Nach zwei Siegen in Lüttich hat Grégory Wathelet auch diesmal sportlich einiges vor. "Dieses Turnier ist etwas ganz Besonderes - für die Region, für unseren Sport und natürlich auch für mich", betont Grégory Wathelet. Vor allem die Begeisterung rund um das Jumping de la Province de Liège beeindruckt den belgischen Springreiter immer wieder. "Alle wollen dabei sein: die Zuschauer, die regionalen Reiter, die Kinder und Jugendlichen - und natürlich auch wir Profis."
Den besonderen Charakter macht für den zweimaligen Sieger vor allem die Nähe zwischen Publikum und Sportlern aus. Die dicht an der Reitbahn gelegenen Tribünen sorgen beim Hallenturnier für eine außergewöhnliche Stimmung. "In Lüttich herrscht eine ganz eigene Leidenschaft. Das Publikum reagiert unglaublich intensiv. Diese Atmosphäre findet man nicht überall", erklärt Wathelet. Selbst junge Spitzenreiter wie Gilles Thomas und Thibault Spits seien bei ihrer Teilnahme im vergangenen Jahr davon beeindruckt gewesen.
Auch sportlich verspricht die Veranstaltung einiges. Die internationale Erfolgsserie der belgischen Springreiter garantiert bereits ein starkes nationales Aufgebot. Hinzu könnten weitere prominente Namen aus der Weltspitze kommen. "Das Niveau in Belgien ist derzeit enorm hoch. Dazu gibt es internationale Topreiter, die gerne nach Lüttich kommen möchten. Wir dürfen uns auf ein sehr starkes Starterfeld freuen."
Nach zwei Erfolgen beim Lütticher Turnier macht Wathelet aus seinen Ambitionen keinen Hehl. Entscheidend wird allerdings sein, welches Pferd er satteln kann. Sein Wunschpartner ist Bond, der nach verletzungsbedingten Rückschlägen erst wieder zu seiner Bestform finden muss.
"Mein Plan ist, mit Bond zu starten. Aber er wird nur antreten, wenn er hundertprozentig fit ist", stellt Wathelet klar. Sollte alles nach Wunsch verlaufen, ist die Zielsetzung eindeutig: "Wenn ich mit Bond komme, will ich um die vorderen Plätze mitreiten. Ich verstecke meine Ambitionen nicht."
Andernfalls will er mit einem jüngeren, weniger erfahrenen Pferd das bestmögliche Ergebnis erzielen. Am Ehrgeiz dürfte es jedenfalls nicht fehlen. "Selbst wenn die Motivation einmal nachlassen sollte, kommt sie spätestens beim Einreiten in Lüttich zurück. Das Publikum trägt einen regelrecht."
Mit der Rückkehr des Jumping de la Province de Liège nach mehrjähriger Unterbrechung stellt sich auch die Frage nach der weiteren Entwicklung. Ein möglicher Aufstieg in die Fünf-Sterne-Kategorie ist für Wathelet allerdings nicht die oberste Priorität.
"Lieber ein hervorragendes Vier-Sterne-Turnier organisieren, als unbedingt größer werden zu wollen und am Ende die Qualität nicht mehr gewährleisten zu können", sagt der erfahrene Reiter, der selbst als Turnierorganisator tätig ist. Steigende Anforderungen und Kosten dürften die langfristige Zukunft der Veranstaltung nicht gefährden.
Gerade in der Wallonie seien hochklassige Reitturniere selten geworden. Umso wichtiger sei es, die Lütticher Veranstaltung dauerhaft im Kalender zu verankern. "Wir haben in den Jahren ohne dieses Turnier gesehen, was uns gefehlt hat. Deshalb müssen alle, denen der Reitsport am Herzen liegt, dahinterstehen."
Für Wathelet steht fest: Das Jumping de la Province de Liège überzeugt nicht allein durch große Namen und sportliche Höchstleistungen. Es ist vor allem die besondere Verbindung zwischen Reitern, Nachwuchs und Publikum, die den Wettbewerb auszeichnet - und die Lüttich zu einem der emotionalsten Schauplätze im belgischen Springsport macht.
Christophe Ramjoie