Auf der Kartstrecke von Spa-Francorchamps hat der 15-jährige Marlé Heinen aus St. Vith den Sieg bei der RACB Karting Trophy eingefahren. Von Startplatz drei ins Rennen gegangen, fiel Heinen zwischenzeitlich auf die fünfte Position zurück. Doch das Nachwuchstalent vom Action Center Grüfflingen kämpfte sich eindrucksvoll nach vorne und übernahm bereits in der dritten Runde die Führung, die er anschließend souverän bis ins Ziel verteidigte.
Wie groß die Anspannung während der 20 Rennrunden gewesen war, zeigte sich unmittelbar nach dem Zieleinlauf. Als Heinen seinem Vater überglücklich um den Hals fiel, entfuhr ihm ein bemerkenswerter Satz: "Das waren die schlimmsten 20 Runden meines Lebens."
Mit etwas Abstand konnte der frischgebackene Sieger seine Gefühle besser einordnen. "Es hat natürlich super viel Spaß gemacht, aber an der Spitze war der Druck einfach riesig", erklärte Heinen. Vor allem die Angst vor einem Fehler habe ihn während des Rennens beschäftigt. "Man denkt die ganze Zeit darüber nach, was passiert, wenn man etwas falsch macht. Man hat viel zu viel im Kopf und kann sich dadurch nur noch halb auf das Rennen konzentrieren." Trotz dieser enormen mentalen Belastung behielt Heinen die Nerven und brachte seinen Vorsprung sicher ins Ziel.
Dabei war seine Teilnahme an der RACB Karting Trophy keineswegs selbstverständlich. In der ursprünglichen Qualifikation hatte er lediglich den vierten Platz belegt, obwohl er dort bereits die schnellste Qualifikationszeit gefahren war. Erst durch eine Nachnominierung erhielt er schließlich doch noch die Chance, beim entscheidenden Rennen anzutreten.
Dass er dadurch möglicherweise etwas unbeschwerter an den Start gehen konnte, wollte Heinen allerdings nicht bestätigen. Ganz im Gegenteil: "Ich finde, man hat dadurch sogar noch mehr Druck. Man sagt sich: Wenn ich jetzt schon nachnominiert werde, dann muss ich diese Chance auch ausnutzen und versuchen, das Beste daraus zu machen." Genau diese Einstellung habe ihm aber auch zusätzlichen Antrieb gegeben, eine besonders gute Leistung zu zeigen. Und das gelang ihm eindrucksvoll.

Mit dem Sieg sicherte sich Heinen nicht nur den Titel bei der RACB Karting Trophy, sondern auch eine wichtige finanzielle Unterstützung für seine weitere Motorsportkarriere. Die 10.000 Euro Fördergeld sollen direkt in seine nächsten Renneinsätze fließen. Sein Vater scherzte nach dem Erfolg bereits, dass der Sohn nun die Schule aufgeben und sich ausschließlich dem Kartsport widmen könne. Heinen nahm die Bemerkung mit Humor: "Ja, das wäre schön."
Seine unmittelbaren Pläne sind allerdings deutlich konkreter. "Ich fahre jetzt erst einmal die drei Rennen, die ich mir mit den 10.000 Euro leisten kann. Und dann schauen wir mal, wie es klappt", erklärte der Sieger. Aus einer unerwarteten zweiten Chance ist damit ein großer sportlicher Erfolg geworden. Für Marlé Heinen könnte der Triumph bei der RACB Karting Trophy ein wichtiger Schritt auf seinem weiteren Weg im Motorsport sein.
Radio-Interview mit Marlé Heinen im Player:
Es waren noch weitere Ostbelgier am Start: Adrien Traviglini von der Experience Factory Eupen wurde Vierter, Maxime Flemmings vom Actioncenter Neunter. Clément Bourgeois (Experience Factory), Tiago Dantine (Experience Factory) und Marlon Hanf (Actioncenter) landeten auf den Plätzen elf, zwölf und 17.
Christophe Ramjoie






