Voll konzentriert: Schachfreunde Wirtzfeld bereiten sich auf gleich mehrere Großveranstaltungen vor

Beim Schachspiel ist es ja gemeinhin so still, dass man eine Nadel zu Boden fallen hören würde. Dass die Schachfreunde Wirtzfeld zur Zeit hochkonzentriert sind, liegt aber nicht so sehr am nächsten Zug des Gegners. Sie bereiten sich vielmehr auf die Organisation mehrerer Großveranstaltungen vor: die traditionellen Wirtzfeld Open, die Schach-Landesmeisterschaft und ein Trainingslager für Kinder und Jugendliche.

Im Pfarrheim von Bütgenbach absolvieren die Schachfreunde ihr wöchentliches Training. Und dabei kann man dann wirklich eine Nadel zu Boden fallen hören – wen auch nicht immer. Doch warum entscheidet man sich überhaupt dafür, den Brettsport auszuüben? „Weil das die Konzentration fördert“, „weil wir Spaß haben“, erklären die kleinen Schachfreunde. Oder auch:  „Ehm, meine Mutter wollte das!“.

Die Motivation, Schach zu spielen ist eben vielfältig. Hauptsache, man bleibt dabei, findet Turnierleiter Viktor Schleck. „Im Moment haben wir so zwischen 15 und 20 Kinder. Unser größter Wunsch ist, dass irgendwann ein paar von denen in der ersten Mannschaft spielen.“

Wirtzfeld Open

Bis dahin ist es ja noch etwas hin – weitere Wettkampferfahrung könnten die jungen Leute ja beim internationalen Jugendturnier am 25. Juni sammeln, nur fehlt ihnen fürs Fünferteam ein Mädchen. „Da haben wir eine spezielle Klausel eingebaut: Es muss minimum ein Mädchen dabei sein. Der Grund ist ganz einfach: Wir finden hier bei uns im Verein, dass viel zu wenig Mädchen in Belgien Schach spielen. Wir wollen versuchen, dass ein bisschen zu fördern“, erklärt Schleck.

Wie’s gehen kann, das machen andere vor. „Gegenbeispiel ist eine Auswahl des Leistunsgzentrums Nordrhein-Westfalen, die treten mit fünf Mädels an“, so Schleck.

Das Jugendturnier ist Teil der Wirtzfeld Open, dem internationalen Eifeler Schachfestival, das am letzten Juni-Wochenende stattfindet. „Das findet jetzt zum 15. Mal statt, zum zweiten mal in Herzebösch. Es startet am Freitagabend mit einem Blitzturnier, also jeder Spieler hat fünf Minuten pro Partie. Da wollen wir mal schauen, wer am Ende die besten Nerven hat“, so Schleck.

Und auch ein bisschen Sitzfleisch wird benötigt, denn am nächsten Tag geht’s weiter. „Also am Samstag ist ebenfalls ein Turnier mit Vierermannschaften für Erwachsene – da werden so 25 bis 30 Teams teilnehmen, aufgeteilt in drei Gruppen. Und am Sonntag ist dann ein Einzelturnier im Schnellschach, wo wir – sagen wir mal – zwischen 70, 80 und 150 Spieler erwarten.“

Schach-Landesmeisterschaft

Das eigentliche Event startet eine Woche später – mit der Schacheinzellandesmeisterschaft – immerhin kein völliges Neuland für die Schachfreunde Wirtzfeld. „2004 hatten wir gemeinsam mit dem KSK 47 Eynatten die Jugendlandesmeisterschaften in Worriken organisiert“, erklärt Schleck.

Dort, in Bütgenbach-Worriken, wird vom 2. bis zum 10. Juli auch diese Landesmeisterschaft für die Erwachsenen ausgetragen – allen voran die „Experten“. „Die allerbesten sind nicht dabei. Von den Top 10 sind fünf dabei. Die anderen haben sich eben vorqualifiziert, sei es im französischsprachigen Schachverband der FEFB oder im flämischen Schachverband der VSF. Und der deutschsprachige Schachverband, der SVDB stellt auch einen Spieler: Er kommt vom SK Rochade Eupen-Kelmis und das ist Thibaut Vandenbussche.“

Trainingslager für Kinder und Jugendliche

Zwischen den Wirtzfeld Open und der Landesmeisterschaft machen die Schachfreunde Wirtzfeld aber nicht etwa eine Pause: vom 27. Juni bis zum 2. Juli organisieren sie, ebenfalls in Worriken, ein Trainingslager für Kinder und Jugendliche. „Da können auch Kinder teilnehmen, die noch nie Schach gespielt haben. Da sind sehr erfahrene Trainer, unter anderem auch die Großmeisterin Carmen Voicu. Sie wird das Trainingslager leiten. Daran dürfen natürlich auch Spieler anderer ostbelgischer Vereine teilnehmen.“

Denn vom Nutzen des Schachspiels gerade auch für die Kinder und Jugendlichen ist nicht nur Viktor Schleck überzeugt. „In Trier haben sie mal vor Jahren einen Test gemacht. Da haben sie 500 Kinder genommen, 250 von ihnen bekamen ein ganzes Jahr Schach beigebracht, die anderen nicht, dann haben sie die schulischen Resultate vergleichen und einen Riesen-Unterschied festgestellt: Die Schachspieler hatten viel bessere schulische Resultate.“

Und dafür hat Viktor Schleck auch eine Erklärung parat. „Wenn man Schach spielt, führt man nicht direkt den Zug aus, man überlegt erst. Wenn nun der Lehrer in der Schule eine Frage stellt, geben sie nicht die erstbeste Antwort, sondern überlegen, ob es nicht vielleicht eine Fangfrage ist, wie eine Falle beim Schach.“

Tja und das vorher Überlegen steht ja auch Erwachsenen ganz gut zu Gesicht…

Stephan Pesch - Archivbild: BRF