Der Königin-Elisabeth-Wettbewerb hat eine lange Tradition. Er geht zurück auf die belgische Königin Elisabeth, die Frau von König Albert I und die Urgroßmutter von König Philippe. Sie war eine große Kunstliebhaberin und als solche befreundet mit dem bekannten belgischen Violinisten Eugène Ysaÿe. Gemeinsam planten die beiden bis zu Ysaÿes Tod 1931 einen großen internationalen Musikwettbewerb, aber es dauerte bis 1937, bevor der Wettstreit unter dem Namen "Concours Eugène Ysaÿe" zum ersten Mal ausgerichtet wurde.
Zunächst wurde er abwechselnd für die Instrumente Violine und Klavier organisiert, dann ab 1988 auch für Gesang und schließlich seit 2017 für das Cello. Seit 1951 heißt der Wettbewerb offiziell "Concours Reine Elisabeth", und die Schirmherrschaft liegt traditionell in den Händen einer belgischen Königin, seit 2014 bei Königin Mathilde.
66 Kandidaten kämpfen um den Einzug ins Halbfinale
Bevor der Wettbewerb jedes Jahr im Mai öffentlich losgeht, ist hinter den Kulissen schon eine ganze Menge passiert. Für die Ausgabe 2026 zum Beispiel haben sich bis Ende November 185 junge Cellistinnen und Cellisten per Video für eine Teilnahme beworben, und aus all diesen Bewerbungen hat dann eine internationale Jury im Februar insgesamt 66 Kandidaten ausgewählt, die ab dem 4. Mai in der ersten Runde des Wettbewerbs um den Einzug ins Halbfinale wetteifern werden. Im Halbfinale gibt es nur 24 Plätze, also werden sich 42 junge Musiker nach der ersten Runde schon verabschieden müssen.
Kein belgischer Teilnehmer
Was die diesjährigen Kandidaten betrifft, so ist die erste Feststellung, dass die männlichen Teilnehmer weit in der Überzahl sind: 45 Männern stehen gerade einmal 21 Frauen gegenüber. Das Alter der Kandidaten liegt zwischen 18 und 30 Jahren, und ihre Herkunft ist ziemlich breit gefächert. Die jungen Cellistinnen und Cellisten kommen aus 23 verschiedenen Ländern, am stärksten vertreten ist dabei Deutschland mit neun Teilnehmern, gefolgt von Südkorea mit sieben und den Vereinigten Staaten mit fünf. Aus belgischer Sicht gibt es leider nur die etwas enttäuschende Nachricht, dass in diesem Jahr keine Landsfrau und kein Landsmann beim Wettbewerb dabei sein wird.
Besonders erwähnenswert ist noch die Tatsache, dass sowohl für das Halbfinale als auch für das Finale jedes Königin-Elisabeth-Wettbewerbs ein neues Werk komponiert wird, das von allen Kandidaten gespielt werden muss und somit der Jury die Möglichkeit gibt, die Leistung der Musikerinnen und Musiker einfacher zu vergleichen. In diesem Jahr stammt das Pflichtwerk des Halbfinales von dem Lütticher Pianisten und Komponisten Harold Noben. Das Stück heißt "Caffeine" und ist geschrieben für Cello und Klavier. Das Pflichtwerk für das Finale stammt von der chinesischen Komponistin Fang Man, der Titel ist "Four Odes to the Tidings of Flowers" und es wird ab dem 25. Mai von den zwölf Finalisten gemeinsam mit dem Belgian National Orchestra unter der Leitung von Anthony Hermus aufgeführt werden.
Nach dem letzten Finalauftritt am 30. Mai werden wir gegen Mitternacht dann wissen, wer die Nachfolge der Koreanerin Hayoung Choi antreten wird, der Siegerin des "Concours Reine Elisabeth" für Cello im Jahr 2022. Und bis dahin werden wir mit Sicherheit noch viele musikalische Sternstunden erleben dürfen.
Patrick Lemmens