Die Enttäuschung über die Niederlage gegen Spitzenreiter Beerschot ist bei der AS Eupen noch nicht ganz verflogen. Zu groß war das Gefühl, trotz einer überzeugenden Vorstellung mit leeren Händen dagestanden zu haben. "Ich denke, jeder hat gesehen, dass wir die bessere Mannschaft waren", erklärte Trainer Felice Mazzu. "Bis auf die Effizienz sprachen sämtliche Statistiken für uns. Wir haben uns zahlreiche Möglichkeiten herausgespielt und trotzdem verloren."
Dennoch sah Mazzu keinen Grund, seine Mannschaft grundsätzlich infrage zu stellen. Laufbereitschaft, Intensität und Spielgestaltung hätten gestimmt. "Meine Aufgabe ist es, ruhig und positiv zu bleiben. Wir müssen nicht unsere Spielweise verändern, sondern das Ergebnis."
Gegen Virton zählt deshalb vor allem ein Sieg. "Wir sind ehrgeizig und wollen so lange wie möglich oben mitspielen, am liebsten bis zum Saisonende. Deshalb brauchen wir diese drei Punkte. Wir müssen auf das Resultat gegen Beerschot reagieren, nicht auf unsere Leistung", betonte Mazzu.
Unterschätzen will der Eupener Coach den Aufsteiger keinesfalls. Virton hatte zu Saisonbeginn bewiesen, dass die Mannschaft auch mit den Spitzenteams mithalten kann. Nach einer schwächeren Phase und einem Trainerwechsel sind die Gäste jedoch ins Tabellenmittelfeld abgerutscht.
"Virton besitzt Qualität und hat gezeigt, dass es oben mitspielen kann", warnte Mazzu. Besondere Aufmerksamkeit verlangt er bei Standardsituationen, über die Virton nach seiner Analyse nahezu sämtliche bisherigen Saisontore erzielt hat. "Wir müssen auf ihre Stärken achten, aber vor allem unser eigenes Spiel durchsetzen und in beiden Strafräumen effizienter werden."
Hendrickx: "Für mich ist das mehr als ein Sieg"
Eine besonders erfreuliche Nachricht gab es unterdessen aus dem Eupener Trainingsbetrieb. Nach 19 Monaten Verletzungspause ist Gaëtan Hendrickx erstmals wieder ins Mannschaftstraining eingestiegen. Hinter dem Mittelfeldspieler liegt eine lange Leidenszeit mit mehreren Rückschlägen.
"Es war unglaublich lang und schwierig. Besonders hart war der erneute Rückschlag im Februar, als ich nach fast einem Jahr Rehabilitation praktisch wieder bei null anfangen musste", berichtete Hendrickx. Zeitweise habe er sogar daran gezweifelt, jemals wieder Fußball spielen zu können. "Wenn man sich zunächst darüber freut, wieder selbstständig gehen zu können, bekommt man einen ganz anderen Blick auf das Leben."
Großen Rückhalt fand er bei seiner Familie, dem Verein und Trainer Mazzu. Seine größte Motivation war jedoch sein dreijähriger Sohn. "Er fragt mich fast jeden Tag, wann er mich endlich wieder Fußball spielen sehen kann. Ich hoffe, dass wir noch viele schöne Momente gemeinsam erleben dürfen."
Für das Heimspiel gegen Virton kommt ein Einsatz allerdings noch zu früh. "Gaëtan absolviert gerade erst seine erste Trainingswoche mit uns. Wir werden noch etwas warten, bevor wir wieder auf ihn zählen", stellte Mazzu klar.
Auch Hendrickx will nach seinen Erfahrungen nichts überstürzen. "Wenn ich nur auf mein Herz hören würde, würde ich am liebsten sofort wieder spielen. Aber ich habe gelernt, mir keinen Druck mehr zu machen."
Christophe Ramjoie