„Assange Situation – Emergency“: Miltos Manetas stellt im Ikob aus

Ein außergewöhnliches Kunsterlebnis steigt ab Dienstag in Eupen: Was hat Eupen mit Julian Assange zu tun? Hat der griechische Künstler Miltos Manetas tatsächlich Julian Assange als Kunstobjekt gewählt?

Miltos Manetas, 2020, "430 days in prison (Julian Assange, June 13, 2020)", Oil on Canvas, 120x127cm

Miltos Manetas, 2020, "430 days in prison (Julian Assange, June 13, 2020)", Oil on Canvas, 120x127cm (© Miltos Manetas, courtesy IKOB - Museum für Zeitgenössische Kunst)

Die Meinungen über Julian Assange, den Gründer der Enthüllungsplattform „Wikileaks“ gehen weit auseinander. Für die einen ist er ein Held, der die Mechanismen der globalen Überwachungsindustrie aufdeckte, für die Anderen ist er ein Spion und ein Verbrecher, der geheime Informationen über die USA an die Feinde der westlichen Zivilisation verriet und damit zahlreiche Menschenleben gefährdete.

Für den griechischen Künstler Miltos Manetas ist Assange neben allen politischen, freiheitlichen und philosophischen Fragen auch und zunächst ein Auslöser für Kunst. An jedem Tag, den Assange in Haft verbringt, fertigt er ein Werk – ein Gemälde, eine Zeichnung oder eine Collage – und postet sie auf seinem privaten Facebook-Profil.

Ganz abgesehen davon „teilt er mit vielen anderen besorgten Menschen auf dieser Welt ’ne Sorge um den Ausgang des Prozesses gegen Julian Assange, den Gründer von Wikileaks, der sich für Pressefreiheit einsetzt und als „enemy of the state“ von den USA immer noch gesucht wird“, sagt IKOB-Leiter Frank-Thorsten Moll über die Gründe für Manetas‘ Engagement, wenngleich man Assange zwar nicht suchen müsse, aber die USA wollen seiner habhaft werden und pochen auf seiner Auslieferung.

Für seine Ausstellung „Assange Situation – Emergency“ im IKOB – Museum für Zeitgenössische Kunst, hat Miltos Manetas für jeden Ausstellungstag ein neues Werk gemalt. Jeden Tag kann eine Besucherin oder ein Besucher sich eines der Bilder aussuchen und es sofort und ohne Umschweife mit nach Hause nehmen, nach dem Prinzip „first come first serve“. Je nach Stimmungslage des Künstlers schwankt „die Ästhetik der Bilder zwischen realistisch bis sehr abstrakt“, beschreibt Moll die Werke.

Mit der Aktion möchte Manetas bewusst auf das Verblassen einer öffentlichen Diskussion aufmerksam machen. Gleichzeitig verlagert sich das öffentliche Bild Assanges und damit seine fortwährende Geschichte in den Privatraum derjenigen Menschen, die das Bild aus den unterschiedlichsten Gründen mit zu sich nach Hause genommen haben.

Die Ausstellung von Miltos Manetas ist vom 2. bis 26. Februar im IKOB – Museum für Zeitgenössische Kunst in Eupen zu sehen. Weitere Informationen findet man auf der Ikob-Seite im Internet.

ar/sh