Für Tim Rex war 2026 ein Jahr, das er so schnell nicht vergessen dürfte. Der Profi von Visma | Lease a Bike bestritt seinen ersten Giro d'Italia, feierte dort mit dem Gesamtsieg von Jonas Vingegaard einen großen Teamerfolg und rückte selbst stärker ins Rampenlicht. Seine Zukunft hat der Ostbelgier ebenfalls frühzeitig geklärt: Erst vor wenigen Wochen verlängerte Rex seinen Vertrag bei Visma | Lease a Bike bis 2029.
Die Entscheidung für eine langfristige Zukunft beim niederländischen Team fiel ihm nicht schwer. "Ich fühle mich einfach unfassbar wohl da. Für mich persönlich gibt es kein besseres Team", sagt Rex. Vor allem die klaren Strukturen kommen ihm entgegen. "Ich brauche strikte Anweisungen und ein bisschen die Regeln. Das ist einfach das Umfeld, das ich brauche und das ich dort bekomme. Ich habe meine Struktur und meine Abläufe."
Dass Visma | Lease a Bike bereits frühzeitig auf ihn zukam, wertet Rex als besonderes Zeichen des Vertrauens. Sein bisheriger Vertrag wäre schließlich noch bis 2027 gelaufen. "Sie hätten meinen Vertrag dieses Jahr noch gar nicht aufbrechen müssen. Das gibt mir ein sehr großes Gefühl von Wertschätzung. Dafür bin ich dem Team sehr dankbar." Gleichzeitig sei die langfristige Bindung zusätzliche Motivation.
Auch personell befindet sich die Mannschaft im Wandel. Mit Grischa Niermann verlässt eine prägende Figur das Team. Für die Fahrer sei der Übergang bislang aber weitgehend reibungslos verlaufen. "Das ist natürlich schade, aber es ist schon ein guter Nachfolger da", sagt Rex. Mit dem neuen Verantwortlichen habe er bereits beim Giro zusammengearbeitet. "Wir Fahrer haben davon eigentlich nicht so viel gespürt."
Gerade der Giro d'Italia nimmt in Rex' Saisonbilanz einen besonderen Platz ein. Sportlich war die Rundfahrt mit dem Gesamterfolg von Jonas Vingegaard ein Höhepunkt, für Rex persönlich bedeutete sie zugleich den bislang größten medialen Schub seiner Karriere. Vor allem nach der 14. Etappe stieg seine Bekanntheit deutlich. "Seitdem werde ich häufiger erkannt und die Leute wissen wirklich, wer ich bin", erzählt Rex. Daran habe er sich zunächst gewöhnen müssen. "Aber irgendwann geht es. Medial war das nach der 14. Etappe schon ein großer Durchbruch."
Inzwischen neigt sich die Saison dem Ende entgegen. Mit Rennen in Montréal und Québec sowie der Lombardei-Rundfahrt warten noch große Aufgaben auf den Ostbelgier. Unabhängig von den letzten Resultaten fällt sein Rückblick auf 2026 positiv aus. "Ich glaube, ich kann sehr zufrieden sein mit der Saison", sagt Rex. "Ich bin sehr viele coole Rennen gefahren und natürlich sticht der Giro mit dem Gesamtsieg von Jonas ganz oben heraus." Gerade angesichts der Tatsache, dass es seine erste vollständige Saison auf diesem Niveau war, zieht er ein positives Fazit. "Wenn man sieht, welche Rennen ich gefahren bin, kann ich eigentlich nur zufrieden sein."
Die Messlatte für 2027 liegt damit hoch. Rex will sich allerdings nicht daran festbeißen, die Erlebnisse dieser Saison unbedingt übertreffen zu müssen. Ein Gesamtsieg bei einer Grand Tour sei schließlich alles andere als selbstverständlich. "Ob man das toppen kann, weiß ich nicht. So ein Sieg bei einer großen Rundfahrt ist immer etwas Spezielles. Das passiert nicht einfach jedes Jahr", sagt Rex. Sein persönliches Ziel für die kommende Saison formuliert er deshalb bewusst unabhängig von einzelnen Ergebnissen: "Man möchte sich als Fahrer einfach weiterentwickeln. Und dann sieht man nächstes Jahr, wo man steht".
Christophe Ramjoie