Der Band "Die Freunde von Spirou, Teil 2" führt den Leser vor dem Hintergrund historischer Tatsachen nach Marcinelle, also nach Charleroi, während des Zweiten Weltkriegs. Die Geschichte spielt im Früherbst 1943. Seit fünf Jahren gab es damals in Belgien das Comic-Magazin "Spirou", doch gerade erst ist es von der deutschen Besatzungsmacht verboten worden.
Als Reaktion darauf gründen sechs Kinder aus Marcinelle eine Art Widerstandsgruppe. Wie genau das geschieht und welche Abenteuer die Kinder zunächst erleben, wird in Band eins der Reihe erzählt.
Kinder leisten Widerstand
In Band zwei geht es jetzt nahtlos weiter mit der Geschichte, die man aber auch ohne Band eins ohne größere Probleme verstehen dürfte.
Das Setting erinnert damit ein bisschen an die erfolgreiche belgische Comicserie "Die Kinder der Résistance", in der es um den Widerstand von Kindern in einem Dorf in Frankreich gegen die Nazis geht. Sowohl "Die Kinder der Résistance" als auch "Die Freunde von Spirou" fußen auf historischen Tatsachen, erfinden darum herum aber Geschichten, in denen Kinder eine Hauptrolle spielen.
Belgischer Lokalkolorit
Der belgische Lokalkolorit macht das Besondere der "Freunde von Spirou" aus. Das Universum der Zeitschrift Spirou spielt dabei eine große Rolle, bis hin zur Figur des Marsupilami, das in dem neuen Band sogar selbst auftaucht. Aber auch die Orte der Handlung und die Geschichte selbst sind eingebettet in die belgischen Erfahrungen während der Besatzungszeit. Im aktuellen zweiten Band der Reihe werden zum Beispiel die Rettung von jüdischen Kindern durch Madame Brigitte, die es tatsächlich gegeben hat, und das Schmuggeln von Sprengstoff für Widerstandskämpfer thematisiert.
Lockerer Stil, erhellendes Dossier
Erzählt wird das Ganze in einem ungezwungenen, lockeren Stil ohne großen didaktischen Zeigefinger und mit frisch-farbigen Zeichnungen. Lustige Szenen fehlen in dem Comic genauso wenig wie sympathische Charaktere und Spannung in einigen Szenen. Ein vierseitiges historisches Dossier, in dem historische Ereignisse aus der Geschichte, Personen und Gebäude erklärt werden, komplettiert den Comic am Ende.
Man kann sich Mexiko vorstellen…
Ganz anders gestaltet dagegen ist das s neue Abenteuer von Spirou und seinem Freund Fantasio. Zu Beginn des Comics sind die beiden irgendwo in einer Wüste unterwegs, man könnte sich Mexiko vorstellen. Mit dem Auto und begleitet von dem Marsupilami fahren sie zum Ort San Inferno. Der liegt weitab von allem, was sonst zur Zivilisation gehört, und dort sollen sie einem Geheimnis auf die Spur kommen, auf das sie eine Bewohnerin von San Inferno gebracht hat. Der Journalist Fantasio wittert darin eine große Story, mit der er groß herauskommen kann.
Aber ganz so einfach ist das natürlich nicht. Und so stolpern die beiden Helden dann von einem Abenteuer in das andere.
Leichte Lektüre mit vielen lustigen Szenen
Schnell entwickelt sich "Der Schatz von San Inferno" dadurch zu einer lustigen, gut gemachten leichten Comic-Lektüre. Auch Dank des Marsupilamis, das für eine ganze Reihe witziger Szenen sorgt, und Fantasios Journalisten-Kollegin Steffanie, die den Comic durch ihre Nonchalence bereichert, die Fantasio regelmäßig aus der Ruhe bringt.
Geschrieben ist die Geschichte von dem Franzosen Lewis Trondheim, ein Großer des zeitgenössischen Comics. Die Zeichnungen stammen vom Franzosen Fabrice Tarrin, der schon "Spirou bei den Sowjets" gezeichnet hat.
Die Comics
Jean David Morvan/David Evrard/Ben BK, "Die Freunde von Spirou 2", Hamburg 2026, Carlsen Verlag, 72 Seiten, 20 Euro.
Lewis Trondheim/Fabrice Tarrin, "Spirou und Fantasio Spezial 44, Der Schatz von San Inferno", Hamburg 2026, Carlsen Verlag, 48 Seiten, zwölf Euro.
Kay Wagner