Wahrnehmung hinterfragen: Ausstellung „Perceptions“ im Schloss von Clervaux

Wir sehen die Welt nicht so, wie sie ist, sondern so, wie wir sind. Um diese subjektive Wahrnehmung der Realität geht es in der Ausstellung "Perceptions" im Schloss von Clervaux. Dass zwei Menschen auf dasselbe Objekt blicken und etwas völlig Unterschiedliches sehen, ist dabei nur eine erste Einsicht, die das Bewusstsein für Wahrnehmungen schärfen soll.

Ausstellung "Perceptions" im Schloss von Clervaux

Totenkopf oder zwei Frauen beim Kartenspiel? (Bild: Michaela Brück/BRF)

Auf den ersten Blick ist es ein Totenkopf, auf den zweiten Blick erkennt man zwei Frauen, die Karten spielen. Solche optischen Täuschungen irritieren den Betrachter und werfen Fragen auf. Ist das, was ich mit meinen Sinnen wahrnehme, die Realität? Oder ist es nicht vielmehr eine subjektive Interpretation der Wirklichkeit?

Die Ausstellung „Perceptions“ will das Bewusstsein für die eigene Wahrnehmung schärfen – die auch abhängig ist von Kultur und Erziehung. „Wir möchten – egal welchen Hintergrund man hat – darauf aufmerksam machen, dass man auf eine bestimmte Art programmiert ist und einem bestimmten System folgt, mit dem man durch die Welt geht“, erklärt Fabienne Colling von Touchpoints asbl.

„Das sollte man wissen. Wenn man auf jemanden anderen trifft, der ein anderes System verwendet, kann man sich dann in der Mitte treffen, um ordentlich zu kommunizieren.“ Das ist vor allem im Umgang mit Menschen aus anderen Kulturen und Gesellschaftsschichten wichtig. Diese Erfahrung hat Fabienne Colling auch als Sprachenlehrerin im Asylbewerberheim Elsenborn gemacht. Ihre persönlichen Erlebnisse haben sie zu der Ausstellung veranlasst, die von der VoG Touchpoints organisiert wird.

Zu der Ausstellung gehören auch interaktive Spiele. Wie unterschiedlich Menschen Klänge auffassen, zeigen zum Beispiel Tierlaute in verschiedenen Sprachen. An anderen Boxen sollen die Besucher ertasten, um welche Gegenstände es sich handelt. Auch hier gibt es Überraschungen, was die eigene Wahrnehmung betrifft.

Der künstlerische Teil der Ausstellung ist im Kellergewölbe des Schlosses untergebracht. Hier zeigt der Grafikkünstler Christophe Gazon eine Auswahl seiner Arbeiten – passend zum Thema Wahrnehmungen. „Er digitalisiert Bilder und arbeitet sie auf mehreren Schichten zusammen. Ein Bild besteht dann immer aus mehreren Bildern“, erklärt Fabienne Colling.

„Man muss sich dann die Zeit nehmen, diese Werke zu betrachten, weil man jedes Mal wieder etwas Neues darin entdeckt, was man auf ersten Blick nicht gesehen hat.“ Das gilt auch für die Videoanimationen.

Ausstellung "Perceptions" im Schloss von Clervaux - Werk von Grafikkünstler Christophe Gazon (Bild: Michaela Brück/BRF)

Werk von Grafikkünstler Christophe Gazon (Bild: Michaela Brück/BRF)

Ergänzend zur Ausstellung gibt es zwei kostenlose Workshops zum Thema Wahrnehmungen. In „Fit für Vielfalt“ an diesem Samstag geht es darum, die eigene kulturelle Prägung zu erkennen und zu verstehen, wie sie Einfluss nimmt auf unsere Interpretation der Welt. Am 16. November informiert ein Workshop über die Filterblase im Internet. Dann wird unter anderem erklärt, wie die Algorithmen von Facebook und Co. funktionieren.

Die Ausstellung geht bis zum 26. November und ist von freitags bis sonntags geöffnet – jeweils von 13 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei. Mehr Infos dazu und zu den kostenlosen Workshops finden Sie auf der Webseite von Touchpoints.

mb/km

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