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Fantastisch und verwirrend: Die Abschlussbände zweier Comic-Triologien

16.09.202617:37
  • Buchveröffentlichung
  • Comic
Abbildung der beiden Buchcover
Cover: Reprodukt - Schreiber & Leser

"Quest" und "Hohle Welten" heißen zwei belgische Comic-Triologien, deren dritte und damit abschließende Bände gerade in deutscher Sprache veröffentlicht worden sind. An das Niveau der ersten Bände ihrer Reihen reichen beide nicht heran.

"Quest" ist eine Serie vor allem für Kinder, die mit Elementen aus der Artus-Sage spielt. Die Handlung findet im Hier und Jetzt statt. In den beiden ersten Bänden hatte der Held, der Teenager Pelli, die "Dame vom See" aus ihrem Tümpel befreit und sich zusammen mit ihr auf die Suche nach der "Bestie" begeben.

Im dritten und abschließenden Band wird die Bestie tatsächlich gefangen. Allerdings nicht durch Pelli oder die Dame vom See. Wie genau - das bleibt dem Leser überlassen zu entdecken. Und letztlich spielt das in der Geschichte auch überraschenderweise keine so große Rolle, wie man nach der Lektüre von Band eins oder zwei hätte denken können.

Zauber geht verloren

Hatten sich diese ersten beiden Bände noch durch ein raffiniertes Zusammenspiel von Sagenwelt und Moderne ausgezeichnet und wurden dabei auch viele lustige Momente geschaffen, so fehlt diese Raffinesse in Band drei. Hier wird alles einfach zu viel. Alles ist zu kompliziert, viel zu undurchsichtig und zu wenig verständlich - zumal, wenn man die ersten beiden Bände nicht gelesen hat. Der Zauber des Sagen- und Märchenhaften, das vor allem Band eins ausgezeichnet hatte, geht verloren.

Spätestens ab der zweiten Hälfte erinnert der Comic an ein bombastisches Finale eines Actionfilms, in dem Schlag auf Schlag plötzlich die ganze Welt in einem großen Tohuwabohu untergeht, überall etwas explodiert und immer wieder neue Bösewichte wie aus dem Nichts auftauchen - bis der Held am Ende doch alles rettet.

Zeichnungen auf dem Niveau der ersten Bände

Kurz: Band drei will zu viel, wirkt zu verworren, verliert die Leichtigkeit und das Faszinierende, das gerade Band eins ausgezeichnet hat mit dem schönen Zusammenspiel der modernen Welt eines Teenagers aus der heutigen Zeit und dem Sagen- und Mythenbehafteten der Artus-Legende. Zwar sind die Zeichnungen des Flamen Wauter Mannaert gewohnt detailreich und auf dem Niveau der ersten beiden Bände. Doch das Szenario aus der Feder des Franzosen Frédéric Maupomé fällt klar ab gegenüber Band eins und zwei der Triologie.

Frühwerk der Schuiten-Brüder

Tendenziell ähnlich verhält es sich mit dem dritten und letzten Band der Triologie "Hohle Welten" der Brüsseler Gebrüder Luc und François Schuiten. "Nogegon" heißt dieser Band und ist genauso wie die ersten beiden Bände ein Frühwerk der beiden aus dem Beginn der 1980er Jahre.

Das sehr lesenswerte Nachwort in Band zwei hatte diese Triologie noch als Vorreiter der Science-Fiction-Comics für Erwachsene gelobt. Als solches ist auch Band drei zu lesen.

Nur durchschnittlich faszinierend

Allerdings reicht dieser dritte Band nicht an seine Vorgänger heran. Band eins und zwei sind auf angenehme Art verstörend, verwirrend und deuten in ihren Zeichnungen schon klar das Majestätische der späteren Comics von François Schuiten an, dann oft in Zusammenarbeit mit Benoît Peeters.
In "Nogegon" dagegen bleiben die Zeichnungen meist kleinflächig, ohne eine über den Durchschnitt hinausreichende Faszination zu entwickeln. Auch das stark erotisierende Element einiger Zeichnungen gerade aus Band eins der Reihe fehlt. Es wird angedeutet - ohne das gleiche Niveau zu erreichen.

Am Ende bleiben gewollt Fragezeichen

Dass die Geschichten der Hohlen Welten verworren und schwer zu durchschauen sind, ist der Leser aus den ersten beiden Bänden gewohnt. Hier steht Band drei seinen Vorgängern in nichts nach, wobei zumindest beim ersten Lesen die Geschichte weniger packt, als in den Bänden eins und zwei.

Im Zentrum steht dabei Nele, die vom Planeten Zara stammt, den der Leser in Band zwei kennengelernt hat. Diesmal ist Nele auf dem Planeten Nogegon, auf dem absolute Symetrie herrscht. Nele sucht dort nach ihrer Freundin Olivia. Um die Handlung wirklich zu durchdringen, muss der Leser den Comic mindestens zweimal lesen. Aber auch dann ist nicht sicher, ob sich alle Zweifel und Fragezeichen in klare Erklärungen auflösen.

Die Comics:
Frédéric Maupomé/Wauter Mannaert, Quest 3: Das Erwachen des Metalldrachen, Berlin, 2026, Verlag Reprodukt, 120 Seiten, 20 Euro
Luc und François Schuiten, Hohle Welten - Nogegon, Hamburg 2026, Verlag Schreiber & Leser, 72 Seiten, 22,80.

Kay Wagner

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