Rad der Zeit: Skulptur für St. Vither Klinik

Kunst im Krankenhaus - dafür ist die St. Vither Klinik St. Joseph besonders aufgeschlossen. Auch wenn das Budget keine Ankäufe vorsieht, können Patienten und Besucher immer wieder Kunstwerke im Haus bewundern - dank Leihgaben oder ehrenamtlicher Arbeiten wie der von Jean-Pierre Bredo und Norbert Huppertz. Die beiden Künstler haben jetzt eine Skulptur für die St. Vither Klinik geschaffen: das "Rad der Zeit".

Bild: Michaela Brück/BRF

Jean-Pierre Bredo und Norbert Huppertz vor dem "Rad der Zeit" (Bild: Michaela Brück/BRF)

„Als Norbert mir das Projekt vorgestellt hat, habe ich sofort zugesagt“, sagt Jean-Pierre Bredo, Künstler aus Stavelot. „Allerdings war ich etwas skeptisch, was die Technik betraf: all diese Räder. Wie sollte das laufen? Aber es funktioniert sehr gut – perfekt.“

Jean-Pierre Bredo und Norbert Huppertz blicken zufrieden auf ihr Kunstwerk. Zehn Tage haben die beiden Künstlerfreunde in einer kalten Scheune auf dem Klinikgelände verbracht, um die Skulptur zu bauen.

Das Material stammt aus dem Fundus von Norbert Huppertz. Der Medeller hat es über Jahre gesammelt.“Für verschiedene Leute ist das Schrott. Aber das ist Kulturgeschichte“, sagt Norbert Huppertz aus Medell. „Das sind alles Räder von landwirtschaftlichen Maschinen, was auch mit Handwerk zu tun hat. Das Problem ist, dass man immer weniger findet.“

35 Räder sind hier zu einer Skulptur verbaut – und das ohne Entwurf. Intuitiv und kreativ sind die beiden Künstler vorgegangen. „Wir haben ohne Plan gearbeitet. Wir haben das anhand des Materials, was hier war , so zusammengefügt, dass es Sinn macht und die Botschaft rüber kommt“, erklärt Huppertz. „Das Thema der Skulptur ist ja das Rad der Zeit, d.h. man muss dafür sorgen, dass die Räder am Drehen bleiben. Die dürfen nicht still stehen.“

Ein Thema, das im Zusammenhang mit dem Krankenhaus und seinen Patienten eine besondere Symbolik hat. Bewusst haben sich die Künstler und die Klinikleitung für eine dynamische Skulptur entschieden. Auch wenn sie nach einer Maschine erscheint, sie soll als Kunstwerk gesehen werden. „Es soll nicht nur ein Räderwerk sein, sondern auch ein ästhetisches Objekt“, so Bredo. „Wir hatten einige technische Probleme zu lösen, damit es hält. So haben wir vier Stangen montiert, um den zentralen Teil zu stabilisieren. Aber er soll nicht einfach so da stehen. Damit es funktionell und ästhetisch ist, haben wir einige Teile hinzugefügt. Ich finde, dass dieses ‚Rad der Zeit‘ ein bisschen an ein Uhrwerk erinnert.“

Im Wechsel sollen die Räder kontinuierlich drehen – das „Rad der Zeit“ wird so programmiert. Nur nachts ist Ruhe. Dann wird es beleuchtet. „Technisch funktioniert das einwandfrei“, sagt Huppertz. „So lange die Motoren das mitmachen, die einen sehr kleinen Verbrauch haben, wird das funktionieren. Ich kann mir vorstellen, dass das in 20 Jahren auch noch dreht.“

Bild: Michaela Brück/BRF

Bild: Michaela Brück/BRF

Auf der grünen Wiese vor der Hauptfassade des St. Vither Krankenhauses soll die Skulptur aufgestellt werden. Hier soll sie nicht nur stehen, sondern Dynamik und Leben ausstrahlen und sich in die Umgebung integrieren. „Was der Skulptur gut tut, ist, dass die Algen von den Bäumen sich drauf setzen. In ein, zwei Jahren wird das komplett integriert sein. Dann wird sie grün sein, teils ein bisschen rostig – als ob sie immer da gewesen wäre“, glaubt Huppertz.

Nur noch ein paar kleine Arbeiten, dann ist das „Rad der Zeit“ fertig. Auch wenn es schon mal Diskussionen über den richtigen Weg gab – für die beiden Künstler war ihr zweites gemeinsames Projekt wieder eine Bereicherung. „Das ist sehr fruchtbar und bereichernd. Einer lernt vom anderen. Technisch bringt er mir viel bei. Ich habe eine künstlerische Ausbildung, Norbert ist eher Autodidakt. Was Ästhetik angeht, bin ich vielleicht etwas fordernder. Aber wir verstehen uns sehr gut, und ich hoffe, es gibt noch weitere gemeinsame Projekte“, sagt Bredo.

Das „Rad der Zeit“ wird am 19. März eingeweiht – am Tag des Heiligen Josef, mit dem sich die St. Vither Klinik über die Zeiten hinweg noch immer verbunden fühlt.

Michaela Brück

Kommentar hinterlassen
3 Kommentare
  1. Weber Johannes

    Ein großartiges Team! Herzlichen Glückwunsch den Künstlern Jean-Pierre Bredo und Norbert Huppertz!
    Johannes Weber

    Hier trifft einmal mehr die Aussage des Schweizer Schriftstellers Gerhard Meier (1917-2008) zu: „Leben hat mit Bewegung, Wiederholung, Kommen und Gehen zu tun, von dieser Gewissheit bin ich durchdrungen.“
    (aus dem Buch „Das dunkle Fest des Lebens“, Zytglogge Verlag, Basel)

  2. Walter Theissen

    Immer am Rad der Zeit ihr zwei! GRATULATION euch beiden, tolle Arbeit. 😉👍

  3. Michaelis Edgar

    Norbert, Jean-Pierre,
    Tolle Konstruktion ! Bravo ! So verbleibt, was vorgesehen und bestimmt war zu bewegen, in Bewegung ! Der „nächste Lebensabschnitt“ der beteiligten Objekte, in ihrem wohlverdienten ‚bewegten‘ Ruhestand! … nicht nur „am Rad der Zeit‘, sondern auch ‚mit Rat der Zeit‘
    Glückwunsch zum gelungen Werk !

Kommentar hinterlassen

Ihre Email-Adresse wird niemals veröffentlicht!
Pflichtfelder sind mit * gekennzeichnet.
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien zu Kommentaren.

Restl. Anzahl Wörter: 150