„Heimatklänge“: Die „Junge Agora“ über Anpassung, Fremdes und Heimat

Am Wochenende feiert die "Junge Agora" im St. Vither Triangel Premiere ihres neuen Theaterstücks. Es trägt den Titel "Heimatklänge". Rund um ein Klavier lassen fünf Schauspieler mit Liedern aus dem Liederbuch einen Ort entstehen, der von Freundschaft, Verrat, Disziplinierung, Aufruhr und Sehnsucht erzählt. So steht es jedenfalls im Programmheft geschrieben.

Bild: Luka Hennen

Bild: Luka Hennen

„Das Stück heißt ‚Heimatklänge‘. Es geht um sehr viel Musik und die Frage: Wie trifft man den richtigen Ton? Was muss ich machen, um in einer Gesellschaft aufgenommen zu werden, um anerkannt zu werden, um einen Platz zu finden“, sagt Helga Kohnen, die Regisseurin und Verantwortliche für die Künstlerische Gesamtleitung bei der „Jungen Agora“.

Das Stück Heimatklänge stellt vor allem die Frage: Wie definiert jeder Heimat für sich? Eine einzig gültige Antwort möchte die „Junge Agora“ auf keinen Fall geben. Auch keinen moralischen Zeigefinger heben. Zu schwer ist der Begriff, weil ihn jeder anders interpretieren kann. „Was ist für mich Heimat? Sind das die Menschen, die mich anerkennen, bei denen ich mich wohlfühle? Ist es die Musik, die mich dahin zieht? Oder ist es ein fester Ort, von dem ich nicht mehr verjagt werden kann?“

Es geht in dem Stück auch um die Frage: Welchen Preis will ich zahlen, damit ich dazugehören kann? Dabei spielt es für die „Junge Agora“ keine Rolle, ob man noch ankommen möchte, oder schon längst da ist. „Das ist auch noch eine wichtige Frage, die uns beschäftigt. Wie viel Fremdheit verträgt eine Heimat? Wie viel Fremdes erträgt ein Verein? Was erträgt eine Gesellschaft? Und wenn ich mich anpasse, wie viel gebe ich von meiner Lebendigkeit auf? Wie viel Lebendigkeit tötet die Ordnung“, fragt Helga Kohnen.

Ein Dilemma mit einem hohen Bezug zur Aktualität. Doch Regisseurin Helga Kohnen ist nicht ganz einverstanden. „Manche sagen, das sind aktuelle Fragen. Aber ich glaube, das sind Fragen, die die Menschheit seit jeher beschäftigen. Im Moment beschäftigen sie uns mehr, weil wir jetzt in Europa mehr betroffen sind. Aber das sind Fragen, die es immer gegeben hat. Menschen, die heimatlos sind, die sich anpassen müssen, die keinen Ort haben.“

Bild: Willi Filz

Bild: Willi Filz

Es wird durchaus philosophisch am 1. und 2. September im St. Vither Triangel. Los geht es schon vor Beginn des Stücks. Und zwar mit einer Gewissensfrage. Jeder Zuschauer zahlt beim Eintritt für den Theaterbesuch den Preis, den er gewillt, bzw. in der Lage ist zu zahlen.

Doch bei all den schwierigen Fragen, soll auch das Vergnügen nicht zu kurz kommen. Man kann also mehr erwarten, verspricht Helga Kohnen. „Musik, schöner Gesang, schöne Lieder – Musik hat ja immer was Verbindendes. Mal sehen, wie die Musik denn verbindet und ob das Publikum Lust hat mitzusingen.“

„Heimatklänge“ wird am Samstag, 1. September 2018 um 20 Uhr, und am Sonntag, 2. September im Rahmen von „Theater.Sonntag!“ um 15 Uhr vorgeführt. Nach der Vorstellung lädt das Ensemble bei Café und Heimatkuchen zum Zuschauergespräch ins Café Trottinette ein. Kartenreservierung: per Mail an agora@agora-theater.net oder telefonisch unter +32 (0)80 22 61 61.

Manuel Zimmermann

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