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Vom Schulhof zur belgischen Meisterschaft: Muurke Klop erobert Nijlen

27.09.202611:11
  • Antwerpen
Zwei Spieler mit Ball vor Mauer spielen das Mauerballspiel
Bild: Christophe Ramjoie/BRF

Was früher auf dem Schulhof Zeitvertreib war, ist in der flämischen Gemeinde Nijlen längst ein Sportereignis: Bei der belgischen Meisterschaft im Muurke Klop – etwa Mauerball – treten mehr als 200 Spieler an. Entstanden als Rahmenprogramm eines Punkfestivals, ist daraus 16 Jahre später eine erstaunliche Erfolgsgeschichte geworden.

Ein Ball, eine Mauer und ein paar einfache Regeln: Mehr braucht es für Muurke Klop nicht. Das Prinzip des Mauerballs dürften viele noch aus ihrer Schulzeit kennen: Der Ball wird gegen eine Wand gespielt, der nächste Spieler muss reagieren. In Nijlen in der Provinz Antwerpen hat man aus dem Pausenspiel allerdings einen richtigen Wettkampfsport gemacht.

Einer, der von Anfang an dabei war, ist Evert Kenens. Er gehört zu den Gründervätern der belgischen Meisterschaft und erinnert sich noch gut daran, wie aus einer spontanen Idee plötzlich ein Turnier wurde. "Wir haben das schon vor 20 oder 30 Jahren in der Schule und bei der Chiro gespielt", erzählt Kenens. Der entscheidende Impuls kam später bei der Organisation eines Punkfestivals. "Das Festival ging über zwei Tage und wir brauchten noch etwas Programm zwischen den Auftritten. Also haben wir eine Meisterschaft organisiert."

Was als Gag begann, entwickelte schnell ein erstaunliches Eigenleben. Bei der ersten Ausgabe 2008 gingen nach Angaben von Kenens 16 Spieler an den Start. Bei der Meisterschaft in Nijlen sind es 213.

Einfache Idee, ernsthafter Wettkampf

Auf mehreren mobilen Spielfeldern fliegen bei der belgischen Meisterschaft die Bälle gegen die Holzwände. Das Prinzip ist bewusst einfach geblieben. Genau darin liegt für Kenens ein Teil des Erfolgs. "Jeder kann Muurke Klop spielen – ob man fünf oder 60 Jahre alt ist, Mann oder Frau", sagt er. Für Kinder gibt es inzwischen eine eigene Meisterschaft bis 16 Jahre.

Doch so unkompliziert Mauerball aussieht, ganz ohne Regeln funktioniert auch Muurke Klop nicht. In den Anfangsjahren experimentierten die Organisatoren deshalb immer wieder mit dem Regelwerk. "Wir haben sehr viele Veränderungen ausprobiert. Nach jeder Meisterschaft haben wir die Regeln verbessert", sagt Kenens. Mittlerweile gibt es ein offizielles Regelwerk, das über die Webseite der Organisation abrufbar ist.

Auch technisch hat sich das einstige Schulhofspiel weiterentwickelt. Eine eigene App ermöglicht es Teilnehmern und Zuschauern, Ergebnisse und Punktestände zu verfolgen und zu sehen, wer die nächste Runde erreicht. Kenens spricht inzwischen von einer "semiprofessionellen" Organisation.

Banner mit der Aufschrift muurkeklop.be und einer gemalten Figur, die Mauerball spielt
Bild: Christophe Ramjoie/BRF

Eine eigene Muurke-Klop-Mauer in Nijlen

Wie stark Muurke Klop mittlerweile mit Nijlen verbunden ist, zeigt sich nicht nur am Tag der belgischen Meisterschaft. Neben den mobilen Wettkampfwänden gibt es in der Gemeinde inzwischen auch eine fest installierte Muurke-Klop-Mauer.

"Wir haben die Gemeinde gefragt, ob wir eine Mauer bekommen können", erzählt Kenens. Der Wunsch wurde erfüllt. Seither wird dort regelmäßig gespielt – von Schulklassen ebenso wie von Kindern und Erwachsenen nach Schulschluss. "Es ist sehr schön zu sehen, dass die Menschen aus Nijlen diese Mauer wirklich nutzen."

Die belgische Meisterschaft ist längst mehr als ein Treffen einiger Mauerball-Enthusiasten. Rund 30 Menschen gehören mittlerweile zum Organisationsteam. Für Nijlen ist das Turnier zu einem festen Termin im Jahreskalender geworden. "Jedes Jahr fragen die Leute, wie es mit der Meisterschaft aussieht", sagt Kenens.

Der Erfolg bringt allerdings auch ein Problem mit sich: Die Startplätze reichen nicht mehr für alle Interessenten. "Jedes Jahr sind wir ausverkauft", sagt Kenens. "Das ist natürlich schön, aber gleichzeitig schade, weil nicht mehr alle mitspielen können."

Von Nijlen hinaus in die Welt?

In Nijlen allein soll die Geschichte nicht enden. Die Organisatoren möchten Muurke Klop auch außerhalb seiner bisherigen Hochburg bekannter machen. Provinzmeisterschaften gibt es bereits in Antwerpen und Flämisch-Brabant. Langfristig soll in jeder flämischen Provinz gespielt werden, anschließend könnte auch die Wallonie folgen.

Und danach? Evert Kenens muss nicht lange überlegen. "2040 gehen wir nach Deutschland zu den Olympischen Spielen", sagt er mit einem Augenzwinkern. "Wir wollen olympisch werden. Das ist das Ziel." Ganz so ernst sollte man die olympische Kampfansage nicht nehmen. Aber wer weiß: Bis 2040 bleibt schließlich noch genügend Zeit, die eine oder andere Mauer zu überwinden.

So funktioniert Muurke Klop

Muurke Klop ist so einfach wie sein Name: Ball, Boden, Mauer. Die Spieler treten nacheinander an und schlagen den Ball mit einer Hand oder dem Unterarm. Nach dem Schlag muss er einmal auf dem Boden und anschließend gegen die Mauer aufkommen.

Wer den Ball verfehlt oder nicht regelgerecht zurückspielt, scheidet aus beziehungsweise kassiert in der K.-o.-Phase einen "Strike". Drei Fehler bedeuten dort das Aus.

Bei der belgischen Meisterschaft geht es zunächst über Gruppenrunden in die K.-o.-Phase. Am Ende gilt das alte Schulhofprinzip: Wer als Letzter übrig bleibt, gewinnt.

Christophe Ramjoie

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