Nato-Generalsekretär Mark Rutte hat die Rüstungsindustrie im Rahmen des Gipfeltreffen des Militärbündnisses in Ankara aufgerufen, einen "großen Sprung" zu machen. Er forderte unter anderem, mehr Drohnen und Munition herzustellen.
Die Nato-Mitgliedsländer seien bereit, mehr Geld für die Verteidigung auszugeben, sagte Rutte. Aber das sei nicht möglich, wenn sich nicht auch die Rüstungsindustrie weiterentwickele.
Angesichts der steigenden Verteidigungsausgaben Russlands sei die Lage dringend, so Rutte. "Die Strategie ist klar, aber das Spiel ist längst noch nicht zu Ende. Um zu gewinnen, müssen alle ihren Teil zur Arbeit beitragen", sagte der Nato-Generalsekretär.
Die Nato-Staaten wollen in den kommenden fünf Jahren mehr als 40 Milliarden US-Dollar in die Drohnenabwehr stecken, wie Rutte beim Gipfel ankündigte. "Drohnen haben (...) den Charakter der modernen Kriegsführung grundlegend verändert und sind zu einem entscheidenden Faktor auf dem Schlachtfeld geworden", so Rutte.
Bei Protesten am Rande des Treffens sind unterdessen mehrere Menschen festgenommen worden. Die türkischen Behörden hatten ein umfassendes Demonstrationsverbot rund um die Veranstaltung verhängt. Bereits im Vorfeld waren zahlreiche Menschen festgenommen worden, darunter Aktivisten, Gewerkschaftler und Journalisten.
Außenminister Maxime Prévot hatte kurz vor dem Beginn des Nato-Gipfels am Dienstag betont, dass die Veranstaltung zeigen müsse, dass das Militärbündnis mit einer Stimme spricht. Neben Prévot nehmen auch Premier Bart De Wever und Verteidigungsminister Theo Francken an dem Gipfel in Ankara teil.
Trump kritisiert Europäer
US-Präsident Donald Trump hat kurz nach seiner Ankunft beim Nato-Gipfel in Ankara Kritik an einigen europäischen Nato-Mitgliedern geäußert. Trump sagte, europäische Staaten hätten die USA im Iran-Krieg hängen lassen. Dabei ging es unter anderem um Stützpunkte, Überflugrechte und eine mögliche Rolle bei der Sicherung der Straße von Hormus. Der US-Präsident erwähnte bei seiner Kritik namentlich Großbritannien, Italien, Deutschland und Frankreich. Er fordere Loyalität, sagte Trump in Ankara.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj nimmt als Gast an dem Nato-Treffen teil. Selenskyj machte sich dabei erneut für größere Lieferungen von Flugabwehrraketen an sein Land stark. Damit sollen russische Raketen wirkungsvoller abgefangen werden. Dass Europa in der Lage ist, eigene Abwehrsysteme und zugehörige Raketen herzustellen, müsse Vorrang haben, so Selenskyj.
dpa/belga/moko