Karikaturenausstellung von Annette Müllender: Rückblick und Ausblick auf die Gesellschaft

Mit einer Karikatur in der Schülerzeitschrift fing alles an, inzwischen kann man die Werke von Karikaturistin Annette Müllender jeden Samstag im GrenzEcho bestaunen. Woche für Woche nimmt sie das politische und gesellschaftliche Geschehen aufs Korn. Die Erwachsenenbildungsorganisation KAP hat dazu eine Wanderausstellung organisiert, die zurzeit Halt in Eupen macht.

Ausstellung von Annette Müllender (Bild: BRF Fernsehen)

Ausstellung von Annette Müllender (Bild: BRF Fernsehen)

So großformatig hat man ihre Werke wohl noch nie gesehen. Doch genau das lohnt sich, denn die Karikaturen von Annette Müllender sind oft detailverliebt. Hier noch eine Sprechblase, dort noch ein Zusatz. Das gehört zur Handschrift der ostbelgischen Karikaturistin.

„Die besten Karikaturen sind eigentlich die, wo nicht so viel Text ist, die eigentlich aus sich sprechen. Das ist vielleicht so ein bisschen meine Schwäche, weil ich nicht direkt aufhöre, sondern hier und da noch eine Sprechblase einbaue. Weil ich vielleicht auch manchmal Angst habe, dass man es nicht genug versteht.“

So regen die Karikaturen zum Nachdenken an. Jeder Beobachter soll dabei zu seiner eigenen Schlussfolgerung kommen. Und vielleicht auch überrascht werden. Denn das ist eines der Ziele der Wanderausstellung. „Die Ausstellung kommt zu den Leuten, die Leute müssen nicht zur Ausstellung gehen. Wir sind einfach irgendwo, wo man per Zufall drüber stolpert.“

Thematisch lässt Annette Müllender nichts aus. Sie kommentiert internationale Konflikte wie den Syrienkrieg, föderale Entwicklungen, wie die Staatsreform, oder regionale Ereignisse, wie den Koalitionsbruch in Raeren. „Im Grunde sind das schon meine eigenen Bedenken. Deswegen kommen auch Themen wie Atomkraft, Klimaschutz, Dritte-Welt-Länder, überall brennt es. Das sind schon meine eigenen Ängste.“

Vieles, was Annette Müllender in den letzten Jahren gezeichnet hat, ist auch heute noch aktuell. Ob es jetzt die Gesundheits- und Corona-Politik ist oder Hassrede im Internet. Vieles von damals lässt sich auch heute noch anwenden. So lohnt sich die Ausstellung nicht nur als Rückblick, sondern auch als Ausblick. Doch nicht nur das. Der Besucher kann auch das ein oder andere über die Arbeit der Karikaturistin erfahren.

„De Croo zum Beispiel, Paradebeispiel, ist zu schön. Er hat nix: keine schiefe Nase, keine Brille, kein Bart, gar nix. Ein Kollege von mir, auch Karikaturist, hat gesagt: ‚De Croo zeichnen, das ist wie eine Matratze tragen‘ – das fand ich total schön. Eine Matratze kriegt man nicht zu packen. Und er ist auch so ein bisschen, man kriegt ihn nicht zu packen.“

Der ein oder andere ostbelgische Politiker macht es ihr da schon leichter. Motiv einer Karikatur sein – für die gelernte Illustratorin kein Grund zum Ärgern. „Manche sind schon so Karikatur, die brauch‘ ich gar nicht mehr zu zeichnen. Die sind zu einfach, da denke ich mir, nö.“ Sicher ist: Das Material und die Ideen werden Annette Müllender auch in den nächsten Jahren nicht ausgehen.

Die Ausstellung im Kolpinghaus ist noch bis zum 3. Dezember zu sehen, wochentags von 9 Uhr bis 17 Uhr.

Andreas Lejeune

2 Kommentare
  1. Maria Peters

    Da ich keine Kontaktadresse zu Annette habe möchte ich ihr nur zurufen: Super, Deine Karikaturen im Kolpinghaus. Witzig, treffsicher, phantasievoll, spritzig? ein Genuss!

  2. Danny Weinberg

    Maria spricht mir aus der Seele. Annette ist ein Talent und führt uns Leid, Freud’… sowie die nackte Wahrheit vor unseren Augen. Sie lässt uns nachdenken über unser ach so kleines irdisches Leben, das, „wie eine Matratze“, schwer zu packen ist.
    Kompliment!