Ceci n’est pas écrit: Surrealismus-Ausstellung im Malmundarium

"Ceci n’est pas une pipe" - der Schriftzug auf dem Gemälde einer Pfeife von René Magritte ist mittlerweile weltbekannt. Surrealismus - über der Realität, traumhaft oder unwirklich - so hieß die dazugehörige Bewegung Anfang der 20er Jahre. Anlässlich des 50. Todestages des belgischen Künstlers widmet das Malmundarium in Malmedy dem Surrealismus eine Ausstellung.

Surrealismus-Ausstellung im Malmundarium

Böse Zungen behaupten, Belgien wäre das Königreich des Surrealismus. Wir Belgier wissen: das stimmt – aber im besten Sinne. Dass man Regeln auch kreativ umgehen kann, zeigt die „solution à la belge“. Und dass es mehr gibt als nur Pflicht und Alltag, beweist die belgische Lebensart.

Kein Wunder also, dass der Surrealismus in Belgien eine große Anhängerschaft fand, die teils im Gegensatz zu den französischen Gründern des Surrealismus unter André Breton standen. „Beiden Gruppen gemein ist die Idee, die Vernunft aus den Gedanken zu verbannen. Das ist die Grundidee des Surrealismus. Im Gegensatz zur französischen Gruppe waren die belgischen Surrealisten aber politisch klar links. Das führte auch zur Spaltung zwischen Breton und einigen belgischen Gruppen“, erklärt Sébastien Guns, Mitarbeiter des Malmundariums.

Mit Werken wie „Der Sohn der Menschheit“ wurde Magritte einer der berühmtesten Vertreter seiner Gruppierung. Kunsthistorisch folgt der Surrealismus dem Dadaismus. Da wo die Dadaisten gegen die herrschenden Regeln und Denkweisen kämpfen, lassen die Surrealisten hingegen diese Regeln einfach direkt hinter sich.

In ihren Bildern versuchen sie Traum und Wirklichkeit zu vereinen. „Magritte zum Beispiel platziert gerne Objekte dort, wo man sie nicht erwartet oder malt sie völlig überdimensioniert. Die Rose hier kann auf gar keinen Fall eine echte Rose sein, denn sie ist viel zu groß, steht in einem Zimmer und riechen kann man sie auch nicht“, so Guns. Damit drückt das Bild ziemlich genau das Verhältnis aus, das Magritte zwischen der Realität und seinen Bildern sah.

Neben René Magritte werden im Malmundarium aber auch noch weitere belgische Künstler gezeigt. Und einer von ihnen, Raoul Ubac, findet in der Ausstellung sogar wieder nach Malmedy zurück. „Er wurde in Köln geboren, bezeichnet sich aber in seinen Biografien als Malmedyer. Er ist hier aufgewachsen und zur Schule gegangen, und diese Schule befand sich damals genau hier, wo jetzt das Museum ist. Wir haben tatsächlich einige Fotos gefunden, wo man Ubac mit seinen Schulkameraden hier auf dem Grundstück des Gebäudes sieht.“

Aus den Wirren des ersten Weltkriegs lernten die Surrealisten, dass es keine objektive Wirklichkeit gibt. Ihre Weltanschauung beeinflusst uns bis heute. Und die Idee, Werke gemeinsam zu erschaffen, lebt gerade in Zeiten von Crowdfunding und Sharing-Plattformen wieder auf.

Text und Bild: Anne Kelleter

Kommentar hinterlassen
Keine Kommentare
Kommentar hinterlassen

Ihre Email-Adresse wird niemals veröffentlicht!
Pflichtfelder sind mit * gekennzeichnet.
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien zu Kommentaren.

Restl. Anzahl Wörter: 150