Dabei geht es in "Simenon, warten auf Maigret" um die Jahre von Simenons Leben, bevor er seinen Kommissar Maigret geschaffen hat. Das sind - grob gesehen - die 20er Jahre des vergangenen Jahrhunderts.
Schlüpfrige Geschichten am Fließband
Der Comic erzählt die Geschichte, wie Simenon zusammen mit seiner Frau, die er gerade erst geheiratet hat, von Lüttich aus nach Paris aufbricht, um sich dort als Schriftsteller zu etablieren. Und die in dem Comic erzählte Geschichte endet in dem Moment, in dem es Simenon gelingt, seinen ersten Krimi mit Kommissar Maigret 1931 bei einem Verlag zu veröffentlichen.
Damit entdeckt der Leser die Lehrjahre von Simenon, in denen er zahlreiche Groschenromane und auch viele schlüpfrige Geschichten fast wie am Fließband schrieb, um sich und seine Frau damit finanziell über Wasser zu halten.
Pariser Kulturszene der 1920er Jahre
Das Dekor dafür liefert das Paris der 1920er Jahre mit seiner vibrierenden Kulturszene, geprägt von vielen Freizügigkeiten, Alkohol, Sexualität und Experimenten – ein deutlicher Kontrast zu dem eher konservativ-bürgerlich geprägten Leben von Simenons Familie in Lüttich zu dieser Zeit.
Die Handlung des Comics basiert weitgehend auf belegten Tatsachen. Biographien zu den wichtigsten Personen, die im Comic auftauchen, und eine Liste all der Werke, die Simenon in dieser Zeit veröffentlichte, ergänzen die Geschichte zu den frühen Schaffensjahren des späteren Literaturstars.
Simenons "bester" Roman
Auf die Zeit nach den ersten Erfolgen Simenons mit seinen Maigret-Romanen verweist der zweite neue Simenon-Comic, eine Adaptation seines Romans "Der Schnee war schmutzig". 1948 hat Simenon ihn während seiner Zeit in den USAvgeschrieben. Und er hat diesen Roman einmal als seinen besten Roman überhaupt bezeichnet.
In der Geschichte setzt sich Simenon mit dem Leben unter einer Besatzungsmacht auseinander. Der Zweite Weltkrieg war 1948 ja erst ein paar Jahre vorbei – die Anspielungen auf eine Stadt in Belgien unter deutscher Besatzung sind im Comic durchaus zu erkennen.
Leben unter einer Besatzungsmacht
Hauptperson ist der junge Profiteur Frank, der sich im zwielichtigen Milieu der Prostitution, der Gewalt, des Alkohols und eben der Nutznießer der schwierigen Verhältnisse unter einer Besatzungsmacht bewegt. Frank ist keine Sympathiefigur – und auch die Zeichnungen lassen in ihrer Schwülstigkeit wenig Harmonie entstehen. Trotzdem schlägt der Comic den Leser in seinen Bann und wirkt auch nach der Lektüre weiter nach.
Ein Nachwort ordnet das Werk in seinen historischen Kontext ein und bereichert diese gelungene Comic-Adaptation von Simenons Roman.
Jean-Luc Fromental, José-Louis Bocquet, John Simenon: Simenon, warten auf Maigret, Hamburg 2026, Verlag Carlsen, 124 Seiten, 24 Euro
Georges Simenon, Jean-Lux Fromental: Der Schnee war schmutzig, Hamburg 2026, Verlag Carlsen, 104 Seiten, 24 Euro
Kay Wagner