Es war der bisherige Höhepunkt ihrer sportlichen Laufbahn: Jana Backes erfüllte sich mit der Teilnahme am Ironman auf Hawaii einen großen Traum. Bei ihrer Premiere auf der Pazifikinsel schaffte es die Eupenerin auf Anhieb unter die besten 100 Frauen und belegte im Gesamtklassement einen hervorragenden 68. Platz. In ihrer Altersklasse verpasste sie die Top Ten nur um wenige Sekunden.
Mittlerweile liegt das Rennen einige Zeit zurück. Die zahlreichen Eindrücke hat Backes aber noch längst nicht vollständig verarbeitet. "Ich bin rundum glücklich und zufrieden. Natürlich, wenn das Ganze ein bisschen gesackt ist, merkt man, dass man an der einen oder anderen Stelle vielleicht etwas hätte anders machen können", erzählt die Triathletin rückblickend. Deshalb steht für sie inzwischen auch fest: "Ich habe noch eine Rechnung mit Hawaii offen".
Dabei kann sich ihre Leistung mehr als sehen lassen. Gerade unter den schwierigen Bedingungen auf Hawaii war allein das Erreichen der Ziellinie keineswegs selbstverständlich. Wie anspruchsvoll das Rennen tatsächlich war, wurde Backes erst im Nachhinein richtig bewusst. "Als ich erfahren habe, wie viele Profis ausgestiegen sind, bei den Männern und Frauen jeweils rund ein Drittel, habe ich noch einmal gedacht, dass es nicht selbstverständlich war, dort ins Ziel zu kommen. Und vor allem mit einem Lächeln auf dem Gesicht."
Besonders stolz ist die Eupenerin auf ihre Laufleistung. Auf der abschließenden Marathondistanz spielte Backes einmal mehr ihre große Stärke aus. Sie erzielte die achtschnellste Marathonzeit. Damit war sie sogar schneller unterwegs als einige Profiathletinnen. "Das ist dann schon so ein Moment, in dem man sich selbst auf die Schulter klopft und denkt: Ja, hast du gut gemacht", sagt Backes mit einem Lächeln.
Den Sprung unter die besten zehn Athletinnen ihrer Altersklasse verpasste sie denkbar knapp. "Ich bin Elfte geworden. Beim Marathon ist tatsächlich noch eine Athletin, die schneller war, von hinten an mir vorbeigelaufen." Nur wenige Sekunden fehlten am Ende zur erhofften Top-Ten-Platzierung.
Dass es irgendwann noch weiter nach vorne gehen könnte, ist für Backes durchaus ein Anreiz. "Klar ist es immer ein Traum, es einmal in die Top Ten oder sogar unter die besten fünf der Altersklasse zu schaffen." Eine Rückkehr nach Hawaii kann sie sich deshalb gut vorstellen. Allerdings nicht unmittelbar: "Jetzt nicht nächstes Jahr und wahrscheinlich auch nicht übernächstes Jahr. Aber vielleicht irgendwann".
Neben dem sportlichen Ergebnis hat vor allem die besondere Atmosphäre auf Hawaii bleibenden Eindruck hinterlassen. Die Ironman-Weltmeisterschaft gilt als eines der prestigeträchtigsten und härtesten Rennen im Triathlonsport. Für Backes war die Zeit vor dem Start allerdings nicht nur von Vorfreude geprägt. "Ich lasse mich sehr schnell und leicht verunsichern von diesem ganzen Trubel drumherum und von diesen furchtbar fit aussehenden Menschen, die da in den zwei Wochen vor dem Rennen schwimmen, Rad fahren und laufen", gesteht sie.
Anders als bei vielen anderen Wettkämpfen war die Eupenerin bereits längere Zeit vor dem eigentlichen Rennen vor Ort. Dadurch erlebte sie hautnah mit, wie sich der Austragungsort allmählich auf den großen Tag vorbereitete. "Normalerweise reist man zwei oder drei Tage vorher an. Hier bekommt man mit, wie alles aufgebaut wird und wie sich alles verändert. Man bekommt viel mehr von diesem besonderen Vibe mit." Das sei einerseits faszinierend gewesen, andererseits aber auch eine enorme mentale Herausforderung. "Ich war mehr als einmal kurz vor dem Durchdrehen."
Dass sie ihre Nervosität letztlich in den Griff bekam, verdankt Backes nicht zuletzt ihrem engsten Umfeld. Ihr Partner Fabian, ihre Schwester und ihre Mutter waren ebenfalls nach Hawaii gereist, um sie zu unterstützen. Auch ihre Trainerin stand ihr aus Deutschland regelmäßig zur Seite. "Insbesondere Fabian, meine Schwester und auch meine Trainerin mussten da schon ganze Arbeit leisten", berichtet Backes. Mit viel Zuspruch hätten sie dafür gesorgt, dass sie schließlich bereit war, am Samstagmorgen an der Startlinie zu stehen.

Für einen besonderen Moment sorgte während des Rennens auch die Begegnung mit einem weiteren Ostbelgier. Neben Jana Backes war mit Olivier Henz ein zweiter Athlet aus der Region auf Hawaii am Start. Auf der Radstrecke kreuzten sich kurzzeitig ihre Wege. "Grundsätzlich hat derjenige, der überholt, die größeren Chancen zu realisieren, wer vor ihm fährt", erklärt Backes. In diesem Fall war es Henz, der an ihr vorbeizog. "Er hat mir dann tatsächlich noch so etwas wie 'Allez, let's go!' zugerufen." Selbst mitten im härtesten Wettkampf blieb damit Zeit für eine kleine gegenseitige Motivation.
Nach ihrer erfolgreichen Hawaii-Premiere lässt Jana Backes die weitere sportliche Zukunft zunächst bewusst offen. Konkrete Wettkampfpläne gibt es derzeit nicht. Denn im kommenden Mai wartet auf die Eupenerin ein ganz anderes Großereignis: die Hochzeit mit ihrem Partner Fabian. "Aktuell habe ich tatsächlich gar keine konkreten Pläne. Nächstes Jahr im Mai steht erst einmal unsere Hochzeit an. Das ist dann das nächste Ziel beziehungsweise die nächste Vorbereitung", erzählt sie.
Radio-Interview mit Jana Backes im Player:
Christophe Ramjoie

