Begeisterung, Ernüchterung, Zerstörung: Ausstellung erinnert an Ardennenoffensive

An das Geschehene nicht nur erinnern, sondern auch verhindern, dass sich Ähnliches wiederholt. Das ist das Anliegen einer Ausstellung, die Freitagabend in der St. Vither Pfarrkirche eröffnet wird. Die Ausstellung von ZVS, Kirchenfabrik und Stadt St. Vith zeigt die Stimmungslage der ostbelgischen Eifel vor, während und unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg.

ZVS blickt auf die Ardennenoffensive zurück (Bild: Raffaela Schaus/BRF)

Zum 75. Jahrestag des Starts der Ardennenoffensive blickt St. Vith unter anderem mit einer Ausstellung in der Pfarrkirche zurück auf die Geschehnisse vor, während und nach dem Zweiten Weltkrieg (Bild: Raffaela Schaus/BRF)

Die Pfarrkirche in St. Vith ist ein Ort der Besinnlichkeit. Zum Jahrestag der Ardennenoffensive erinnert sie nun auch an die Kriegsgeschehnissen vor genau 75 Jahren.

Originalobjekte aus der Zeit stehen für die zerstörerische Kraft des Krieges. „Beeindruckt hat mich zum Beispiel, ein Essgesteck, das man auf dem Schlachtfeld gefunden hat – von Granaten zerschossen, aber noch erkennbar“, sagt Klaus-Dieter Klauser vom Geschichtsverein Zwischen Venn und Schneifel. „Da sieht man die Kriegsgräuel: ein Alltagsgeschirr, vom Krieg zerstört. Oder Flugzeugteile wie der Propeller von einem Jagdbomber.“

Doch auch die Zeit vor dem Krieg wird thematisiert. Denn auch in Ostbelgien war nationalistisches Denken keine Seltenheit. „Die Begeisterung war schon in den 30er Jahren sichtbar, als man feststellte, dass die Hälfte der Bevölkerung prodeutsche Parteien wählte. Dass man sehnlichst eine Wiedervereinnahmung des Gebiets ins deutsche Reich erwartete. Man war enttäuscht, als Hitler diesen Plan kurz vor dem Krieg aufgegeben hat.“

„Und man war dann begeistert, als die deutsche Wehrmacht hier eingezogen ist am 10. Mai.“ Geschürt wurde die Begeisterung von deutscher Propaganda – Fake News würde man heute sagen. So schlägt die Ausstellung auch eine Brücke zu aktuellen Ereignissen. „Wenn man sieht, welche Auswirkungen Propaganda hat: Fremdenfeindlichkeit, Populismus, Nationalismus – das sind Begriffe, die heute total aktuell sind. Die gab es nicht nur in den 30er und 40er Jahren.“

ZVS blickt auf die Ardennenoffensive zurück (Bild: Raffaela Schaus/BRF)

Bild: Raffaela Schaus/BRF

Welche Folgen der Krieg hat, wurde den Leuten schnell bewusst – spätestens mit den ersten Todesopfern. Aber auch im Zivilleben gab es Veränderungen. „Der Alltag war quasi von deutschen Organisationen bestimmt, ob das das Mütterhilfswerk war oder die Jugend. Alles war nationalsozialistisch unterdrückt, eingeordnet und man hatte sich dem zu fügen. Spätestens da, denke ich, ist Ernüchterung eingetreten.“

„Begeisterung, Ernüchterung und Zerstörung“ sind die Grundthemen der Ausstellung. Ebenso wird die Zeit nach dem Krieg festgehalten. Die Ausstellung stellt die Stimmungslage von damals in ihrem ganzen Umfang dar.

Sie ist der Auftakt einer Veranstaltungsreihe, die St. Vith zum Jahrestag der Ardennenoffensive organisiert. „Die Stadt hat in Zusammenarbeit mit uns und mit anderen Einrichtungen eine ganze Reihe von Veranstaltungen auf die Beine gestellt, die an 75 Jahre Frieden erinnern – aber eben auch an unsere Verpflichtung, dafür zu sorgen, dass dieser Frieden erhalten bleiben kann.“

ZVS blickt auf die Ardennenoffensive zurück (Bild: Raffaela Schaus/BRF)

Bild: Raffaela Schaus/BRF

Raffaela Schaus