AS-Coach Felice Mazzu hatte seinen Worten Taten folgen lassen und seine Startelf im Vergleich zur 1:2-Niederlage vom vergangenen Wochenende gegen Virton kräftig umgekrempelt. Der wieder genesene Raphael Di Matteo, Théo Maréchal, Caliskan und Kikas rückten in die Anfangsformation der Ostbelgier. Dafür mussten Simakala, Müller, Fixelles und Delaurier-Chaubet zunächst auf der Bank Platz nehmen.
Beide Mannschaften standen vor der Begegnung gehörig unter Druck. Eupen wollte nach zuletzt zwei Niederlagen in Serie den Anschluss an die Tabellenspitze nicht verlieren. Die Gastgeber aus Lierse hatten sogar drei Niederlagen in Folge kassiert und wollten sich mit einem Erfolgserlebnis wieder etwas Luft im Tabellenkeller verschaffen.
Die Anfangsphase hatte es gleich in sich. Ein abenteuerlicher Ausflug von Eupens Schlussmann Hiller aus seinem Kasten blieb zunächst ohne Folgen. Im Anschluss versuchte Di Matteo, mit einem Konter für Gefahr zu sorgen. In der 7. Minute handelte sich Paeshuyse nach einem Laufduell mit Alexander Stanic die Gelbe Karte ein.
Lierse zeigte sich im Spielaufbau durchaus gefällig und kam in der 9. Minute zur nächsten Gelegenheit. Kyan Himpe zog von links ab, setzte seinen flachen Abschluss aber am Eupener Gehäuse vorbei.
Dann schlugen die Ostbelgier zu – und wie! Mit einem absoluten Traumtor brachte Kikas die AS in Führung. Im Strafraum setzte der Angreifer zu einem spektakulären Fallrückzieher an und versenkte den Ball wie aus dem Lehrbuch zum 1:0 in den Maschen. Ein Treffer der Extraklasse! Nur wenig später legte Chris Kevin Nadje nach und erhöhte auf 2:0 für Eupen.

Doch die Partie nahm eine dramatische Wendung. Nach einem Einsatz von Paeshuyse gegen Stanic im Eupener Strafraum war gleich eine doppelte Überprüfung nötig. Zunächst ging es um die Entscheidung auf Strafstoß für Lierse, anschließend um die Frage, welcher Eupener Spieler zu bestrafen war. Schiedsrichter Lucas Loockx hatte zunächst Plastun die Gelbe Karte gezeigt, doch nach der Überprüfung war klar: Paeshuyse war der Übeltäter. Da er bereits verwarnt war, musste er mit Gelb-Rot vorzeitig vom Platz.
Den fälligen Elfmeter verwandelte Stanic sicher zum 1:2-Anschlusstreffer für Lierse. Mazzu war gezwungen, umgehend zu reagieren. Er nahm Caliskan vom Feld und brachte mit Michael Precious einen zusätzlichen Defensivspieler, um seine Hintermannschaft wieder zu stabilisieren.

Doch auch in Unterzahl versteckten sich die Eupener keineswegs. Im Gegenteil: Die Ostbelgier machten weiter Druck und durften in der 37. Minute erneut jubeln. Chris Kevin Nadje hatte den Ball im Netz untergebracht – zumindest schien es so. Die Freude währte allerdings nur kurz. Nach einer erneuten Überprüfung wurde der Treffer aberkannt, weil Kikas im Vorfeld Stanic gefoult hatte.
Damit war die turbulente erste Halbzeit aber noch längst nicht zu Ende. In der sechsten Minute der Nachspielzeit schlugen die Eupener erneut zu. Nach einem Freistoß von Gavory köpfte van Genechten das Leder zum 3:1 in die Maschen. So gingen die Ostbelgier nach einer ereignisreichen ersten Hälfte trotz Unterzahl mit einem Zwei-Tore-Vorsprung in die Kabine.
Nach dem Seitenwechsel nahm Eupens Trainer Felice Mazzu eine weitere personelle Veränderung vor. Mathias Fixelles ersetzte Raphael Di Matteo. Der Start in die zweite Halbzeit verlief für die Ostbelgier allerdings alles andere als nach Wunsch. Nach einer umstrittenen Schiedsrichterentscheidung erhielten die Gastgeber einen Eckstoß. Am Ende der anschließenden Aktion stand Sam Vanderhallen am zweiten Pfosten goldrichtig und verkürzte auf 2:3. Auf der Eupener Bank war die Aufregung groß. Mazzu machte seinem Ärger lautstark Luft und sah dafür die Gelbe Karte.
Die Begegnung blieb damit spannend. Eupen musste in Unterzahl seinen knappen Vorsprung verteidigen, versuchte aber weiterhin, auch offensiv Akzente zu setzen. In der 64. Minute reagierte Mazzu mit einem Doppelwechsel. Lorenzo Youndje und Chris Kevin Nadje verließen den Platz, für sie kamen Isaac Nuhu und Logan Delaurier-Chaubet in die Partie.
Drei Minuten später meldeten sich die Ostbelgier wieder vor dem gegnerischen Tor. Michael Precious zog ab, setzte seinen Schuss aber knapp neben das Gehäuse der Gastgeber. In der 69. Minute kam Delaurier-Chaubet zu einer weiteren Gelegenheit, konnte seinen Kopfball allerdings nicht präzise genug platzieren.
Eine Viertelstunde vor Schluss bot sich Eupen die nächste Möglichkeit, für die Vorentscheidung zu sorgen. Nach starker Vorarbeit von Nuhu kam Théo Maréchal zum Abschluss, setzte den Ball jedoch direkt in die Arme von Lierses Schlussmann Jarno de Smet.
Die Ostbelgier ließen damit die Gelegenheit ungenutzt, die Partie vorzeitig zu entscheiden. Auch in der Schlussphase blieb Eupen offensiv gefährlich. In der 89. Minute hatte Delaurier-Chaubet das 4:2 auf dem Fuß, scheiterte aber mit seinem Abschluss.
Am Ende blieb es beim knappen 3:2-Erfolg für die AS Eupen. Die Ostbelgier brachten ihren Vorsprung trotz langer Unterzahl über die Zeit und meldeten sich nach zuletzt zwei Niederlagen mit einem wichtigen Auswärtssieg zurück. In der Tabelle kletterte die Mannschaft von Felice Mazzu wieder auf den dritten Platz und liegt damit nur noch einen Punkt hinter Dender.
Nach der Länderspielpause geht es für die AS Eupen mit einem Heimspiel gegen Aufsteiger Hasselt weiter.
Radio-Interview mit Marco Hiller im Player:
Christophe Ramjoie