Der Weg für den Bau einer neuen Doppelsporthalle in Eynatten ist frei. Rund 14 Millionen Euro fließen in die moderne Sportinfrastruktur, die 2029 fertig sein soll. Größter Nutzer wird der HC Eynatten-Raeren sein, der mit seinen mehr als 400 aktiven Mitgliedern längst an die Grenzen der bestehenden Hallenkapazitäten stößt. Vereinspräsident Christian Schmitz spricht von einem Meilenstein für den Verein und sieht zugleich neue Perspektiven für die Entwicklung des Handballs in Ostbelgien.
Für den HC Eynatten-Raeren ist es eine Nachricht, auf die der Verein seit vielen Jahren gewartet hat. Mit dem Beschluss zum Neubau einer Doppelsporthalle in Eynatten rückt die dringend benötigte Verbesserung der Trainings- und Spielbedingungen endlich in greifbare Nähe. Entsprechend groß ist die Erleichterung bei Vereinspräsident Christian Schmitz.
“Die ganze Geschichte mit der neuen Halle ist für uns natürlich ein lang gehegter Traum, der jetzt in Erfüllung geht”, erklärt Schmitz. Zwischenzeitlich hätten selbst einige Vorstandsmitglieder nicht mehr daran geglaubt, dass das Vorhaben tatsächlich umgesetzt werden könnte. Zu groß schienen angesichts der erheblichen Investitionssumme die finanziellen Hürden.
Umso größer ist nun die Freude über die Entscheidung. Über Jahre hinweg habe der Verein intensive Gespräche mit den kommunalen Verantwortlichen und der Politik der Deutschsprachigen Gemeinschaft geführt. Schmitz hebt dabei insbesondere die konstruktive Zusammenarbeit hervor. Der HC Eynatten-Raeren sei frühzeitig in die Überlegungen und Planungen eingebunden worden.
Mit einem Investitionsvolumen von rund 14 Millionen Euro entsteht unterhalb der Siedlung Schöne Aussicht eine der bedeutendsten Sportinfrastrukturen Ostbelgiens. Der Raerener Gemeinderat hat die Ausschreibung für das Bauprojekt auf den Weg gebracht.
Vorgesehen sind eine Trainingshalle sowie eine Meisterschaftshalle mit Tribünen für bis zu 500 Zuschauer. Hinzu kommen acht Umkleidekabinen, ein Fitnessraum, Lagerflächen und eine Cafeteria. Die Vergabe der fünf Baulose ist bis Ende 2026 geplant. Läuft alles nach Plan, soll die neue Anlage 2029 bezugsfertig sein.
Für den HC Eynatten-Raeren als mitgliederstärksten Hallennutzer eröffnen sich damit Möglichkeiten, die unter den gegenwärtigen Bedingungen kaum denkbar sind.
Der Verein platzt aus allen Nähten
Die Zahlen verdeutlichen, weshalb die neue Sportstätte für den Handballverein von so großer Bedeutung ist. Mehr als 400 aktive Mitglieder zählt der HC Eynatten-Raeren mittlerweile, darunter rund 250 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Insgesamt 15 Jugendmannschaften und drei Seniorenteams müssen regelmäßig mit Trainingszeiten und Hallenflächen versorgt werden.
“Unser Verein ist in den letzten Jahren aus allen Nähten geplatzt”, beschreibt Schmitz die Situation.
Die räumlichen Engpässe wirken sich unmittelbar auf den Trainingsbetrieb aus. Sowohl Jugend- als auch Seniorenmannschaften müssen sich teilweise mit einem halben Handballfeld begnügen. Dass der sportliche Alltag dennoch funktioniert, sei vor allem dem Engagement der Trainer und der Flexibilität innerhalb des Vereins zu verdanken.
Besonders deutlich wird die Problematik bei den jüngsten Handballern. In der Ballschule musste die Teilnehmerzahl auf 30 Kinder begrenzt werden. Bereits zu Saisonbeginn war diese Grenze erreicht. Zehn weitere Kinder stehen auf der Warteliste und können derzeit nicht aufgenommen werden.
Dabei rechnet der Vereinspräsident keineswegs mit einem Rückgang der Nachfrage. Durch den Zuzug junger Familien und die Entwicklung der Ortschaften Eynatten, Raeren, Hauset und Lichtenbusch sei vielmehr mit weiterem Wachstum zu rechnen.
Die neue Halle soll deshalb nicht nur bestehende Engpässe beseitigen, sondern auch verhindern, dass der Verein interessierte Kinder und Jugendliche aus Platzmangel abweisen muss.
Ein Schritt zur Professionalisierung
Mit der zusätzlichen Infrastruktur verbindet Schmitz auch langfristige sportliche Ambitionen. Die Förderung junger Talente und die Weiterentwicklung des Handballs in Ostbelgien gehören zu den zentralen Zielen des Vereins.
“Einerseits wollen wir die Kinder und Jugendlichen für den Sport begeistern, aber dann auch Talente erkennen und fördern”, erklärt der Präsident. Dabei denke man nicht in einzelnen Spielzeiten, sondern in Zeiträumen von fünf bis zehn Jahren.
Ein wichtiger Baustein ist die bereits gestartete Handballakademie an der Pater-Damian-Schule in Eupen, die gemeinsam vom HC Eynatten-Raeren und der KTSV Eupen getragen wird. Sie soll dazu beitragen, talentierte Nachwuchsspieler gezielter zu fördern und die sportliche Ausbildung auf eine breitere Grundlage zu stellen.
