Kitsch, Leitmotiv und Zeitgeist – deutsche Wörter in anderen Sprachen

Nachdem wir uns letztes Mal mit deutschen Wörtern im Niederländischen, Französischen und Englischen beschäftigt haben, schaut sich Folge 13 der Reihe "Schmunzelnde Streifzüge durch die Muttersprache" von Prof. Siegfried Theissen deutsche Einflüsse in 27 weiteren Sprachen an.

Siegfried Theissen unternimmt "Schmunzelnde Streifzüge durch die Muttersprache"

Siegfried Theissen unternimmt "Schmunzelnde Streifzüge durch die Muttersprache"

Das geht vom Albanischen über das Arabische, das Japanische, das Hebräische und das Türkische bis zum Weißrussischen.

Albanisch: Auspuff, Duschkabine, Fabrikat, Leitmotiv, Putsch, Steuer, Tankstelle.
Arabisch: Bagger, Bier (!)
Bosnisch / Kroatisch / Serbisch: Anlasser, Bühne, Bunker, Gastarbeiter, Koffer, Stecker, Vergaser.
Bulgarisch: Bier, Eisberg, Kitsch, Marsch, Regal, Schnitzel, Stecker, Zifferblatt
Dänisch: besoffen, Geist, Polterabend, salonfähig, Schlager, Schnauzer, Weltschmerz.
Estnisch: Forelle, Glas, Kino, Koffer, Tasse, Wein, Wurst.
Finnisch: Besserwisser, Jugendstil, Marsch, Mühle, Saum, Taschenlampe.
Griechisch: Bier, Gastarbeiter, kaputt, Kitsch, Marsch, Schnitzel, Strudel.
Hebräisch (Neu-): Auto, Bier, Dackel, Kohlrabi, Schnitzel, Schwung, Strudel.
Italienisch: Bier, Hinterland, Kobold, Semmel, Speck, Stockfisch, Strudel, Wermut, Zink.
Japanisch: Arbeit (als Nebenbeschäftigung), Energie, Kranker, Orgasmus, Poltergeist. Dass die Japaner unsere Arbeit als Teilzeitarbeit oder als Nebenbeschäftigung betrachten, sagt viel über deren Arbeitswut.
Koreanisch: Allergie, Autobahn, Gips, Neurose, Leitmotiv, Proletariat, Seil.
Lettisch: Arzt, Eisberg, Koffer, Niere, Onkel, Schnaps.
Litauisch: Gurke, Torte, Waffel, Watte.
Norwegisch: Besserwisser, Fingerspitzengefühl, Schlager.
Polnisch (hat nach Niederländisch die meisten deutschen Wörter): Blitzkrieg, Bude, Dach, Gips, Hochstapler, Katzenjammer, Kneipe, Schlauch, Weltschmerz, Zifferblatt.
Portugiesisch: Delikatessen, Diesel, Kitsch, Quark, Strudel, Walzer, Zeitgeist.
Rumänisch: Anschluss, Bier, Kartoffel, Kellner, Kitsch, Schlager, Schnitzel, Stecker.
Russisch: Butterbrot, Eintopf, Eisberg, Gastarbeiter, Hinterland, Kitsch, Ober, Plakat, Wunderkind, Zement.
Schwedisch: Besserwisser, Bratwurst, gefundenes Fressen, kaputt, Schnitzel.
Slowenisch: Auspuff, Bier, Kitsch, Speck, Strudel, Vergaser, Ziel, Zucker.
Spanisch: Delikatessen, Eisberg, Hinterland, kaputt, Kitsch, Leitmotiv, Poltergeist, Zeitgeist.
Tschechisch: Gruppe, Kachel, Pfarrer, Regal, Sparkasse, Torte, Watte, Ziel, Zucker.
Türkisch: Autobahn, Eisberg, Fasching, Gestalt, Hinterland, Leitmotiv, Panzer, Schnitzel, Wachs.
Ukrainisch: Dach, Farbe, Kachel, Kneipe, Papier, Postamt, Spital, Ziel.
Ungarisch: Anschluss, Ball, Baron, Börse, Gips, Koffer, Kupplung, Putsch, Stempel, Wecker.
Weißrussisch: Dach, Farbe, Geschäft, Pumpe, Rucksack, Schlager.

In der Gesamtwertung liegt Kitsch vorn: 14 der 30 Sprachen haben es übernommen. Nickel, Quartz, Schnitzel findet man in elf Sprachen. Bier, Leitmotiv, Schlager und Ziel in sieben Sprachen. Eisberg, Gneis, kaputt, Koffer, Poltergeist, Rucksack, Strudel, Zeitgeist und Zink in sechs Sprachen.

Wenn wir uns also wieder einmal über sprachliche Überfremdung beklagen, sollten wir an die Hunderten deutschen Wörter denken, die andere Sprachen übernommen haben. „Reine“ Sprachen gibt es sowieso nicht, wohl aber Austausch zwischen Sprachen.

Zum Schluss noch ein paar Aphorismen von Lichtenberg (deutscher Satiriker des 18. Jahrhunderts):

  • Ist denn Besinnen etwas anderes als Nachschlagen und Erfinden mehr als Umformen?
  • Er fiel sich selbst ins Wort.
  • So sagt man, jemand bekleide ein Amt, wenn er vom Amt bekleidet wird.
  • Wer in sich selbst verliebt ist, hat wenigstens den Vorteil, dass er nicht viele Nebenbuhler erhalten wird.
  • Ist es nicht sonderbar, dass man das Publikum, das uns lobt, immer für einen kompetenten Richter hält? Aber sobald es uns tadelt, es für unfähig erklärt, über Werke des Geistes zu urteilen?

Die Mannschaft ist Hollands Angstgegner

Siegfried Theissen

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Ein Kommentar
  1. Jef Vromans

    Nach meinem etymologischen Wörterbuch des Italienischen (Avviamento alla etimologia italiana, von Giacomo Devoto [Mondadori, 1979, p. 413]) kommt „stoccafisso“ eher aus dem Niederländischen (< Mittelniederländisch "stocvisch"). Das Mittelniederländische könnte es aus der mittelniederdeutschen Hansesprache entlehnt haben, in anderen Quellen wird das Wort jedoch vom norwegischen "stokkfisk" abgeleitet. Wie es auch sei, Stockfisch ist und bleibt eine Lieblingsspeise der Italiener: in manchen Jahren wird 80 bis 90 Prozent der norwegischen Produktion nach Italien exportiert. Und auf dem italienischen Markt gibt es nicht weniger als vierzehn verschiedene Qualitätsstufen. Guten Appetit!

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