Kultur erfindet sich neu: Festival Impact coronabedingt online

Die Kultur hat es schwer in diesen Zeiten, wo sie doch auf Begegnung und Austausch setzt. Die Macher des derzeit laufenden Festivals Impact haben aus der Not eine Tugend gemacht: Sie sind mit ihren Angeboten zwischen Bühnenkunst und neuen Technologien "online" gegangen.

Back to the Stage: La Jungle (Bild: Julia Slot/BRF)

Coronabedingt geht es nicht anders: Konzerte müssen ohne Publikum vor Ort auskommen, haben aber die Chance, im Netz zusätzliches Publikum zu gewinnen (Archivbild: Julia Slot/BRF)

Dass der französische Illusionist und Filmpionier Georges Méliès zu Ehren kommt, passt ins Bild. Seinem kreativen Schaffen sind beim Festival Impact der Mitschnitt einer Theaterinszenierung und eine Videokonferenz gewidmet. Daneben gibt es Mitmachtheater 2.0 – bei einer Live-Aufführung im nordirischen Belfast. Thema: der Mensch als Maschine, Fragen des Transhumanismus oder, gleich zum Auftakt des Festivals, eine Diskussionsrunde über Low-Tech.

Die Initiatoren des Festivals Impact haben sich für die dritte Auflage einiges einfallen lassen. Auch wenn sie kurzfristig noch eine Schippe drauflegen mussten, erklärt Jonathan Thonon vom Théâtre de Liège.

Gut zehn Tage vor Beginn des Festivals mussten sie wegen der neuen Kontaktbeschränkungen ihr zweiwöchiges Veranstaltungsangebot komplett ins Netz verlagern – 100 Prozent online. Positiv aus Sicht der Veranstalter: nicht nur die beteiligten Künstler waren sehr schnell dafür zu haben, auch das kulturhungrige Publikum zog mit. So konnte sich das Festival Impact teilweise ein neues Publikum erschließen.

Bühnenkunst und neue Technologien

Die zwangsläufige Öffnung zu interaktiven oder sogar immersiven Kulturangeboten, bei denen der Nutzer von zu Hause aus nicht nur mitwirkt, sondern in die er förmlich eintaucht, ist im Grunde genommen eine situationsbedingte Fortschreibung dessen, was mit dem euregionalen Interreg-Projekt Impact von Anfang an gewollt war: Bühnenkunst und neue Technologien zusammenzubringen.

Auf der einen Seite das federführende Théatre de Liège, das Cultuurcentrum Hasselt, die Stichting Jazz Maastricht, der Kulturbetrieb der Stadt Aachen und Chudosnik Sunergia in Eupen, auf der anderen Seite Forschungseinrichtungen, Universitäten und sogar Unternehmen in der Euregio Maas-Rhein: „Impact“ steht dabei für „International Meeting in Performing Arts & Creative Technologies“.

Das Interreg-Projekt, dessen Förderung Ende des vergangenen Jahres ausgelaufen ist, war darauf angelegt, dass die einzelnen Partner über das hinaus gehen, was sie normalerweise tun – und dass sich das nachhaltig auswirken sollte, sagt Jonathan Thonon – ganz so wie sich das schon bei früheren Projekten bewährt hat, wie beim Festival Pays de Danses oder bei „RegioTheater RegioTanz“.

Kunst und Digitalisierung beziehungsweise die Auseinandersetzung mit der Frage: Was geht und was nicht? Die Corona-Krise mit ihren Einschränkungen wurde zum Experimentierfeld und Beschleuniger gesellschaftlicher Prozesse.

Für Jonathan Thonon führt die Absage von Kulturveranstaltungen wie Konzerten, Theateraufführungen und Festivals zu einer zwiespältigen Erfahrung: Ihre Bedeutung wird umso bewusster erfahren als sie fehlen. Einen Seitenhieb an die Politik kann sich Thonon darum nicht verkneifen: Die Kultur sei insofern durchaus „essenziell“ – auch in wirtschaftlicher Hinsicht.

Die Online-Angebote des Festival Impact findet man unter anderem auf der Website des Théâtre de Liège.

Stephan Pesch