Die Autorin des Buchs "Maman, I have a Wackelzahn" ist gleich in dreifacher Hinsicht hervorragend dafür geeignet, ein Buch zum Thema mehrsprachige Erziehung von Kindern zu schreiben. Denn erstens kennt Eva Wittenberg die Situation aus ihrem eigenen Alltag in einer Patchwork-Familie, in der sie als Mutter Deutsch spricht, ihr Partner Französisch und die Kinder zunächst in den USA, dann in Frankreich und jetzt in Wien aufwachsen.
Locker, amüsant und verständlich geschrieben
Zweitens weiß Wittenberg sprachliche Phänomene wissenschaftlich einzuordnen. Als promovierte Sprachwissenschaftlerin lehrt und forscht sie an Universitäten, zurzeit in Wien. Ihr Spezialgebiet ist allerdings ein anderes, so dass sie befreit von wissenschaftlichen Formulierungszwängen über das Thema Mehrsprachigkeit schreiben kann.
Und das macht sie drittens hervorragend. Locker, amüsant und leicht verständlich schreibt sie fast schon im Plauderton über das Thema mehrsprachige Erziehung von Kindern. Am Ende der Kapitel fasst sie die Thesen der vorherigen Seiten kurz zusammen - eine gute Hilfe, falls die Aufmerksamkeit beim Lesen mal an der einen oder anderen Stelle nachgelassen haben sollte.
Viele Fragen in zehn Kapiteln
Das Buch ist in zehn Kapitel unterteilt, und jedes Kapitel geht immer einer übergeordneten Frage nach. Fragen wie zum Beispiel: Ab wann ist es gut, in mehreren Sprachen mit einem Kind zu sprechen? Überfordere ich mein Kind mit zu vielen Sprachen? Was mache ich, wenn mein Kind nicht in meiner Sprache spricht, sondern nur in der Sprache meines Partners oder meiner Partnerin? Oder auch die Frage: Was bringt es, mit Kindern nicht in seiner eigenen Muttersprache zu sprechen, sondern in einer anderen, damit das Kind diese andere Sprache lernt?
Ganz offen gibt die Autorin dabei zu, dass es zu vielen Aspekten des gleichzeitigen Lernens von mehreren Sprachen als Kind noch keine gesicherten wissenschaftlichen Erkenntnisse gibt. Denn vieles ist noch nicht erforscht.
Vertrauen ins Gehirn der Kinder
Wohl auch deshalb verbietet sich Wittenberg den erhobenen Zeigefinger. An keiner Stelle des Buchs schreibt sie: Das muss man so machen oder das darf man nicht machen. Vielmehr ist alles, was sie schreibt, als Anregung zu verstehen, als Mutmacher.
Wittenberg findet es auf jeden Fall gut, wenn Eltern mit ihren Kindern in ihren jeweiligen Muttersprachen sprechen. Dass dabei manchmal Komplikationen auftreten können, gehöre dazu. Aber das sollte Eltern nicht davon abhalten, ihren Kindern die Mehrsprachigkeit mit auf den Lebensweg zu geben.
Ihre grundlegenden Tipps: Locker bleiben, Vertrauen in die Fähigkeiten des Kindes haben, dessen Gehirn früher oder später schon zurechtkommen wird mit den unterschiedlichen Sprachen von Mama und Papa - und vielleicht auch der anderen Sprache im Kindergarten oder der Schule.
Abgesicherte Informationen
Für diejenigen, die sich über die lockere Lektüre hinaus näher mit dem Thema beschäftigen möchten, bietet das Buch zahlreiche Hinweise auf zumeist wissenschaftliche Lektüre. Denn - und auch das ist eine Stärke des Buches - Wittenberg stellt nicht einfach Behauptungen zum Spracherwerb oder Beobachtungen auf, wenn sie Allgemeingültigkeit widerspiegeln sollen, sondern verweist dabei immer auf den aktuellen Forschungsstand oder Erhebungen. Das macht sie über Anmerkungen, die am Ende des Buches zu jedem einzelnen Kapitel aufgelistet sind.
Das Buch
Eva Wittenberg, Maman, I have a Wackelzahn, München 2026, Verlag dtv, 304 Seiten, 14 Euro
Kay Wagner