Neue Ausstellung im Ikob: Filme über bizarre Gesten in alltäglichen Lebenslagen

Zwischen bizarr und alltäglich, normal und anormal - das sind Aspekte, die im Werk von Helen Anna Flanagan eine große Rolle spielen. Die britische Künstlerin übertreibt in ihren Filmen gerne, wie Menschen sich im öffentlichen Raum verhalten. Grotesk und humorvoll stellt Flanagan so gesellschaftliche Normen in Frage. Ab Dienstag sind ihre Filme auch im Ikob in Eupen zu sehen.

Würden Sie im Waschsalon ihre Fußnägel schneiden? Oder im Schnellrestaurant ihr Gesicht mit Essstäbchen kneifen? Wohl eher nicht. Es sind oft alltägliche Orte, aber Menschen, die sich dort sonderbar verhalten. Darum geht es in dem Werk von Helen Anna Flanagan. Was normal ist und was nicht – genau das findet die britische Künstlerin interessant und bricht die Normen deshalb in ihren Filmen grotesk auf.

Was alle Filme ihrer Trilogie gemeinsam haben: Sie spielen im öffentlichen Raum. Alle haben einen gewissen politischen Subtext, sagt Flanagan. Wie eine unsichtbare Macht haben die Räume Auswirkungen darauf, wie wir uns verhalten. Ein gutes Beispiel sind vielleicht auch die Teppiche und Kissen, die aktuell im Ikob ausliegen. Die Botschaft: Erst einmal hinsetzen und sich die Filme in Ruhe ansehen. Anschauen kann man sich aber auch die anderen Ausstellungsobjekte – meist Elemente, die aus den Videos stammen.

So zieht sich durch die ganze Ausstellung zum Beispiel eine weiße Bodenmarkierung – wie die Linien in einer Sporthalle. Sie dienen als Parcours für den Besucher. Gleichzeitig sind sie eine Anspielung auf einen der drei Filme. Schauplatz ist eine Sporthalle. Worum es in dem Video geht, erklärt Ikob-Kuratorin Brenda Guesnet: „Wir haben die eine Arbeit, wo es um einen Vorfall in verschiedenen belgische Dörfern geht.“ Über die Medien hatten sich dort Symptome bei Schülern verbreitet, die aber nur psychosomatisch waren.

Das Werk „Gesticulating… Wildly“ von Helen Anna Flanagan ist die perfekte Einleitung in das Jahresthema vom Ikob: nämlich „Gossip“, also Klatsch und Tratsch. Für Kuratorin Brenda Guesnet ist dies übrigens die erste Ausstellung als Ikob-Leiterin: „Ich habe im Januar losgelegt. Die Ausstellung war schon in Planung und wurde wegen Corona verschoben.“

Auch die Künstlerin selbst ist zufrieden, dass sie hier im Ikob ihre Kunst vom Film auf den physischen Raum ausweiten kann. Denn auch hier im Museum gelten oft gewisse Regeln für Besucher. Deswegen habe sie kleine Ziegelmauern in die Ausstellung eingebaut, die ja normalerweise als Abtrennung dienen.

Mehr oder weniger zwecklos seien die Backsteinmauern aber. Denn sie sind so tief, dass man einfach über sie hinweg gehen kann. Für die Kunst von Helen Anna Flanagan gilt also das Motto: Regeln sind da, um gebrochen zu werden.

Raffaela Schaus