Zum zweiten Mal trifft im Ikob Kunst auf Feminismus

Zum zweiten Mal hat das Museum für zeitgenössische Kunst Ikob einen feministischen Kunstpreis ausgeschrieben. Ein "einzigartiger Preis", wie das Ikob betont. Auch dieses Jahr war die Resonanz auf den Preis wieder groß.

Zweite Ausgabe des feministischen Kunstpreises des Ikob - Werk von Marnie Slater (Bild: Annika Albrecht/BRF)

Zweite Ausgabe des feministischen Kunstpreises des Ikob - Werk von Marnie Slater (Bild: Annika Albrecht/BRF)

Insgesamt haben sich 300 Künstler für den feministischen Kunstpreis des Ikob beworben. Daraus wurden sechs Finalistinnen ausgewählt, deren Werke aktuell im Museum für zeitgenössische Kunst zu sehen sind. Nach 2019 ist das die zweite Ausgabe, wie die stellvertretende Direktorin Brenda Guesnet erklärt.

„Ich glaube, viele hören „feministischer Kunstpreis“ und denken, das ist alles eine bestimmte Nische oder wir versuchen, ein politisches Statement zu machen. Aber das ist tatsächlich gar nicht der Fall“, so Guesnet. „Wir haben ein sehr breites Verständnis des Feminismus ausgelegt für diesen Preis.“

Dementsprechend unterschiedlich sind auch die Ansätze, wie feministische Kunst aussehen kann. Es gibt Gemälde, Installationen, Film und Performances. Die regionale Preisträgerin Céline Vahsen arbeitet mit Textilien – und das aus einem ganz bestimmten Grund. „Die Rolle der Frau spielt dabei eine Rolle, die aber meistens nicht erzählt wird“, so Vahsen. „Textilhandwerk wurde immer von einer Generation auf die nächste weitergegeben. Also meistens durch Frauen, durch Gesten und nonverbale Sprache. Dadurch ist Textil zu verkörpertem Wissen geworden.“

Die regionale Preisträgerin Céline Vahsen (Bild: Annika Albrecht/BRF)

Die regionale Preisträgerin Céline Vahsen (Bild: Annika Albrecht/BRF)

Um die Textilien zu färben, benutzt Céline Vahsen Naturpigmente und färbt nach alten Methoden. Durch die ausgewählten Farben möchte die Eifeler Künstlerin gewisse Denkmuster sichtbar machen. „Oftmals werden meine Bilder beurteilt als „weiblich“ oder „feminin“. Anstelle von subtileren oder neutraleren Begriffen, wie „hell“ oder „Pastell“. Und da sieht man, dass das Gedanken sind, die in der Gesellschaft verankert sind. Dass Rosa ein Farbe ist, die eher weiblich ist, obwohl bis zum späten Mittelalter Rosa eine Farbe für Jungs war“, erklärt Vahsen.

So regt die Kunst von Céline Vahsen zum Nachdenken an. Schließlich sieht auch sie, dass es in der aktuellen Kunstszene noch ein Gefälle zwischen den Geschlechtern gibt. „Ich bin ja Dozentin an der Kunsthochschule KASK in Gent. Wir haben mehr Studenten, die Studentinnen sind in der Textilabteilung. Und auch sonst in der Kunstabteilung: es gibt mehr Studentinnen, die Kunst studieren. Aber mehr Männer, die in der Kunst ausgestellt sind. Das ist noch immer so.“

Das ist eine Problematik, auf die das Ikob mit seinem feministischen Kunstpreis aufmerksam machen will – und über die dann diskutiert werden soll. „Also die Besucher und Besucherinnen haben sehr unterschiedliche Reaktionen, weil die Arbeiten alle so verschieden sind“, sagt die stellvertretende Ikob-Direktorin Brenda Guesnet. „Aber wir haben sehr viele begeisterte Besucher, manche die auch kritisch sind. Aber das ist ja für uns auch immer positiv.“

So wird die zweite Ausgabe des feministischen Kunstpreises wohl nicht die letzte sein. Die aktuelle Ausstellung mit den Werken der sechs Finalistinnen läuft noch bis zum 25. September.

Andreas Lejeune / Lena Orban