Schmitz macht allerdings deutlich, dass eine Professionalisierung nicht allein von besseren Trainingsbedingungen abhängt. Auch die Ausbildung qualifizierter Trainer, Schiedsrichter und Vereinsverantwortlicher müsse vorangetrieben werden. Perspektivisch gehe es unter anderem darum, Trainer mit höchsten internationalen Qualifikationen auszubilden.
“Wir haben ein riesengroßes Aufgabengebiet, das uns täglich neben dem Tagesgeschäft beschäftigt”, betont Schmitz.
Die neue Halle könne dafür eine wichtige Grundlage schaffen. Sie allein werde jedoch nicht ausreichen, um den ostbelgischen Handball auf ein höheres Niveau zu bringen.
Fusion mit der KTSV Eupen vorerst nicht im Vordergrund
Die Investition in Eynatten wirft auch die Frage nach der künftigen Zusammenarbeit mit der KTSV Eupen auf. Eine mögliche Fusion der beiden traditionsreichen Handballvereine war in der Vergangenheit immer wieder diskutiert worden.
Für Schmitz steht dieses Thema derzeit allerdings nicht im Vordergrund. Er verweist insbesondere auf die starke Verwurzelung beider Vereine in ihren jeweiligen Ortschaften.
Eine Fusion könne durchaus auch Nachteile mit sich bringen. Kinder, die heute zu Fuß zum Training gehen können, wären möglicherweise künftig auf Fahrgemeinschaften angewiesen. Dadurch könnten Mitglieder verloren gehen.
“Das sind Themen, die sollte man auf jeden Fall ganz gründlich besprechen”, sagt Schmitz. Zunächst gelte es, die eigenen infrastrukturellen Probleme zu lösen und die Entwicklung des HC Eynatten-Raeren auf eine stabile Grundlage zu stellen.
Wie sich die Vereinslandschaft und der Handballsport in Ostbelgien langfristig entwickeln werden, müsse zu einem späteren Zeitpunkt beurteilt werden.
500 Zuschauerplätze: Zu klein gedacht?
Diskussionen gibt es auch über die Dimensionierung der neuen Meisterschaftshalle. Vorgesehen sind Tribünen für bis zu 500 Zuschauer. Kritiker sehen darin angesichts der hohen Investitionssumme eine möglicherweise verpasste Chance.
Schmitz kann diese Bedenken nur bedingt nachvollziehen. Für den aktuellen Spielbetrieb und die absehbare Entwicklung seines Vereins hält er die Kapazität für ausreichend.
Bei gewöhnlichen Meisterschaftsspielen liege die Zuschauerzahl zwischen etwa 100 und 250. Bei Derbys, insbesondere gegen Eupen, könnten hingegen auch 500 bis 700 Handballfans zusammenkommen.
Entscheidend sei jedoch nicht allein die maximale Kapazität, sondern auch die Atmosphäre. Gerade der Handball lebe von der Nähe zum Spielfeld und einer stimmungsvollen Kulisse.
“Der Handball lebt ja auch davon, dass sehr viel Stimmung gemacht wird”, erklärt Schmitz. Eine deutlich größere Halle, die bei den meisten Begegnungen nur teilweise gefüllt wäre, müsse nicht zwangsläufig ein Vorteil sein.
Sein Fazit fällt deshalb eindeutig aus: “Ich denke, die 500 Plätze sind momentan von unseren Bedürfnissen her, auch für die absehbaren nächsten Jahre, vollkommen ausreichend.”
Was in zehn oder zwanzig Jahren sein werde, könne niemand vorhersagen. Zunächst müsse es darum gehen, den Handballsport weiterzuentwickeln und zusätzliche Zuschauer zu gewinnen.
Ein Gewinn für den gesamten Dorfkern
Bei aller sportlichen Bedeutung möchte Schmitz den Neubau nicht ausschließlich auf die Bedürfnisse des HC Eynatten-Raeren reduziert wissen. Die Doppelhalle soll auch anderen Sportvereinen bessere Bedingungen bieten.
So verweist er beispielsweise auf die unterschiedlichen Anforderungen der Sportarten. Während im Handball häufig Harz verwendet wird, sind klebrige Hallenböden für Badmintonspieler problematisch. Die zusätzlichen Flächen könnten dazu beitragen, solche Nutzungskonflikte zu entschärfen.
Vor allem aber sieht der Präsident in der neuen Infrastruktur eine Chance, das gesellschaftliche Leben in Eynatten zu stärken.
“Wir legen sehr viel Wert auf Leistung, sehr viel Wert auf Jugendentwicklung und Förderung, aber auch auf Spaß und familiäres Dasein”, beschreibt Schmitz die Philosophie seines Vereins.
Zum Handball gehöre schließlich mehr als das Geschehen auf dem Spielfeld. Das Zusammensein nach den Spielen, der Austausch zwischen Eltern, Spielern und Ehrenamtlichen sowie die Begegnungen im Vereinsumfeld seien wesentliche Bestandteile des Dorflebens. Auch deshalb misst Schmitz der geplanten Cafeteria und den Begegnungsmöglichkeiten in der neuen Halle eine besondere Bedeutung bei.
Christophe Ramjoie