40 Jahre Agora: Lokal verbunden, international ausgerichtet

Für das Agora-Theater ist 2020 ein besonderes Jahr: 40 Jahre ist es her, dass Marcel Cremer das Theater gegründet hat. Mit verschiedenen Produktionen und Podiumsdiskussionen will Agora das Jubiläum in diesem Jahr feiern. Startschuss ist ein deutschsprachiges Theaterdebüt, das den griechischen Klassiker "Antigone" neu erfindet.

Agora-Proben zum neuen Stück "Die drei Leben der Antigone" (Bild: Raffaela Schaus/BRF)

Agora-Proben zum neuen Stück "Die drei Leben der Antigone" (Bild: Raffaela Schaus/BRF)

Noch wird fleißig geprobt für die Premiere am 16. Januar. „Die drei Leben der Antigone“ heißt das Stück, das die Agora als erstes deutschsprachiges Theater überhaupt auf die Bühne bringt. Geschrieben wurde es von dem slowenischen Philosophen Slavoj Žižek , einem langjährigen Freund des Agora-Regisseurs Felix Ensslin.

Antigone, die in der Tragödie von Sophocles stirbt, bekommt in der Neuauflage zwei weitere Leben. Der klassischen Tragödie werden zwei weitere Enden hinzugefügt: „Einerseits: Antigone gewinnt. Und andererseits: Das Volk richtet sich sowohl gegen den Herrscher Kreon, als auch gegen Antigone“, erklärt Regisseur Felix Ensslin.

Zu den drei Enden setzt die Agora auch drei unterschiedliche Antigones ein. „Wir haben Anna, die 17-jährige kleine Göre, eine super-zeitgenössische Antigone. Wir haben Daniela Scheuren, die lange bei der Agora ist, die eine Antigone spielt, die überlebt hat. Und wir haben Galia Debacker, die große Entdeckung der Agora der letzten zwei Jahre, die die klassische Sophocles-Antigone spielt.“

Insgesamt ist es ein sehr musikalisches Ensemble. So spielen Musik und Gesang in der Agora-Interpretation auch eine große Rolle: „Das Lehrstück von Žižek ist ein wenig trocken. Er sagt selbst: Ich schreibe es nicht als Schriftsteller, sondern als Philosoph – als Gedankenexperiment. Aber wir als Theater wollen ja nicht langweilen, sondern überzeugen und verführen. Und da war die Vermittlung ganz klar die Musik.“

Die nächste Agora-Produktion im Herbst wird ebenso musikalisch: Dann wird es um die Geschichte von Neutral-Moresnet gehen. Neben den beiden Produktionen hat das Theater aber noch mehr geplant, um sein 40-jähriges Bestehen zu feiern.

„Ende März wird ein Buch veröffentlicht im ‚Theater der Zeit‘-Verlag. Und zwar sind das unveröffentlichte Texte von Marcel Cremer, dem Gründer von Agora, der jetzt im Dezember seit zehn Jahren verstorben ist. Es sind Texte von ihm, 13 Tagebücher, die er verfasst hat“, erklärt der Künstlerische Leiter der Agora, Kurt Pothen.

„Christel Hoffman hat eine interessante Auswahl getroffen, die – im Kontext des Theaterschaffens der Agora heute – einen Fokus auf den Menschen und seinen Mut wirft. Auf die Schaffenskraft, die er für die kulturelle Entwicklung Ostbelgiens geleistet hat.“

Auch eine Doku über das Schaffen von Marcel Cremer wird es geben. Vorgestellt wird der Film Ende Oktober beim Internationalen Theaterfest in St. Vith. „Da wollen wir die Partner und Gäste in die DG, nach St. Vith einladen. Auch internationale Akteure, die einen Einblick geben in die aktuelle Theaterarbeit Europas“, sagt Kurt Pothen.

Lokal verbunden, aber auch international ausgerichtet – so beschreibt sich die Agora selbst. Nicht zuletzt im Jubiläumsjahr wird dies das Motto sein. Am 16., 17. und 18. Januar geht es dann los mit den ersten Aufführungen im St. Vither Triangel.

rasch/km

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