Die EU-Spitzen haben positiv auf die Ankündigung einer zweiwöchigen Feuerpause zwischen dem Iran und den USA reagiert.
EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen schrieb in den Sozialen Medien, sie begrüße den Waffenstillstand, er sorge für die dringend benötigte Deeskalation. Von der Leyen dankte Pakistan für die Vermittlung. Nun sei es entscheidend, dass die Verhandlungen über eine dauerhafte Lösung des Konflikts fortgesetzt würden.
Ähnlich äußerte sich EU-Ratspräsident António Costa. Er forderte alle Parteien auf, die Bedingungen für den Waffenstillstand einzuhalten. Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas sagte, der Waffenstillstand sei nach wochenlanger Eskalation ein Schritt weg vom Abgrund.
Auch China und Australien haben die Einigung auf eine Feuerpause begrüßt. Mehrere arabische Staaten reagierten ebenfalls positiv. Sie dringen aber auf weitere Diplomatie. Es müsse Lösungen für die Wurzel der Krise geben, erklärte das Außenministerium des Golfstaats Oman.
US-Vizepräsident Vance bezeichnete Waffenruhe als "fragil". Sollte Teheran den Verhandlungsprozess nicht aufrichtig führen, werde Präsident Trump "nicht mit sich spaßen" lassen, sagte Vance bei der Veranstaltung eines Politik-Instituts in Budapest.
Hegseth: US-Militär kann jederzeit erneut zuschlagen
Die US-Streitkräfte bleiben nach den Worten von Verteidigungsminister Hegseth weiterhin bereit für schnelle militärische Schläge. Auf auf einer Pressekonferenz in Washington sagte Hegseth, die Streitkräfte könnten jederzeit wieder loslegen, mit welchen Zielen auch immer.
Den Krieg im Iran erklärte er für gewonnen. In weniger als sechs Wochen hätten die USA einen "historischen Sieg" errungen. Es sei zwar möglich, dass der Iran noch vereinzelt in der Lage sei zurückzuschießen. Teheran könne aber keine weiteren Raketen oder Drohnen mehr herstellen, so der amerikanische Verteidigungsminister.
Golfstaaten melden Beschuss aus dem Iran
Trotz der Waffenruhe haben die Golfstaaten Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate Beschuss aus dem Iran gemeldet. Man sei seit dem Mittwochmorgen mit einer Welle iranischer Angriffe konfrontiert, teilte die kuwaitische Armee mit und habe 28 iranische Drohnen abgefangen.
Einige der Drohnen hätten auf Ölanlagen und Kraftwerke im Süden des Landes gezielt und Sachschaden an der Infrastruktur und Entsalzungsanlagen verursacht. Das Verteidigungsministerium der Emirate teilte mit, die Luftverteidigung sei gegen Raketen- und Drohnenangriffe aus dem Iran im Einsatz.
Im iranischen Staatsfernsehen wurden die Angriffe bestätigt. Sie erfolgten als Reaktion auf Bombardierungen iranischer Ölanlagen am Persischen Golf kurz zuvor, hieß es in einer Nachrichtensendung.
Passsage durch Hormus bleibt eingeschränkt
Der Iran hält weiterhin an einer Kontrolle des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus fest. Nach Mitteilung von Außenminister Araghtschi dürfen Schiffe erst nach Erhalt einer offiziellen Genehmigung zwischen zwei iranischen Inseln hindurchfahren und iranische Hoheitsgewässer durchqueren.
US-Präsident Trump hatte zuvor erklärt, Bedingung für die beidseitige Waffenruhe sei die vollständige, unverzügliche und sichere Öffnung der Straße von Hormus.
Tote und Chaos nach Israels Großangriff im Libanon
Ungeachtet der Waffenruhe greift Israel den Libanon weiterhin massiv an. Die israelische Armee sprach am Nachmittag vom "größten koordinierten Angriff" seit dem Wiederaufflammen des Konflikts mit der Hisbollah Anfang März.
Man habe innerhalb von zehn Minuten in der libanesischen Hauptstadt Beirut, im Osten sowie im Süden des Nachbarlandes mehr als 100 Kommandozentralen und Militärstützpunkte der islamistischen Miliz ins Visier genommen.
Das libanesische Gesundheitsministerium meldete Dutzende Tote und Hunderte Verletzte. Viele Menschen seien nach den Angriffen noch unter Trümmern verschüttet. Augenzeugen berichten von Chaos in den Straßen und Krankenhäusern.
Außenminister Zeuge der Bombardierung Beiruts
Außenminister Maxime Prévot hielt sich zum Zeitpunkt der massiven Luftschläge in der belgischen Botschaft in Beirut auf. Nur wenige hundert Meter entfernt schlugen Bomben ein.
"Dies ist einer der blutigsten Tage, die der Libanon in jüngster Zeit erlebt hat“, sagte Prévot nach seinen Gesprächen mit dem libanesischen Präsidenten Aoun und Premierminister Salam.
dpa/est/mh