Zu schön, um wahr zu sein: Düsseldorfer Kunstpalast zeigt „Junges Rheinland“

Das Junge Rheinland war eine der ersten Künstlervereinigungen, die sich in Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg gründete. Zum 100. Jahrestag stellt der Kunstpalast in Düsseldorf die bunte Künstlergruppe vor. Otto Dix und Max Ernst waren dabei. Aber auch der Eupener Maler Walter Ophey gehörte zu den Mitgründern.

Das Museum Kunstpalast, das den Eupener Walter Ophey von November bis Januar in seinen Räumen groß in Szene setzte, ist mit der Geschichte der Künstlervereinigung eng verbunden. Viele Exponate stammen aus der eigenen Sammlung. Das Jubiläumsjahr soll auch der Forschung zu dem Künstlernetzwerk neue Impulse geben: Dazu ist im Mai eine wissenschaftliche Tagung geplant.

An sämtlichen Phasen der Künstlergruppe war der nach dem Staatenwechsel von 1920 in Düsseldorf endgültig heimisch gewordene Maler aus Eupen maßgeblich beteiligt. Unter dem Titel „Zu schön, um wahr zu sein“ stellt das Museum bis Anfang Juni zwölf Künstler, unter ihnen Otto Dix, Max Ernst, Heinrich Nauen und Gert Wollheim, in den Vordergrund. Gezeigt werden 120 Gemälde, Skulpturen und Arbeiten auf Papier sowie viele Dokumente aus der Zeit.

Zentrales Bild der Präsentation ist das bekannte Max Ernst-Gemälde „Die Jungfrau Maria züchtigt das Christuskind“. Eine Rheinland-Ikone fürwahr. Als am 24. Februar 1919 in Düsseldorf die Künstlervereinigung „Junges Rheinland“ aus der Taufe gehoben wurde, sollte nur der jugendliche Elan zählen. Aufbruchsstimmung und Enthusiasmus beflügelten nach dem Ende des Weltkrieges die Kunstszene. „Zu schön, um wahr zu sein“, sagte Max Ernst im Rückblick. Daher der Titel der Schau.

Mutter Ey

Im Zentrum stand eine resolute, stämmige Geschäftsfrau, die zur Galeristin für die neue Kunst wurde. Johanna Ey, aus einfachen Verhältnissen stammend, machte es nichts aus, wenn sich in den 1920er Jahren vor ihrem Schaufenster in Düsseldorf ein Pulk von Menschen bildete. Sogar die Polizei kam, um Bilder zu beschlagnahmen. In Porträts und Gruppenbildern zahlreicher Maler verewigt, wurde Johanna Ey als meistgemalte Frau Deutschlands berühmt.

Zu ihrem engen Umfeld gehörte der Grafiker und Maler Robert Pudlich, der sich von 1942 bis 1946 auf das Angehörigen der Witwe des Aachener Kunstsammlers Edwin Suermondt gehörende Schloss Libermé zurückgezogen hatte. Von Pudlich sind aus dieser Zeit einige Motive aus Kettenis überliefert, die sich im Besitz der DG-Kunstsammlung befinden. Er war es auch, der den Maler Adolf Christmann im Zeichnen unterrichtete.

Gruppenbild

Ein Gruppenbild, gemalt von Arthur Kaufmann, bringt prägende Mitglieder 1925 zusammen, als der Stern der oft zerstrittenen Gemeinschaft schon im Sinken war. Gruppiert um „Mutter Ey“ sind unter anderem die Künstler Wollheim, Schwesig, Trillhaase, Champion, Adler und neben dem Schöpfer des Gemäldes der Eupener Walter Ophey und Otto Dix zu sehen.

Mitbegründer Adolf Uzarski fehlt darauf. Er wollte nicht auf einem Gemälde mit seinem Widersacher Wollheim erscheinen. Dabei war es Uzarski, der am 24. Februar 1919 zusammen mit Arthur Kaufmann und Herbert Eulenberg „Das Junge Rheinland“ ins Leben gerufen hatte. Der in Ruhrort geborene Sohn eines leitenden Managers des 1852 von Eupenern gegründeten und lange geleiteten Montankonzerns Phoenix geriet 1933 ins Visier der Nazis.

Der damals als „Mephisto von Düsseldorf“ geschmähte Künstler verbrachte die letzten Kriegsjahre in Robertville. Der Autor des satirischen Romans „Möppi – Memoiren eines Hundes“ zählt zur Düsseldorfer „Folklore“. Als Künstler ist Uzarski eher vergessen.

Porträt von Mutter Ey und Adolf Uzarski, gemalt von Otto Dix, bei der Ausstellung "Zu schön, um wahr zu sein" im Düsseldorfer Kunstpalast (Bild: Rolf Vennenbernd/DPA)

Porträt von Mutter Ey und Adolf Uzarski, gemalt von Otto Dix, bei der Ausstellung „Zu schön, um wahr zu sein“ im Düsseldorfer Kunstpalast (Bild: Rolf Vennenbernd/DPA)

dpa/rkr

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