"First Prize, International Queen Elisabeth Grand Prize, Queen Mathilde Prize: Ettore Pagano!" Das waren die magischen Worte, auf die die Klassikwelt in den letzten Wochen so gespannt gewartet hat. Gilles Ledure, Direktor des Kulturzentrums Flagey in Brüssel und Vorsitzender der Jury beim Königin Elisabeth-Wettbewerb, verkündete Samstagnacht den Namen des Siegers der insgesamt dritten Ausgabe für Cello bei diesem international höchst angesehenen Solisten-Wettbewerb.
Ettore Pagano stammt aus Italien, ist 23 Jahre alt und ist in seinem Heimatland trotz seines jungen Alters bereits als Konzertsolist fest etabliert. Außerdem hat er schon mehrere internationale Musikwettbewerbe gewonnen. Jetzt darf er sich auch erster Preisträger des "Concours Reine Elisabeth" nennen und ein Preisgeld von 25.000 Euro mit nach Hause nehmen.
In diesem Jahr besonderer Preis
In diesem Jahr gibt es für den Sieger sogar noch etwas obendrauf, denn der Wettbewerb feiert seinen 75. Geburtstag, und aus diesem Anlass darf der Gewinner, also Ettore Pagano, vier Jahre lang auf dem Cello des legendären Pablo Casals spielen, ein Instrument, das nach Schätzungen von Experten mehrere Millionen Euro wert ist.
Ein Wettbewerb ist natürlich immer auch eine subjektive Geschichte, und die Meinungen im Publikum und in der Jury gehen oft auseinander, wenn es darum geht, den besten unter zwölf Ausnahmemusikern herauszusuchen. Aber in diesem Jahr gab es relativ wenig Kritik an der Jury-Entscheidung, denn Ettore Pagano hat während des gesamten Wettbewerbs wirklich außergewöhnliche und konstant höchstklassige Leistungen gebracht. Auch im Finale, wo er wie alle anderen Kandidaten das moderne Pflichtwerk "Four Odes to the Tidings of Flowers" der chinesischen Komponistin Fang Man interpretierte.

Den zweiten Platz beim "Concours Reine Elisabeth" belegte die Koreanerin Tae-Yeon Kim, mit 20 Jahren die jüngste unter den zwölf Finalisten. Sie begeisterte am Samstag als letzte Kandidatin auch mit ihrem Wahlwerk, dem Cello-Conzert von Witold Lutosławski. Mit diesem auf Wettbewerben eher selten gespielten zeitgenössischen Stück hatte ihre Landsfrau Hayoung Choi vor vier Jahren den letzten Königin-Elisabeth-Wettbewerb für Cello gewonnen.
Die Preisträger auf den Plätzen drei bis sechs sind der Kanadier Leland Ko, der Spanier Álvaro Lozano Cames, der Japaner Yo Kitamura und die Russin Maria Zaitseva. Wie eng die Kandidaten beieinander lagen in der Gunst des Publikums, zeigt auch die Tatsache, dass die beiden Publikumspreise der flämischen und der französischsprachigen Rundfunkanstalten an verschiedene Finalisten gingen, nämlich an Tae-Yeon Kim für die VRT und Álvaro Lozano Cames für die RTBF.
Das mag wohl auch daran liegen, dass es in diesem Jahr keinen belgischen Teilnehmer im Wettbewerb gab, denn traditionell haben belgische Finalisten die größten Chancen auf die nationalen Publikumspreise. Aber wie gesagt, Ettore Pagano ist ein verdienter Sieger, und das zeigte er auch in seinem Wahlwerk, der Sinfonia Concertante Opus 125 von Sergei Prokofjew.
Ein ganz großes Lob geht auch an die Musikerinnen und Musiker des Belgian National Orchestra unter der Leitung ihres Dirigenten Anthony Hermus. Alle Augen und Ohren sind natürlich immer auf die Solisten gerichtet, aber was unser Nationalorchester letzte Woche an sechs Abenden gezeigt und geleistet hat, das war absolute Spitzenklasse und zeigt einmal mehr den hohen Stellenwert, den Musik und Musikausbildung in unserem Land genießt.
Da kann man nur hoffen, dass das so bleibt und dass der Königin-Elisabeth-Wettbewerb, eines der sichtbarsten und renommiertesten Aushängeschilder unseres Landes im Kulturbereich, noch viele Jahre die Herzen der internationalen Klassikfans begeistern kann.
Patrick Lemmens