letzten zehn Jahren über 1,3 Millionen Besucher angezogen hat. So kann es, im besten Fall, die nächsten zehn Jahre weitergehen. "Ich würde sagen, unsere Vision ist es zum einen, ein Museum auf modernstem Standard zu haben. Das ist das Erste. Zum anderen wollen wir ein sehr abwechslungsreiches Programm bieten – mit wechselnden Sonderausstellungen, die mal von außerhalb kommen, aber immer häufiger auch mit Ausstellungen, die wir komplett selbst auf die Beine stellen."
Der Rundgang endet im offenen Glashaus. Wer möchte, kann den Besuch mit einem Spaziergang im Parc de la Boverie abrunden. Die Ausstellung "Hinter den Kulissen einer Sammlung" ist noch bis zum 23. August im Kunstmuseum La Boverie in Lüttich zu sehen.
Dogan Malicki










