„Im Grunde ist es sehr pragmatisch“: Neue Ausstellung im Ikob

Pragmatismus und Kunst gehören auf den ersten Blick nicht wirklich zusammen. Dass es aber doch Gemeinsamkeiten gibt, versucht die neue Ausstellung im Ikob zu beweisen. Am Sonntag wird sie eröffnet.

„Im Grunde ist es sehr pragmatisch“ ist zuerst eine Hommage an das belgische Lebensgefühl. Was ist eine „Solution à la belge“, wenn nicht pragmatisch? Aber was ist ein Kunstwerk, wenn nicht nicht pragmatisch? „Ein Kunstwerk ist das, was zu nichts nütze ist. Das klingt, als würde ich Kunst herunterreden wollen oder nicht mögen, aber das Gegenteil ist der Fall: Wir sind eine Gesellschaft, die nur auf Nutzen- und Kostenrechnung schielt. Das, was nichts nutzt, was nichts bringt, wird nicht gemacht“, sagt Ikob-Direktor Frank-Thorsten Moll.

Diese Einstellung beeinflusst Kultur heute enorm. Unterstützung oder Anerkennung zu bekommen, ist für Künstler und Museen immer mehr ein Problem. Wer überleben will, muss auch mal pragmatisch sein, Kompromisse eingehen können. Dass eine Ausstellung das offen zu gibt, macht sie auch zu einer Kampfansage an die Art und Weise, wie Kultur heutzutage gefördert und gefordert wird.

„Die Kunst macht genau den Unterschied, weil sie die ganze Zeit aus dem Nichts etwas schafft, worüber Leute nachdenken, wovon sie berührt sind und sich selbst hinterfragen. Das ist wichtig, jede Gesellschaft braucht das. Kunst ist eine Art Korrektiv – vielleicht nicht immer pragmatisch, aber immer intelligent, spannend, herausfordernd, ärgerlich, aufregend“, so Moll.

Drei Kollektionen kommen hier im Ikob zusammen: Eupen, Lüttich, Charleroi. Sie sind verschieden, aber bekommen durch geschickte Gegenüberstellung Bezug zueinander. „Es ist eine Reise quer durch Belgien. Man sieht, dass die Kollektionen sehr unterschiedlich sind. Auch wenn wir drei belgische Institutionen sind, vertreten wir doch jeder Künstler aus einer anderen Region – aus dem Hennegau, der Lütticher Region und aus Ostbelgien. Im Dialog wird aber klar, dass es überall ähnliche Themen gibt“, erklärt Dorothée Duvivier von BPS22 Charleroi.

So machen sich zum Beispiel mehrere Künstler Gedanken über Städte. An einer Wand „Dear Hunter“ mit einem poetischen Entwicklungskonzept für den Eupener Werthplatz. Davor ein Kunstwerk, das auch eine Skateboardrampe und damit Emblem von urbaner Kultur ist. Andere machen ganz pragmatisch Piktogramme aus bekannten Werken der Kunstgeschichte.

Moderne Kunst verlangt, dass der Betrachter über das Werk nachdenkt. „Die Fähigkeit über Dinge nachzudenken, die uns vielleicht nicht sofort was angehen, ist eine Überlebensstrategie“, sagt Moll. „Fortschritt hat immer mit ‚denken über den Tellerrand hinaus‘ zu tun.“ Und genau dazu regt die Ausstellung an. Es ist nicht nur Kunst, die sich mit der Gesellschaft auseinander setzt, sondern auch eine Ausstellung, die über die Stellung der Kunst reflektiert.

ake/mg

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