„Das Kongo Tribunal“ – ein Dokumentarfilm von Milo Rau

In seinem neuen Dokumentarfilm "Das Kongo Tribunal" beschäftigt sich der renommierte Regisseur und Gesellschaftskritiker Milo Rau mit dem Wirtschaftskrieg im Kongo und seinen globalen Ausmaßen. Er untersucht, wie global der Wirtschaftskrieg im Ostkongo tatsächlich ist und welche Mitschuld die Westliche Welt an ihm trägt.

Das Kongo Tribunal (Bild: Real Fiction Filme)

(Bild: Real Fiction Filme)

Polizei und Sicherheitsmitarbeiter beziehen Stellung vor einer Bildungseinrichtung in Bukavu Kongo. Ist es der Empfang einer wichtigen Persönlichkeit? Nein, der Grund für dieses Aufgebot an Sicherheitskräften ist ein ganz anderer: Im Theatersaal des Collège Alfajiri versammeln sich Opfer und Akteure eines der weltweit tragischsten Konflikte, eines Wirtschaftskriegs unter globalem Einfluss. Sein blutiger Schauplatz: Ostkongo.

Ob Rebell oder UNO-Offizier, ob Minenarbeiter oder Regierungspolitiker – Betroffene aus sämtlichen Bereichen werden zum Kongo Tribunal vorgeladen. Das symbolische Volksgericht beschäftigt sich mit einem Repertoire an Verstößen gegen die Menschenrechte: Massaker, Deportation, Misshandlung, Ausbeute.

Und mit der Frage nach der Verantwortung: Wer sind die Täter? Wer trägt die Schuld? Wie können die Gräueltaten geschehen, wo doch die größte Blauhelmtruppe der Geschichte vor Ort ist? Eine ungreifbare Lage. Zu komplex, um mit dem Finger auf nur eine Person zu zeigen, wie auch der Trailer verdeutlicht.

„Für wen halten wir uns, so etwas zu akzeptieren?“ Die rhetorische Frage am Ende des Trailers stellt sich Jean-Louis Gilissen. Der Lütticher Jurist ist Vorsitzender der Gerichtsjury. Er bezeichnet die Lage in Ostkongo klar als Genozid.

Milo Raus Tribunal tagt sowohl in Bukavu im Kongo als auch in Berlin. Die beiden Schauplätze machen die Globalität des Krieges deutlich. Die Welt muss ihre Mitschuld an diesem Konflikt sehen. Sie muss sehen, wie global der Krieg im Kongo wirklich ist.

„In Regionen wie dem Ostkongo zahlen die Menschen die Rechnung für das, was wir hier in Europa an Lebensqualität dazu gewinnen“, sagt Milo Rau. Die Worte treffen den Nagel auf den Kopf. Baut doch unsere Wirtschaft auf Bodenschätzen aus solchen Krisenherden. Coltan für unsere Handys, Agrarflächen für Biodiesel, Gold, Diamanten, Kupfer, Öl, Holz … Die Liste der wertvollen Rohstoffe ist endlos. Und doch zählt das Land zu den ärmsten der Welt.

Am Ende des Films spricht die Jury ihr Urteil. Wie es ausgeht? Das weiß nur, wer sich den Film anschaut. Und auch wenn der Richterspruch nicht rechtskräftig ist, Milo Rau ist sich sicher: Das Tribunal wird Einfluss auf die Politik haben.

Das Kongo Tribunal (Bild: Real Fiction Filme)

(Bild: Real Fiction Filme)

Sarah Dederichs

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2 Kommentare
  1. Marcel Scholzen eimerscheid

    Posthum müsste auch König Leopold II verurteilt werden. Denn auf seine Initiative hin wurde der Kongo erschlossen. Er steht am Anfang der Geschichte der Ausbeutung der Rohstoffe. Und das hat Millionen Menschen das Leben gekostet. Ist dann ist international bekannt geworden unter dem Stichwort Kongogreuel. Er war auch ein Massenmörder wie Stalin, Pol Pot, Mao Zedong, etc.

    Wo kann man den Film sehen ? Gibt es auch eine CD?

  2. BRF-Webredaktion

    Hallo Herr Scholzen,

    der Film „Das Kongo-Tribunal“ ist in deutschen Kinos am 16. November angelaufen.

    Die Webredaktion

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