Die Presseschau von Dienstag, dem 3. Januar 2017

Der mörderische Anschlag von Istanbul ist weiterhin Thema. Außerdem blicken die Zeitungen auf den umstrittenen Transfer von Fußballprofi Witsel nach China und auf das deutsch-niederländisch-belgische Schlagertrio Klubb3.

Erster Roter Teufel in China: Axel Witsel

Erster Roter Teufel in China: Axel Witsel

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„Freunde trauern um Kerim“, titelt Het Belang van Limburg. „Mahnwache für belgisches Opfer des Anschlags von Istanbul“, schreibt Gazet van Antwerpen. „Blumen und Kerzen gegen den Terror“, bringt es Het Nieuwsblad auf den Punkt.

Im limburgischen Houthalen haben Freunde und Bekannte von Kerim Akyil gestern Abend Abschied genommen. Der 23-Jährige mit belgischer und türkischer Staatsangehörigkeit war in der Neujahrsnacht beim Anschlag in einer Istanbuler Diskothek getötet worden. Die Terrorgruppe IS hat sich zu dem Attentat bekannt, bei dem insgesamt 39 Menschen erschossen und knapp 70 verletzt wurden. Nach dem flüchtigen Täter wird in der Türkei mit Hochdruck gefahndet.

Witsel wechselt in „lukrative Gurkenliga“

„Axel Witsel geht nach China“, titelt La Dernière Heure. „Der belgische Fußballprofi hat der lukrativen Versuchung aus Fernost nicht widerstehen können“, meint La Libre Belgique. Die Zeitung kann die Entscheidung des 27-Jährigen nicht nachvollziehen. Sportliche Ambitionen hat Witsel also keine mehr – die chinesische Fußball-Liga ist ja nicht gerade für ihre Qualität bekannt. Dafür beweist der ehemalige Standard-Lüttich-Spieler, dass es im Profifußball nur noch ums Geld geht. Witsel bekommt bei seinem neuen Club Tianjin Quanjian ein Jahresgehalt von 18 Millionen Euro. Damit wird er zu Belgiens bestbezahltem Fußballspieler. Zum Vergleich: Europas bestbezahlter Spieler Cristiano Ronaldo verdient bei Real Madrid 22 Millionen Euro im Jahr.

Auch das GrenzEcho ist empört über Witsel: Geld macht gierig und ambitionslos. Bei Juventus Turin und sogar beim FC Barcelona war er im Gespräch, doch der Zenith St. Petersburg-Spieler geht weder nach Italien noch nach Spanien, sondern spielt demnächst für einen chinesischen Club, dessen Namen wir noch nie gehört haben. Die Zeitung spricht von einer „Gurkenliga steinreicher Milliardäre“.

De Standaard ist ebenfalls verdutzt. Witsel erklärte, er müsse die finanzielle Zukunft seiner Familie absichern und habe deshalb das Angebot auch China nicht ausschlagen können. Wäre er zu Juventus Turin gewechselt und hätte dort möglicherweise nur vier Millionen im Jahr verdient, hätte Witsels Tochter wohl bald als Bettlerin am Straßenrand gesessen, mokiert sich das Blatt.

Het Laatste Nieuws kann die Entscheidung des Fußballers dagegen nachvollziehen. „Ich hätte an seiner Stelle genauso gehandelt“, schreibt der Leitartikler. In China wird die Fußballgeschichte von morgen geschrieben und Witsel kann als Pionier beim Aufbau helfen. Die Zeitung hält die Kritik an seiner Person für überzogen. Dass er seine Zukunft als Roter Teufel aufs Spiel setzt, ist sein Problem nicht unseres. Dass auf dem Höhepunkt seiner Karriere das Geld und nicht die sportliche Herausforderung an erster Stelle steht, ist ebenfalls sein Problem. Außerdem ist Witsel knapp 28, seine Laufbahn als Profi-Fußballer ist in ein paar Jahren sowieso vorbei. Und noch etwas: Nicht Axel Witsel ist dekadent, sondern der chinesische Fußballclub, der ihm so viel Geld zahlt.

Von Staus, Autos und Cyberangriffen

„So viel Stau wie noch nie“, schreibt Het Laatste Nieuws auf Seite eins. Im Schnitt kommt es werktags zu 141 Kilometern Stau auf den flämischen Autobahnen. Obwohl also fast täglich der Verkehrskollaps droht, kaufen die Belgier wieder mehr Autos, fügt Het Nieuwsblad hinzu. Pro Minute wird ein neues Fahrzeug angemeldet – im vergangenen Jahr waren es über 500.000. Trotz des Dieselgate-Skandals und manipulierter Ausstoßwerte bleibt der VW Golf das beliebteste Auto in Belgien, bemerkt L’Écho. Mehr als 16.000 Stück wurden 2016 verkauft und damit so viel wie von keinem anderen Modell. Die beliebteste Marke ist weiterhin Renault, gefolgt von Volkswagen und BMW.

„Merkel perfektes Zielobjekt für russische Hackerangriffe“, so die Aufmachergeschichte von De Morgen. In Deutschland befürchten immer mehr Menschen, dass die Bundestagswahlen im kommenden Herbst von Russland beeinflusst werden könnten. Russische Hacker hatten ja schon im amerikanischen Wahlkampf für Unruhe gesorgt. Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel könnte Opfer eines ähnlichen Cyberangriffs werden wie die demokratische Bewerberin Hillary Clinton in den USA, warnt der Zeit-Journalist Jochen Bittner. Merkel ist in seinen Augen das perfekte Ziel für Moskau, weil sie für ein starkes Europa kämpft, viel Einfluss hat und diesen auch nutzt, um das russische Vorgehen unter anderem auf der Krim immer wieder aufs Schärfste zu verurteilen. Der Kreml werde alles in seiner Macht Stehende tun, um die Bundesrepublik und die EU zu destabilisieren, warnen Experten in De Morgen.

Silbereisen, Smit und Christoff

Het Nieuwsblad berichtet über die neue Schlagerband von Florian Silbereisen. Neben dem Deutschen mischen in „Klubb3“ auch der Niederländer Jan Smit und Belgiens Schlagerstar Christoff mit. Das Trio veröffentlicht am Freitag sein neues Album. Geplant sind zudem drei TV-Shows und mehr als 30 Konzerte unter dem Namen „das große Schlagerfest“. Im Frühjahr macht ihre Tournee Halt im Antwerpener Sportpalast.

Alain Kniebs - Bild: Laurie Dieffembacq/Belga

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