Der Krampus ist im Südtiroler Ahrntal tief verwurzelt, erklärt der Maskenschnitzer Lukas Troi. "Den Krampus hat es bei uns eigentlich immer schon gegeben. Er gehört zur Weihnachtszeit und ist damit der Gegenpol zum Karneval." Die Zeit der Krampusläufe erstrecke sich etwa von Mitte November bis Mitte Dezember.
"Ursprünglich kommt der Brauch aus der heidnischen Zeit. Damals wurden Wintergeister geweckt oder vertrieben – je nach Region", so Troi. Mit dem Aufkommen des Christentums sei der Brauch angepasst worden. "Man konnte ihn nicht ausrotten, also hat man ihn christianisiert. Heute kommt der Krampus gemeinsam mit dem Nikolaus – das Gute und das Böse nebeneinander."
Parallelen zum Karneval sieht Troi dennoch. Maskierung, Rollenwechsel und das zeitweise Ausbrechen aus dem Alltag seien gemeinsame Elemente. Besonders auffällig sei in den letzten Jahren der starke Aufschwung des Krampusbrauchtums. "Mittlerweile hat fast jedes zweite Dorf eine eigene Krampusgruppe. Die Begeisterung ist vor allem bei den Jungen sehr groß – teilweise schon ab zehn Jahren." Auch Kinder nehmen heute an Umzügen teil.
Troi vermutet dahinter eine Rückbesinnung auf alte Traditionen. "Die alten Bräuche werden wiederentdeckt. Und natürlich geht von so einem Kostüm auch eine große Faszination aus – man wirkt größer, furchteinflößender und kann sich ein Stück weit ausleben."
Als Bildhauer und Maskenschnitzer hat Troi im Laufe seiner Karriere mehrere hundert Krampusmasken gefertigt. Dabei beobachtet er klare Trends. "Vor etwa 15 Jahren waren Masken mit sehr alienhaften, fast science-fictionartigen Zügen modern. Das ist inzwischen fast komplett verschwunden." Heute gehe die Entwicklung wieder zurück zu traditionelleren Formen. "Masken mit menschlichen Zügen wirken oft viel gruseliger, weil sie echter erscheinen."
Regionale Unterschiede spielen dabei eine große Rolle. "In Osttirol zum Beispiel heißt der Krampus 'Klaubauf'. Dort sind die Masken viel größer und grober", erklärt Troi. Der Brauch sei dort auch deutlich rustikaler. "Im Salzburger Raum und bei uns sind die Masken kleiner, damit man sich besser bewegen kann. Große Masken sind einfach schwerer."
Die starke Verwurzelung des Maskenschnitzens erklärt Troi auch historisch. "Das Ahrntal war lange ein reines Bauerntal. Die Menschen lebten von der Landwirtschaft - und im Winter hatten sie Zeit." In dieser Zeit wurden Werkzeuge repariert und Holz bearbeitet. "Viele waren handwerklich sehr geschickt. Wer besonderes Talent hatte, begann zu schnitzen." So habe sich die Maskentradition vor allem in abgeschlossenen Alpentälern entwickelt. "Diese Art von Masken findet man fast überall dort, wo es Berge und Landwirtschaft gibt."
Radio-Interview mit Maskenmacher Lukas Troi im Player:
Christophe Ramjoie