Wenn jemandem etwas gegen den Strich geht

In einer neuen Folge der Reihe "Schmunzelnde Streifzüge durch die Muttersprache" befasst sich Professor Siegfried Theissen diesmal mit Redewendungen, die sich auf Zorn und Streit beziehen.

Siegfried Theissen unternimmt "Schmunzelnde Streifzüge durch die Muttersprache"

Siegfried Theissen unternimmt "Schmunzelnde Streifzüge durch die Muttersprache"

Wenn Sie sich etwas eingebrockt haben und Ihrem Chef schwillt der Kamm, weil Ihr Schnitzer ihm gegen den Strich geht, dann kann es passieren, dass er Ihnen einen Denkzettel verpassen will. Dann könnte er kurz angebunden sagen: „Du bist eine Flasche! Mit deiner Beförderung ist es Essig„.

Wenn Sie es dann mit einer Entschuldigung versuchen, dann wirkt das wie ein rotes Tuch auf ihn und er wird sagen „Ja, Pustekuchen! Deine Entschuldigung interessiert mich nicht die Bohne, du bist wohl schief gewickelt, die Masche zieht bei mir nicht.“ Es könnte sogar sein, dass er Sie beim Schlafittchen nimmt und „Zieh Leine!“ ruft oder Geh dahin, wo der Pfeffer wächst‚, nur weil er Ihnen einheizen will.

Sich etwas einbrocken (sich selbst Unannehmlichkeiten verursachen) bezieht sich auf das Brot, das man sich in die Suppe einbrockt und die man dann auch ganz auslöffeln muss.

Ihm schwillt der Kamm (er wird übermütig oder zornig) erinnert an den Hahn, dessen Kamm schwillt, wenn er aufgeregt ist.

Das geht mir gegen den Strich (das passt mir nicht): Gemeint ist „gegen den natürlichen Strich der Haare“.

Einen Denkzettel bekommen/jemandem einen Denkzettel verpassen (bestraft werden/jemanden bestrafen): Zuerst war der Denkzettel ein Blatt Papier, auf dem alles stand, was die Schüler der Abteischulen zu beachten hatten und worauf auch ihre Vergehen aufgeschrieben wurden.

Kurz angebunden sein (barsch sein) bezog sich zuerst auf einen kurz angebundenen Hund, der in seiner Bewegungsfreiheit so eingeengt ist, dass er bissig wird.

Du bist eine Flasche! (du bist zu nichts zu gebrauchen) kommt wahrscheinlich aus dem italienischen fiasco (Flasche). Der Legende nach wurde im Theater Versagern eine Flasche umgehängt und in gewissen Fällen wurden sie sogar damit beworfen.

Damit ist es Essig! (daraus wird nichts): Wenn der Wein zu Essig geworden ist, ist er nicht mehr zu genießen.

Das wirkt wie ein rotes Tuch auf ihn (das macht ihn wütend): Man denkt natürlich an den Stierkämpfer, der den Stier mit seinem (übrigens nicht immer) roten Tuch reizen will.

Ja, Pustekuchen! (ich denk nicht dran). Mit einem Kuchen hat diese Redewendung nichts zu tun, wohl mit zwei jiddischen Wörtern: poschut (wenig) und chochen (schlau). Zusammen genommen heißt dies also „nicht sehr schlau“.

Das interessiert mich nicht die Bohne/Nicht die Bohne von etwas verstehen (das interessiert mich überhaupt nicht/nichts verstehen). In beiden Fällen steht Bohne für etwas von geringem Wert. Früher waren Bohnen die Grundnahrung armer Leute. Jetzt noch in Mittel- und Südamerika.

Du bist wohl schief gewickelt! (da irrst du dich) bezieht sich ursprünglich auf ein Wickelkind.

Die Masche zieht bei mir nicht! (das brauchst du bei mir nicht zu versuchen): Mit Lauf- oder anderen Maschen hat dies nichts zu tun, wohl mit dem jiddischen Wort mezio, das ‚Trick‘ bedeutet.

Jemanden am/beim Schlafittchen nehmen (jemanden am Kragen packen). Das Schlafittchen ist eigentlich ein Schlagfittchen, eine Feder am Flügel eines Vogels.

Zieh Leine! (hau ab): Früher wurden Lastkähne an Seilen den Kanälen entlang gezogen. Der Befehl „Zieh Leine!“ bedeutete also zuerst: „Los, an die Arbeit!“ Später: „Mach dich auf den Weg!‘ und dann „Hau ab!“

Geh dahin, wo der Pfeffer wächst (mach, dass du wegkommst). Früher wusste man nur, dass der Pfeffer aus fernen Ländern kam.

Jemandem einheizen (jemandem Angst machen): Man denkt an den Teufel, der den Verdammten in der Hölle tüchtig einheizt.

Beim Wort genommen – Paradoxa und andere Ungereimtheiten

Eine Kröte schlucken müssen. Wie fies! Aber im Französischen ist es noch viel schlimmer: Dort sind es ganze Schlangen: avaler des couleuvres (Nattern).

Wenn Sie geladen sind, heißt das nicht, dass sie gleich losschießen werden.

Das Schöne ist, dass man mit seinem Latein am Ende sein kann, ohne je Latein gelernt zu haben.

Man kann auch jemandem die Leviten lesen, ohne jemals eine Bibel zur Hand genommen zu haben.

Kein einziger Schuster würde alles über einen Leisten schlagen.

Weshalb sollte man eigentlich Eulen nach Athen tragen? Können die denn nicht fliegen?

Alles schwarz malen hat es in der modernen Malerei schon einmal gegeben und es wurden auch noch horrende Preise dafür gezahlt!

Es kann sein, dass, wenn man jemanden fertiggemacht hat, er danach nur noch eine halbe Portion ist.

Was, wenn einem Windbeutel die Luft ausgeht?

Wenn man sein Fett abgeschöpft hat, hat man dann auch sein Fett (ab)gekriegt?

Ist der Groschen endlich gefallen?

Siegfried Theissen

Ein Kommentar
  1. Marcel Schmetz

    Nette Kolumne! Als Korinthen kackender „Muttersprachler“ würde mich allerdings interessieren, was ein „schmunzelnder Streifzug“ sein soll…