Verhofstadt: Rückweg in die EU für Großbritannien offen

Der Brexit-Beauftragte des Europaparlaments, Guy Verhofstadt, zeigt sich offen für einen Verbleib der Briten in der EU. Der britische Brexit-Minister will davon aber nichts wissen.

Ex-Premier Guy Verhofstadt

Der ehemalige belgische Premier und jetzige Brexit-Beauftragte des EU-Parlaments Guy Verhofstadt

„Den Briten steht der Weg offen, ihre Meinung zu ändern und wieder Teil der Europäischen Union zu sein“, sagte er der Zeitung Welt am Sonntag. Allerdings gäbe es dann für die Briten keine Sonderwünsche oder Rabatte mehr.

Vor Beginn der Brexit-Verhandlungen am Montagbeharrte Verhofstadt auf der Forderung, die Rechte aller EU-Bürger zu garantieren, die bis zum erwarteten EU-Austritt 2019 nach Großbritannien ziehen. Einen früheren Stichtag lehnte Verhofstadt ab.

Damit bezog er sich auf Berichte, der britische Unterhändler David Davis wolle nur EU-Bürger berücksichtigen, die bis zum Austrittsgesuch am 29. März dieses Jahres ins Land kamen. Solange die Briten Mitglied seien, ändere sich nichts an den Rechten der EU-Bürger in Großbritannien, sagte Verhofstadt.

Brexit-Minister Davis: Briten verlassen die EU

Einen Tag vor dem Start der EU-Austrittsverhandlungen in Brüssel gibt es für den britischen Brexit-Minister aber David Davis kein Zurück mehr. „Es sollte keine Zweifel geben, wir verlassen die Europäische Union“, sagte Davis am Sonntag. Die Regierung werde das historische Ergebnis des Brexit-Referendums durchsetzen.

Großbritannien kehre Europa aber nicht den Rücken zu. „Es ist lebenswichtig, dass der Deal, den wir schließen, es sowohl dem Vereinigten Königreich als auch der EU ermöglicht, zu gedeihen“, so Davis. Man strebe eine „tiefe und besondere Beziehung“ mit „unseren engsten Verbündeten und Freunden“ an.

Davis erwartet zwar, dass sich die Gespräche an einigen Punkten schwierig gestalten werden. Man werde sie aber konstruktiv angehen, sagte der Brexit-Minister.

dpa/jp/est - Thomas Samson (afp)

Kommentar hinterlassen
4 Kommentare
  1. Damien Francois

    Da sieht man wieder welchen Respekt die EU für demokratische Entscheidungen, die ihr nicht passen, hat. Die Briten haben NEIN gesagt, wieso also wieder umlenken wollen? Die EU ist totalitär; eine Tollität, ja…

  2. Marcel Scholzen eimerscheid

    Der Brexit ist ein gutes Beispiel, wie Politiker über eine Sache gestritten haben, von der sie eigentlich keine Ahnung hatten und von der sie nicht einmal wussten, wie sie aussieht. Ähnlich einem Blinden, der über Farben philosophiert. Die Volksabstimmung war eindeutig ein Fehler, denn die Bürger waren überfordert (noch mehr als die Politiker) ein solch komplexes Thema zu beurteilen.

    Es ist schon mal gut, dass Theresa May durch die Parlamentswahlen geschwächt wurde und auf Koalitionspartner angewiesen ist, die mäßigend auf die Verhandlungen einwirken können. Wahrscheinlich bleibt Großbritannien im Europäischen Wirtschaftsraum ungefähr wie Norwegen. Es ist Sache der Verhandlungspartner zu definieren, was das ist „Brexit“, der grossen Unbekannten. Hoffen wir das Beste um das Schlimmste zu verhindern.

  3. Dieter Leonard

    DIE BRITEN haben NEIN gesagt !?
    51,89 % der zur Wahl gegangenen Briten haben – nach einem mit falschen Zahlen und populistischen Argumenten geführten Referendum – für den Brexit gestimmt.
    Dies entspricht 37,44 % der Wahlberechtigten.
    Es ist unbegreiflich, dass eine Entscheidung mit einer solchen Tragweite, von einer einfachen Mehrheit der Bevölkerung abhängig gemacht wurde.
    Eine Entscheidung, die den Rang einer Verfassungsänderung hat, hätte – wenn man schon von Demokratie spricht – von einer breiten Mehrheit (2/3) der Briten befürwortet werden müssen.
    Diese Entscheidung spaltet das Land und trifft vor allem die junge Bevölkerung, die mehrheitlich gegen den Brexit gestimmt hat.
    Der Ober-Brexit-Befürworter Nigel Farage hat sich nach dem Votum vom Acker gemacht.
    Statt die Gunst vermeintlich vorteilhafter Umfragen zu nutzen, um ihre Macht zu festigen (der Schuss ging bekanntlich nach hinten los), hätte Frau May besser daran getan, von den Briten eine Bestätigung des EU-Austritts zu verlangen.
    Dies wäre sicher eher im Sinne der Demokratie.

  4. Jean-Pierre DRESCHER

    Machen die das vielleicht nur, um den Nettoeinzahler Deutschland, Niederlande, Österreich am Ende zu erpressen zu noch viel mehr Geld, also in Wahrheit niemals die EU verlassen werden?

    Honit soit qui mal y pense. Der IWF hat erst gestern angekündigt, den so schon sehr armen Deutschen (EZB-Studie!) ihr letztes erspartes auch noch zu entreißen durch eine lange anhalte Entwertung ihres Geldes (vergleiche 1920), damit u.a. Kriegs- und Bongo-Bongo-Staaten weiterhin kräftig Party machen können bzw. sich die raubkapitalistischen Großkonzerne noch mehr bis zum Cournotschen Punkt bereichern können am Geld der Ärmsten und Schwächsten.

    Es wäre nicht das erste Mal das unsere „Freunde“ von der Insel als Hauptakteure vom IWF, der EU und der UN andere Völker erpressen und noch viel mehr.

Kommentar hinterlassen

Ihre Email-Adresse wird niemals veröffentlicht!
Pflichtfelder sind mit * gekennzeichnet.
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien zu Kommentaren.

Restl. Anzahl Wörter: 150