Der ehemalige Spieler des HC Eynatten, mit dem er zweimal belgischer Meister wurde, blickt mit großer Vorfreude auf das Duell gegen seine früheren Weggefährten. "Ich freue mich natürlich ungemein", sagt Erik Wudtke mit Blick auf das bevorstehende Aufeinandertreffen. "Wer meine besonderen Beziehungen zu Belgien kennt, der weiß natürlich auch, dass das für mich ein besonderes Spiel ist."
Dabei geht es dem deutschen Co-Trainer nicht nur um das Wiedersehen mit alten Bekannten. Wudtke freut sich auch darüber, dass sich der belgische Handball auf internationaler Bühne präsentieren darf.
Das letzte Duell der beiden Nationalmannschaften liegt weit zurück. 1999 setzte sich Deutschland in Hasselt nur knapp mit einem Tor Unterschied durch. Seither haben sich die Kräfteverhältnisse allerdings deutlich verschoben. Während Deutschland bei Welt- und Europameisterschaften sowie Olympischen Spielen zahlreiche Medaillen gewann, konnte Belgien mit seiner erstmaligen WM-Teilnahme 2023 einen historischen Erfolg feiern.
Wir gehen als Favorit in dieses Spiel
An der Rollenverteilung für die Begegnung in Berlin lässt Wudtke keinen Zweifel. Dennoch wehrt er sich dagegen, die Belgier als Handballzwerge abzustempeln. "Handballzwerg finde ich ein bisschen unfair den Belgiern gegenüber", betont der 54-Jährige. Allerdings seien die strukturellen Unterschiede zwischen beiden Nationen nicht wegzudiskutieren. "Die Voraussetzungen und Möglichkeiten, die eine Handballnation wie Deutschland hat, sind in Belgien eben noch nicht flächendeckend vorhanden."
Für die deutsche Mannschaft zählt deshalb nur ein Erfolg: "Wir gehen in das Spiel als Favorit und werden das Spiel natürlich auch gewinnen wollen. Das ist ganz klar, weil es kein Freundschaftsspiel ist, sondern ein Qualifikationsspiel. Wir wollen mit einem Sieg in diese Runde starten."
Drei Ostbelgier besonders im Blick
Besondere Aufmerksamkeit schenkt Wudtke den ostbelgischen Nationalspielern Kai Kriescher, Nick Braun und Raphaël Kötters. Alle drei haben den Schritt ins Ausland gewagt und Erfahrungen in anspruchsvollen Handballligen gesammelt. "Die habe ich natürlich auf dem Zettel, weil da auch eine persönliche Beziehung besteht", erklärt Wudtke. "Ich freue mich, dass drei Ostbelgier aus der Deutschsprachigen Gemeinschaft den Weg in die Nationalmannschaft gefunden haben."
Doch der deutsche Co-Trainer beschränkt seine Beobachtungen keineswegs auf die Spieler aus seiner ehemaligen Wirkungsstätte. Erst kürzlich verfolgte er persönlich eine Begegnung der belgischen Super Handball League zwischen Hubo Handbal und Sporting Pelt, um sich ein Bild von weiteren Nationalspielern zu machen.
Auch Sebastian Danesi und den in Frankreich aktiven belgischen Nationalspieler, den Wudtke als "tollen Spieler" hervorhebt, hat er im Blick. Sein Urteil über die belgische Auswahl fällt durchaus anerkennend aus: "Ich glaube, dass die Belgier schon eine gute Mannschaft haben". Dennoch werde es gegen die international erfahrene deutsche Auswahl schwer.
Belgischer Handball auf dem richtigen Weg
Über das bevorstehende Länderspiel hinaus beschäftigt Wudtke die langfristige Entwicklung des belgischen Handballs. Der ehemalige Eynattener Spieler sieht durchaus Chancen, den Abstand zu den etablierten Handballnationen in Zukunft zu verkürzen. "Die ersten Schritte sind getan", stellt er fest.
Besonders positiv bewertet er die Bereitschaft junger belgischer Talente, ihre sportliche Entwicklung im Ausland voranzutreiben und dort von professionelleren Strukturen zu profitieren. Daneben brauche es weitere Investitionen in die Trainerausbildung, die Nachwuchsförderung und die Professionalisierung der Vereine.
Dass Belgien grundsätzlich das Potenzial besitzt, sich in einer Mannschaftssportart an die Weltspitze heranzuarbeiten, habe das Land im Hockey eindrucksvoll bewiesen. "Ich glaube, die Sportart hat Potenzial", sagt Wudtke über den Handball. Allerdings sei der internationale Konkurrenzkampf hier deutlich größer als im Hockey.
Gerade in Ostbelgien sieht der deutsche Co-Trainer noch erhebliche Entwicklungsmöglichkeiten. "Dort besteht wirklich ein handballverrücktes Publikum", unterstreicht er. Entscheidend sei, die vorhandene Begeisterung durch eine leistungsorientierte Talententwicklung und professionellere Vereinsstrukturen zu ergänzen. "Dann wird das irgendwann auch dazu beitragen, dass der Abstand sich verkürzt."
Neue Sporthalle in Eynatten als wichtiges Signal
Mit besonderem Interesse verfolgt Wudtke auch die Pläne für einen neuen Sportkomplex mit Doppelhalle in Eynatten. Für den früheren Spieler des HC Eynatten ist das Projekt ein wichtiger Schritt. "Ich finde es grundsätzlich positiv, weil es eine Investition in die Region ist, eine Investition für die Menschen in Ostbelgien", erklärt Wudtke.
Zwar seien damit erhebliche Kosten verbunden, doch dürfe man den gesellschaftlichen Wert einer solchen Sportstätte nicht unterschätzen. "Der Sport bringt einen sehr großen kulturellen und gesellschaftlichen positiven Effekt für die Menschen und für eine ganze Region mit sich." Ein moderner Hallenkomplex könne nicht nur als Begegnungsstätte dienen, sondern auch neue Möglichkeiten für den Leistungssport eröffnen und die Region wirtschaftlich attraktiver machen.
Für Wudtke ist die Investition längst überfällig. Die Möglichkeiten, die bisherigen Sportstätte in Eynatten weiter zu renovieren, seien weitgehend ausgeschöpft. Ein Neubau wäre deshalb "ein ganz, ganz tolles Zeichen für die Region und nicht zuletzt auch für den HC Eynatten".
Radio-Interview mit Erik Wudtke im Player:
Christophe Ramjoie